www.daad.de | Impressum
Logo: DAAD-magazin.de
Startseite « Meilenstein für mehr Zusammenarbeit Magazin-Archiv

Neues Deutsches Wissenschaftszentrum in Kairo
Meilenstein für mehr Zusammenarbeit
Mit einem "Tag der deutschen Wissenschaft" in der DAAD-Außenstelle Kairo stellte sich das "German Science Centre" vor. Neun deutsche Wissenschaftsorganisationen beteiligen sich. Bundesaußenminister Dr. Guido Westerwelle eröffnete das neue Zentrum feierlich.
Das Interesse ägyptischer Wissenschaftler und Studierender hätte kaum größer sein können: Über 1000 Besucher kamen an zwei Tagen auf das Gelände der DAAD-Außenstelle Kairo, um sich im Rahmen der Eröffnungsfeierlichkeiten über das neue Deutsche Wissenschaftszentrum (DWZ) zu informieren. Am DWZ in Kairo sollen unter der Leitung des DAAD deutsch-ägyptische Kooperationsprojekte koordiniert werden, die den Transformationsprozess des Landes unterstützen.

Bundesaußenminister Westerwelle und DAAD-Präsidentin Wintermantel bei der Eröffnung
Bundesaußenminister Westerwelle und DAAD-Präsidentin Wintermantel bei der Eröffnung
© photothek / Th. Köhler
„Die Nachfrage allein nach Förderung im Rahmen unseres Transformationspartnerschaftsprogramms steigt ständig an“, sagte DAAD-Präsidentin Professorin Margret Wintermantel bei der Eröffnung. So sei es nur folgerichtig, die Kräfte mit anderen Forschungs-, Förder- und Bildungsorganisationen zu bündeln: „Das DWZ wird zur Synergie zwischen Wissenschaftlern in Deutschland und Ägypten beitragen, indem es Experten aus akademischen Institutionen, Forscher und Repräsentanten von Industrie und Regierung zusammenbringt.“

Aufforstung mit Abwasser
Ein Beispiel für gelingende Kooperation ist ein Wiederaufforstungsprojekt in der Wüste, zwei Autostunden von Kairo entfernt, das seit Mitte der 1990er-Jahre von der ägyptischen Regierung verfolgt wird. Seit 2012 stehen die Technische Universität München (TUM), die Ain Shams University in Kairo und die University of Alexandria dem Vorhaben zur Seite. Das gemeinsame Ziel ist eine Steigerung der Effizienz mit Hilfe forstwissenschaftlicher Expertise – denn die gibt es in Ägypten bislang nicht. „200 Hektar Wald wachsen hier ausschließlich mit Hilfe von vorgereinigtem Abwasser“, sagt der Forstwissenschaftler Hany El Kateb von der TUM. Der gebürtige Ägypter ist Initiator des Projekts, das vom DAAD im Rahmen der Deutsch-Arabischen Transformationspartnerschaft gefördert wird. Die ungewöhnliche Wasserversorgung ist wichtig, denn Hany El Kateb will in seinem Heimatland vor allem den effizienten Umgang mit Wasser vorantreiben.

Kurz vor der DWZ-Eröffnung erläuterte Reinhard Mosandl (2. v. l.) gemeinsam mit Kollegen eine Forschungskooperation der Technischen Universität München in Ägypten
Kurz vor der DWZ-Eröffnung erläuterte Reinhard Mosandl (2. v. l.) gemeinsam mit Kollegen eine Forschungskooperation der Technischen Universität München in Ägypten
© Bettina Mittelstraß
Die TUM ist einer von neun Partnern im neuen DWZ. Alle dort koordinierten Projekte orientieren sich an Begriffen wie Nachhaltigkeit oder „Capacity Building“ und dem wirtschaftlichen Nutzen für Ägypten. Mithilfe der deutschen Forstwissenschaftler aus Bayern soll daher nicht nur die Bewässerung verbessert werden. Es geht auch um ein gut verwaltetes Wachstum der Bäume für die wirtschaftliche Nutzung des Holzes. „Ziel ist letztlich der Aufbau von forstlicher Expertise“, sagt der Projektleiter Reinhard Mosandl, Professor für Waldbau an der TUM. Ein erster Lehrplan für das Fach Forstwissenschaft soll entwickelt werden und dafür sorgen, dass der Wüstenwald auf lange Zeit gut bewirtschaftet werden kann. Nur so kann er in jeder erdenklichen Hinsicht nutzbringend sein: für Ägyptens Wassermanagement, Wirtschaft und nicht zuletzt für das Klima.

