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DAAD-Preisträger im Interview
Investitionen in Bildung und Zukunft
Krieg, Armut, Naturkatastrophen: In zahlreichen Ländern leiden Kinder unter Mangelernährung, gefährlichen Infektionen und Gewalt. Um eine effektive Hilfe bemüht sich Predrag Milosevic: Mit seiner UNICEF-Hochschulgruppe unterstützt er Kinder auf der ganzen Welt. Für seine gesellschaftspolitischen Verdienste, aber auch exzellenten akademischen Leistungen wurde der BWL-Student Ende des vergangenen Jahres mit dem DAAD-Preis ausgezeichnet.
Predrag Milosevic
Predrag Milosevic
© privat
Herr Milosevic, die Hochschule für angewandte Wissenschaften Ingolstadt (HI) ehrte Sie nicht zuletzt aufgrund der von Ihnen gegründeten UNICEF-Hochschulgruppe mit dem DAAD-Preis. Warum machen Sie sich für Kinder stark?
Predrag Milosevic: Ich selbst bin in Serbien aufgewachsen, einem Land, in dem der Lebensstandard niedrig ist. Darüber hinaus erlebte ich Hunger, Krieg und Not – ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man gerade als Kind in solch einer Situation auf die Hilfe anderer angewiesen ist und keine Schuld an seiner Lage trägt. Deshalb habe ich auch einen Teil meines Preisgelds an UNICEF gespendet. Ich möchte damit in die Bildung anderer investieren. Jeder Mensch sollte die Möglichkeit haben, eine Schule zu besuchen.

Ihre UNICEF-Hochschulgruppe haben Sie im Sommersemester 2010 gegründet. Was zeichnet sie aus?
Unsere Hochschulgruppe unterstützt Kinder auf der ganzen Welt und spricht nicht nur deutsche, sondern auch internationale Studierende an. Am Anfang setzte sie sich nur aus einem kleinen Kreis von Freunden zusammen, doch mittlerweile zählen wir über 100 Mitglieder. Mit verschiedenen Aktionen gelingt es uns, pro Semester etwa 10.000 Euro von Sponsoren zu sammeln. Wir organisieren beispielsweise jedes Jahr einen Hochschullauf. Für jede Runde, die die Studierenden zurücklegen, spenden Unternehmen aus dem Ingolstädter Raum einen bestimmten Betrag. Außerdem haben wir vor Weihnachten ein Benefizkonzert veranstaltet. Das war dank der talentierten Studierenden, die das Programm gestaltet haben, ein großer Erfolg. Bei unseren Veranstaltungen erfahren wir großartige Unterstützung der Arbeitsgruppe Ingolstadt, zu der auch Auszubildende, Zivildienstleistende und Berufstätige gehören.

Seit Juni 2012 ist Ingolstadt für ein Jahr Austragungsort des UNICEF-Kinderjahres. Welche Ziele haben Sie sich für diese Zeit gesetzt?
Als UNICEF-Kinderstadt haben wir uns gemeinsam mit unseren Partnern vorgenommen, mindestens 300.000 Euro zu sammeln. Die Bilanz zur Halbzeit hat unsere Erwartungen übertroffen: Fast 320.000 Euro sind bereits zusammengekommen. Mit diesem Geld möchten wir in Burkina Faso in der Gemeinde Legmoin in die Bildung von Kindern investieren. In zwei Dörfern werden eine Grundschule und Brunnen für Trinkwasser gebaut. Außerdem sollen Kindergärten entstehen. Sowohl die Schulen als auch die Kindergärten werden mit einer Bibliothek ausgestattet, um die Kinder im Lesen zu fördern. Der Bau der Schulen und Kindergärten in Legmoin hat bereits begonnen. Der große Erfolg des UNICEF-Kinderjahrs ist vor allem der Arbeitsgruppe Ingolstadt in Zusammenarbeit mit der Stadt Ingolstadt zu verdanken.

