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DAAD-Alumnus im Porträt
Naturforscher mit Leib und Seele
Von der Feldforschung direkt in die Professur: DAAD-Alumnus Jan Christian Habel startet als Assistenzprofessor an der Technischen Universität München durch.
Schon als Kind träumte Dr. Jan Christian Habel davon, als Tierforscher durch afrikanische Savannen zu streifen. Fasziniert saß er vor dem Fernseher und ließ sich vom Wissenschaftler und Dokumentarfilmer Bernhard Grzimek in die Serengeti entführen. Später studierte der gebürtige Schwabe Umweltwissenschaften in Lüneburg, promovierte in Trier über die Genetik von Tierpopulationen, habilitierte sich und nutzte jede Gelegenheit, um die artenreiche Vielfalt auf dem afrikanischen Kontinent kennenzulernen.

Die kenianische Landschaft lockte die Wissenschaftler eines DAAD-geförderten Projekts an
Die kenianische Landschaft lockte die Wissenschaftler eines DAAD-geförderten Projekts an
© Dr. Jan Christian Habel
Ein anregendes Gespräch, mitten in einem ostafrikanischen Urwald, sollte weitreichende Folgen für seine Karriere haben: Der Fremde entpuppte sich als Ronald Mulwa, Leiter der Vogelkundeabteilung des kenianischen Nationalmuseums in der Hauptstadt Nairobi. „Diese Begegnung hat mir die Tür nach Afrika geöffnet“, stellt der heute 36-jährige Tier- und Umweltforscher Habel fest. Gemeinsam entwickelten die beiden Wissenschaftler ein Forschungsprojekt, das vom DAAD über eine Laufzeit von zweieinhalb Jahren gefördert wurde.

Expeditionen in ostafrikanische Bergwälder
Viele Male ist Jan Christian Habel zu Expeditionen in die ostafrikanischen Bergwälder aufgebrochen, die vom Klimawandel und dem explodierenden Wachstum der Bevölkerung zunehmend gefährdet sind. Mit Bambusstangen und Fangnetzen waren er und seine Kollegen aus Nairobi auf den Spuren der Brillenvögel unterwegs. Auf den Bergmassiven, die sich entlang des Ostafrikanischen Grabens erstrecken, leben sie in großer Zahl, jedoch isoliert voneinander, sodass sich im Lauf der Zeit viele unterschiedliche Populationen entwickelt haben. „Wir haben Vögel aus verschiedenen Bergwäldern verglichen und untersucht, um zu verstehen, wie Arten auf diese sehr langfristige geografische Isolation und die heutigen, sehr schnell ablaufenden Veränderungen ihrer Lebensräume reagieren“, erklärt Habel. Ein Tropfen Blut oder eine Feder der kleinen bunten Vögel reichen aus, um über den genetischen Fingerabdruck die Entwicklung einer Art über viele Generationen hinweg nachvollziehen zu können. „Beim Einfangen der Vögel waren wir ganz behutsam und haben die Tiere auch gleich wieder freigelassen“, versichert er und lächelt.

Mit großer Vorsicht untersuchten die Forscher die Brillenvögel
Mit großer Vorsicht untersuchten die Forscher die Brillenvögel
© Dr. Jan Christian Habel
Forschungsprojekte von Anfang an vorantreiben
Mittlerweile liegt eine neue Aufgabe vor Jan Christian Habel: Im Dezember 2012 ist er von Trier nach München gezogen und hat seine neue Stelle als Assistenzprofessor an der Technischen Universität (TU) angetreten. Nun schreibt er Projektanträge und sucht nach guten Leuten für seine Arbeitsgruppe. Die neue TU-Initiative „Tenure Track für hervorragende Nachwuchswissenschaftler“ bietet ausgewählten Talenten eine frühe Selbstständigkeit als Assistenzprofessor, verbunden mit der Perspektive auf eine dauerhafte W-3-Professur. „Die Zeit des monatelangen Datensammelns im afrikanischen Urwald ist zwar vorbei“, stellt Habel fest. „Dafür habe ich hier die Möglichkeit von Anfang an eigene Forschungsprojekte voranzutreiben – und das ist sehr attraktiv!“ Auf dem agrarwissenschaftlichen Campus Freising-Weihenstephan arbeiten Biologen eng mit Wissenschaftlern aus anderen Fachbereichen zusammen. „Die Kombination von Methoden und Ansätzen aus verschiedenen Fachrichtungen hat mich schon als Student besonders gereizt“, sagt Habel. „Ich bin fest davon überzeugt, dass sich die globalen Anforderungen, denen wir uns stellen müssen, nur interdisziplinär lösen lassen.“

Deutsch-afrikanische Entwicklungspartnerschaft
Jan Christian Habel fordert Interdisziplinarität
Jan Christian Habel fordert Interdisziplinarität
© Dr. Jan Christian Habel
Dem artenreichen Lebensraum Afrika bleibt der DAAD-Alumnus auch in seiner neuen Position verbunden. In seinem Büro, mit Blick auf den ländlich gelegenen Campus, hängt eine große Karte, auf der die agrarökologischen Zonen des Kitui District abgebildet sind. Eine Reise in diese Region im östlichen Umkreis von Nairobi ist schon geplant. Bereits im Februar wird Jan Christian Habel als Gastdozent am South Eastern University College bei Kitui, einem Ableger der Nairobi University, lehren. Der frischgebackene Assistenzprofessor nutzt den Aufenthalt auch gleich, um eine fachgebundene Hochschulpartnerschaft zwischen dem kenianischen College und dem Institut für Ökologie und Ökosystemmanagement in Weihenstephan aufzubauen. „Entwicklungspartnerschaften zwischen deutschen und afrikanischen Hochschulen sind ein wichtiger Baustein und wohl die effektivste Entwicklungszusammenarbeit“, betont er. „Forschung in Afrika ist nur möglich, wenn man vor Ort über gute persönliche Kontakte verfügt.“

Autorin: Gunda Achterhold
Veröffentlichungsdatum: 10.01.2013
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