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Interview zur ''Europa!''-Reihe
''Kristallisationspunkte europäischer Integration''
Impulse gegen die Krise: Mit seiner Veranstaltungsreihe ''Europa!'' hat der DAAD 2012 gezeigt, dass ihm die Gemeinschaft des Kontinents am Herzen liegt. Zum Teil recht unterschiedliche Veranstaltungen regten Diskussionen an, ob beim Alumniseminar in Madrid, beim Stipendiatenaustausch in Straßburg oder bei der Fachkonferenz in Budapest – um nur ein paar Beispiele zu nennen. Zum Abschluss der ''Europa!''-Reihe spricht Dr. Klaudia Knabel, Mitinitiatorin der Veranstaltungsreihe und Leiterin der DAAD-Gruppe ''Westeuropa, Nordamerika'', im Interview über das nachhaltige Engagement des DAAD für die europäische Idee.
Dr. Klaudia Knabel
Dr. Klaudia Knabel
© DAAD
Frau Dr. Knabel, warum war es dem DAAD wichtig, mit ''Europa!'' ein Ausrufezeichen für die europäische Idee zu setzen?
Dr. Klaudia Knabel: Das Ausrufezeichen ist eine Reaktion auf das Fragezeichen, das den öffentlichen Diskurs über Europa derzeit beherrscht. Die sogenannte europäische Krise droht sich in eine Einstellungskrise zu wandeln. Dagegen wollen wir ein entschiedenes Zeichen setzen. Dabei ist uns der Dialog wichtig, gerade in einer Phase, in der lange verdeckte oder ignorierte ökonomische, politische und kulturelle Unterschiede innerhalb Europas ans Licht kommen und die europäische Integration offenbar in Frage stellen. Mit der Kampagne wollten wir unsere Stipendiaten, Alumni sowie unsere Partner innerhalb Europas auffordern, über die Gestalt und die Gestaltung Europas miteinander ins Gespräch zu kommen.

Als Leiterin der DAAD-Gruppe "Westeuropa, Nordamerika" haben Sie auch die von der Finanz- und Wirtschaftskrise des Euro-Raums besonders betroffenen Länder Griechenland, Italien, Portugal und Spanien im Blick. Wie wirkt sich die Krise in diesen Ländern auf
die Arbeit des DAAD aus?
Die wirtschaftliche Situation einzelner Länder wirkt sich unverkennbar auf die Arbeit des DAAD aus: Einzelne Angebote, wie die Förderung von Intensivsprachkursen, Studienaufenthalten oder kurzen Forschungsaufenthalten in Deutschland werden zurzeit stark nachgefragt. Wir beobachten zum Teil eine Verdoppelung oder gar Verdreifachung der Antragszahlen. Ausländische Hochschulen melden einen steigenden Bedarf an Deutschunterricht und bitten um Unterstützung, zum Beispiel durch die Einrichtung zusätzlicher Sprachassistenzen. Bilaterale Programme der Forschungsförderung, bisher von der deutschen und der ausländischen Seite gemeinsam finanziert, werden derzeit entweder durch den DAAD allein gefördert oder müssen vorübergehend ausgesetzt werden.

Vor dem Hintergrund der äußerst schwierigen Finanzsituation der südeuropäischen Hochschulen arbeiten wir gerade an einem Programm, das den wissenschaftlichen Dialog mit den ausländischen Partnern befördern und eine enge Kooperation insbesondere mit den griechischen Hochschulen ermöglichen soll.

Welche Rolle kommt Ihrer Einschätzung nach den europäischen Hochschulen in der Krise zu?
In dem aktuellen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kontext haben die europäischen Hochschulen in zweifacher Hinsicht eine Schlüsselrolle: Hochschulen sind zum einen Motoren der Innovation in ihren Ländern, sie stellen Schlüsseltechnologien zur Verfügung, bilden Fachkräfte aus und ermöglichen den notwendigen Strukturwandel. Durch wissenschaftlichen Fortschritt und die Ausbildung künftiger Generationen leisten sie einen entscheidenden Beitrag zur Überwindung der Wirtschaftskrise.

Hochschulen sind zum anderen Orte der Analyse und Reflexion – dort lässt sich die europäische Idee im Austausch diskutieren und entwickeln, dort können verantwortungsbewusste europäische Bürger herangebildet werden. Die europäische Idee kann von dort neue Impulse erhalten, die ihr erneut Überzeugungskraft geben.

Freude an der Diskussion: ''Europa!''-Veranstaltung des IC Athen im Sommer 2012
Freude an der Diskussion: ''Europa!''-Veranstaltung des IC Athen im Sommer 2012
© DAAD / Kostas Deligiannidis
Der DAAD hat mit den zum Teil recht unterschiedlichen Veranstaltungen der ''Europa!''-Reihe verschiedene Impulse gegeben. Inwieweit glauben Sie, dass solche, an einzelne Termine gebundene Veranstaltungen nachhaltige Auswirkungen haben können?
Solche Veranstaltungen werfen Schlaglichter auf unsere Aktivitäten, die in der Regel langfristig sind. In diesem Sinne sind sie Momentaufnahmen, die das ansonsten nur schwer zu fassende nachhaltige Engagement des DAAD ins Rampenlicht rücken. Sie sprechen unterschiedliche Zielgruppen an und wirken auf diese Weise in die akademische Öffentlichkeit und darüber hinaus. Und in der Begegnung von Studierenden und Wissenschaftlern, die eines oder mehrere europäische Länder aus eigener – nicht nur oberflächlicher – Anschauung kennen, sind sie Kristallisationspunkte gelingender europäischer Integration.

Wie wird sich der DAAD in Zukunft für die europäische Idee engagieren?
Die europäische Dimension ist im akademischen Austausch von Stipendiaten und über ihn hinaus in der Hochschulkooperation fest verankert. Sie spiegelt sich in den Aktivitäten des DAAD in einer Vielzahl von Aktionslinien wider: von der Wahrnehmung der Aufgaben als Nationale Agentur für die europäischen Bildungsprogramme im Hochschulbereich, über die Unterstützung der Schaffung eines europäischen Bildungs- und Forschungsraums bis hin zu dem Wirken von DAAD-Lektoren an europäischen Hochschulen. In der aktuellen Situation werden wir uns – im Sinne einer europäischen Solidarität – aktiv darum bemühen, die Hochschulkooperation mit unseren südlichen Partnern nicht nur aufrecht zu erhalten, sondern auszubauen.

Autor: Johannes Göbel
Veröffentlichungsdatum: 18.01.2013
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