Kurze Wege für Ideen
Vom TUM-Büro im DWZ aus können solche Projekte nun einfacher unterstützt werden, betont die zuständige Koordinatorin und DAAD-Alumna Dr. Yasmine Aguib: „Wir können vor Ort einfacher die richtigen Leute und Kompetenzen im Land zusammenbringen und passende Konzepte entwickeln.“ Die räumliche Nähe der DWZ-Partner mitten in Kairo ermöglicht außerdem eine ideale Vernetzung der Expertisen und Themen deutscher Forschungseinrichtungen. Mit DAAD und Alexander von Humboldt-Stiftung sind schließlich zwei Förderorganisationen an Bord. „Die Wege zwischen den Organisationen, die Stipendien vergeben und denen, die sich konkret um den Austausch kümmern, werden also kürzer“, sagt Dr. Florian Kohstall vom Cairo Office der Freien Universität Berlin im DWZ.

Neue Brücken bauen
Mostafa Mosaad:
Mostafa Mosaad: "Kooperation mit Deutschland ausbauen"
© Nour El Refai, DAAD Kairo
Für den wissenschaftlichen Nachwuchs sind nicht nur die kurzen Wege zum internationalen Austausch am DWZ interessant. Auch die Sichtbarkeit der Fraunhofer-Gesellschaft könnte spannend werden. „Fraunhofer war in Ägypten lange kein Begriff“, sagt Dr. Mona El Tobgui, die das DWZ-Büro der Gesellschaft in Kairo leitet. Ebenso sei die Verbindung zwischen Forschung und Industrie bislang in Ägypten nicht geschaffen. Das soll sich jetzt durch die Anbindung an den DAAD und die anderen Partnerorganisationen ändern. „Über das DWZ wollen wir diese Brücke schaffen und den Ägyptern nahe bringen, dass angewandte Forschung immens wichtig ist, um die eigene Industrie zu unterstützen“, sagt Dr. Holger Kohl vom Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK). Der ägyptische Bildungsminister Professor Mostafa Mosaad ist überzeugt, dass sich mit dem DWZ auf dem Gebiet von Bildung und Forschung jetzt viel tun wird: „Wir bauen darauf, die Kooperation mit Deutschland auszubauen. Ich habe bereits so viele beeindruckende Programme entdeckt, dass ich mich schon auf ihre Realisierung in den kommenden Monaten freue!“

Guido Westerwelle:
Guido Westerwelle: "Das ist die Chance Ihres Lebens"
© Nour El Refai, DAAD Kairo
„Das ist die Chance Ihres Lebens“, bekräftigte Bundesaußenminister Dr. Guido Westerwelle gegenüber ägyptischen Studierenden aus DAAD-geförderten bilateralen Masterstudiengängen am Rande der Feierlichkeiten. Das DWZ sei ein neues Leuchtturmprojekt, denn in Bildung, Wissenschaft und Forschung sehe die Bundesregierung das Rückgrat von Innovation, wirtschaftlichem Erfolg und Jobs. Westerwelle bestärkte die Studierenden daher darin, über das Zentrum den Austausch mit Kollegen in Deutschland und Europa zu pflegen: „Ihre Generation hat die Entwicklung Ägyptens in der Hand.“

Weitere Informationen
Deutsches Wissenschaftszentrum Kairo

Die beteiligten Institutionen:

Deutscher Akademischer Austauschdienst (Leiter des Konsortiums)
Alexander von Humboldt-Stiftung

Orient-Institut Beirut
Fraunhofer-Gesellschaft
Zentralstelle für das Auslandsschulwesen

Freie Universität Berlin
Technische Universität Berlin (Campus El Gouna)
Technische Universität München
Philipps-Universität Marburg
Autorin: Bettina Mittelstraß
Veröffentlichungsdatum: 21.11.2012
DAAD - Deutscher Akademischer Austausch Dienst © DAAD
Informationsreise nach China: Langfristiges Engagement, vielfältige Einblicke
Stärkung der deutsch-tunesischen Hochschulkooperation
''Gemeinsam sind wir am stärksten'' - Europäische Hochschulkooperation im Zeitalter der Globalisierung
Letter abonnieren
Weitere Themen
Offen für Neues
Leben in einem anderen Land bedeutet interkulturelle Erfahrung hautnah. Davon berichten Experten im DAAD-magazin.
Vorausgegangene Themen und Artikel finden Sie in unserem Magazin-Archiv.
Seite drucken
Magazin-Archiv
Impressum
www.daad.de
DEUTSCHLAND.de