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Musikstipendiaten im Konzert
Ermutigung und Bestätigung für junge Künstler
Seit den 1950er-Jahren fördert der DAAD junge, exzellente Musiker: Er vermittelt ihnen Jahresstipendien, Meisterkurse bei renommierten Dozenten und die Teilnahme an Chor- und Konzertreisen. Viele ehemalige Stipendiaten sind weltweit in Konzertsälen zu hören. Im Bonner Arithmeum treten DAAD-Alumni regelmäßig in der Reihe "concerto discreto" des WDR auf.
„Bach meets Piazzolla“ – ein Konzerttitel mit Magnetwirkung. In Scharen strömten die Besucher an diesem nasskalten Oktoberabend ins Bonner Arithmeum: junge Leute, ältere, manche in feiner Abendgarderobe, andere sportlich in Outdoor-Kleidung – alle wollten das Astor Trio hören. Die Stuhlreihen im Arithmeum waren fast komplett besetzt. Zur Not tat es auch ein Platz auf der Treppe zur Galerie im ersten Stock. Hauptsache man war dabei, wenn Alexander Prushinskiy (Violine), Tobias Kassung (Gitarre) und Stanislav Anischenko (Kontrabass) Werke von Johann Sebastian Bach und Astor Piazzolla sowie von Enrique Granados, Manuel de Falla und Pablo de Sarasate spielen.

Neue Wege
Der Name Astor Trio leitet sich zwar von dem argentinischen Komponisten und Musiker Astor Piazzolla ab, „aber wir wollen nicht nur in diese Ecke gerückt werden“, sagt Tobias Kassung. Mit seiner ungewöhnlichen kammermusikalischen Besetzung, die ursprünglich im Zigeunerjazz und bei Flamencogruppen beheimatet ist, beschreitet das Astor Trio vielmehr neue Wege und will musikalische Meisterwerke unterschiedlicher Couleur miteinander in Beziehung setzen.

Das Astor Trio: Stanislav Anischenko, Tobias Kassung und Alexander Prushinskiy
Das Astor Trio: Stanislav Anischenko, Tobias Kassung und Alexander Prushinskiy
© Astor Trio
Bei ihrem Konzert in Bonn ist ihnen das beeindruckend gelungen: Bereits mit dem ersten Stück – Kassungs Bearbeitung von Bachs Sonate h-Moll BWV 1014 (ursprünglich für Violine und Cembalo) bewiesen die drei jungen Musiker sensibles musikalisches Gespür und instrumentale Könnerschaft. Ob bei der differenzierten Darbietung der „Histoire du Tango“ von Piazzolla oder der mitreißenden Interpretationen der „Zigeunerweisen“ von Sarasate – das Astor Trio bestach durch hohe Klangkultur, große Virtuosität und spürbare Spielfreude. Mit der Zugabe des melancholischen „Oblivion“ von Piazzolla setzte es einen feinen Schlusspunkt. Begeisterter Applaus.

"Anspruch, die Besten zu fördern"
Tobias Kassung war 2001 als Stipendiat des DAAD am Birmingham Conservatoire of Music. „Ich wollte unbedingt zu Simon Dinnigan“, erzählt er. „Das mit dem DAAD war eine tolle Sache“, erinnert er sich. „Ich musste nach Bonn kommen zum Vorspielen und war sehr aufgeregt. Ich glaube, vor einer größeren Jury habe ich niemals gespielt.“


"Hohe künstlerische Maßstäbe": Teilnehmer des DAAD-Musikerstipendiatentreffens 2012
© DAAD / Sebastian Schobbert
Die Stipendien des DAAD werden grundsätzlich durch Auswahlkommissionen vergeben. Die Musikerkommission ist darunter eine der größten. „Es sind dort Professoren fast aller Musikhochschulen vertreten und wir bemühen uns, dass auch für jedes Instrument mindestens ein entsprechender Vertreter in der Kommission ist“, sagt Dr. Christian Thimme, Gruppenleiter „Internationalisierung der Hochschulen“ beim DAAD und auch für das Musikstipendiatenprogramm zuständig. „Die deutschen Bewerber stellen sich persönlich vor und spielen auf den jeweiligen Instrumenten drei Stücke aus den wesentlichen Stilepochen. Wir haben den Anspruch, die Besten zu fördern. Bei der Begutachtung werden sehr hohe künstlerische Maßstäbe angelegt“, erklärt Thimme.

"Viele Türen geöffnet"
Diese Kriterien treffen auch auf Henja Semmler zu. Bereits während ihrer Schulzeit war die Geigerin Jungstudentin an einer Musikhochschule: „Ich habe mit elf Jahren beschlossen, Berufsmusikerin zu werden“, erzählt sie. Heute ist sie als Solistin, Kammer- und Orchestermusikerin tätig. Sie erhielt Auszeichnungen bei hochkarätigen Wettbewerben und arbeitet als Gründungsmitglied des Mahler Chamber Orchestra und des Lucerne Festival Orchestra mit namhaften Dirigenten wie Claudio Abbado, Daniel Harding und Pierre Boulez zusammen. Die Förderung durch den DAAD ermöglichte ihr 2003 ein Jahresstipendium an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien. Neben dem Unterricht bei Gerhard Schulz, der von 1971 bis 2008 Mitglied des weltberühmten Alban Berg Quartetts war, profitierte sie von der großen musikalischen Tradition der Stadt. „Ich bin dem DAAD sehr dankbar für die großzügige finanzielle Unterstützung“, sagt Semmler und betont die mentale Bedeutung der Förderung: „Jedes gewonnene Stipendium ist für einen jungen Musiker sehr wichtig. Denn es ist eine Ermutigung und eine Bestätigung für die eigene künstlerische Laufbahn. Mir hat das viele Türen geöffnet. Ich fühle mich dem DAAD bis heute sehr verbunden.“

Das Oberon Trio: Rouven Schirmer, Henja Semmler und Jonathan Aner
Das Oberon Trio: Rouven Schirmer, Henja Semmler und Jonathan Aner
© Oberon Trio
Auch dem DAAD liegt daran, mit den geförderten Künstlern in Kontakt zu bleiben. „Seit einigen Jahren führen wir in Berlin Stipendiatentreffen für Musiker durch. Dabei werden Workshops veranstaltet, und das Treffen endet mit einem gemeinsamen mehrstündigen öffentlichen Konzert“, sagt Thimme. „Außerdem veranstaltet der DAAD einmal im Jahr mit dem Arithmeum in Bonn und dem WDR ein Konzert in der Reihe „concerto discreto“. Dort treten ausgesuchte Stipendiaten oder Alumni auf.“ Erst vor kurzem konzertierte hier das Oberon Trio mit Henja Semmler.

Autorin: Claudia Wallendorf
Veröffentlichungsdatum: 15.11.2012
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