Die UNICEF-Hochschulgruppe der HI unterstützt Kinder auf der ganzen Welt
Die UNICEF-Hochschulgruppe der HI unterstützt Kinder auf der ganzen Welt
© privat
Wieso haben Sie sich entschieden, gerade in Ingolstadt "Internationales Management" zu studieren?
Die deutsche Kultur fasziniert mich seit meiner Kindheit. Ich habe Deutsch in der Schule gelernt und mein sehnlichster Wunsch war es, das Land und seine Geschichte näher kennenzulernen und die deutsche Sprache zu beherrschen. Da meine Heimatstadt Kragujevac die serbische Partnerstadt von Ingolstadt ist, kam ich zunächst mithilfe eines Schüleraustauschs hierher. Nach dem Abitur beschloss ich, an der HI zu studieren. Deutschland ist eines der stärksten europäischen Wirtschaftsländer und mein Motto war immer, von den Besten zu lernen. Daher gab es für mich keine Alternative zu Deutschland. Dank meines Studiums, das mich jeweils ein Semester nach England und in die USA führte, bin ich nun international einsetzbar.

Mittlerweile leben Sie seit drei Jahren in Ingolstadt. Welche Erfahrungen haben Sie in Deutschland gesammelt?
Es ist für mich eine große Ehre, in Deutschland studieren zu dürfen. Ich habe hier großartige Menschen kennengelernt und äußerst positive Erfahrungen gesammelt. Die Deutschen sind weltoffen, sehr hilfsbereit und verständnisvoll. Ich hatte am Anfang mit der deutschen Sprache große Schwierigkeiten, doch jeder war bereit, mir im Alltag zu helfen, sei es bei Behördengängen, Banken oder an der Universität. Auch die Bürokratie in Deutschland bereitete mir anfangs Probleme – mittlerweile habe ich sie allerdings schätzen gelernt. Alles ist in Deutschland sehr gut organisiert, in meinem Heimatland ist das nicht der Fall. Natürlich vermisse ich meine Familie, aber ich habe in Deutschland meine zweite Heimat gefunden.

Stolze Eltern: Zur Verleihung des DAAD-Preises reiste Milosevics Familie nach Ingolstadt
Stolze Eltern: Zur Verleihung des DAAD-Preises reiste Milosevics Familie nach Ingolstadt
© Aleksandar Dunkic
Zurzeit schreiben Sie an Ihrer Bachelorarbeit, die einen Beitrag zum interkulturellen Austausch leisten soll.
Gemeinsam mit meinem betreuenden Professor möchte ich eine katholische Hochschulgruppe gründen, für die ich in der Bachelorarbeit einen Businessplan entwerfe. Im Rahmen der derzeitigen Erweiterung der HI möchten wir einen Andachtsraum gestalten, der nicht nur Christen anspricht, sondern auch Juden, Muslimen und anderen Religionen offen stehen wird. Dort können sich Menschen aller Religionen treffen, beten und miteinander diskutieren. Dieser Dialog spielt eine bedeutende Rolle in unserer Gesellschaft.

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Der DAAD-Preis

Seit mehr als zehn Jahren stellt der DAAD deutschen Hochschulen für die Auszeichnung hervorragender ausländischer Studierender Gelder aus Mitteln des Auswärtigen Amts zur Verfügung. Bei der Auswahl der Preisträger, die nicht schon durch andere deutsche Stipendien gefördert sein sollen, spielen gleichermaßen akademische Leistungen wie auch gesellschaftliches, soziales oder kulturelles Engagement die entscheidende Rolle. Ziel des DAAD-Preises ist es, herausragende Persönlichkeiten und ihre Verdienste der Öffentlichkeit sichtbar zu machen und sie als künftige Partner für Deutschland in Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zu ehren. Gleichzeitig ist der Preis auch ein politisches Signal für interkulturellen Austausch, Offenheit, Exzellenz und Kreativität – Eigenschaften, die die Preisträger aufweisen.

Der DAAD-Preis ist mit 1.000 Euro dotiert und wird jedes Jahr von über 200 Hochschulen vergeben. Antragsberechtigt sind deutsche Hochschulen, an denen mehr als 30 ausländische Studierende eingeschrieben sind. Die Preisträger kommen aus allen Altersklassen, akademischen Karrierestufen, Fächern und Ländern. Den Preis erhalten sie in der Regel in einem festlichen Rahmen.
Autorin: Christina Pfänder
Veröffentlichungsdatum: 14.01.2013
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