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Serie "Gesellschaft im Wandel" |
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Strukturen schaffen, Vernetzung fördern |
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Seit 1999 fördert das DAAD-Programm "Akademischer Neuaufbau in Südosteuropa" umfassend multilaterale Kooperationen in der Region. Wie dabei politische Annäherung und fachliche Erweiterung zunehmen, zeigte unlängst eine Regionalkonferenz des Programms in Tirana.
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Die Vielfalt des DAAD-Programms „Akademischer Neuaufbau in Südosteuropa“ wurde im Gebäude der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Tirana auf ganz unterschiedliche Weise deutlich. Etwa durch die fast 200 Teilnehmer der Konferenz „Hochschulkooperation in Südosteuropa: Dynamik und Ziele angesichts des wissenschaftlichen und politischen Wandels“, die aus zahlreichen Ländern der Region sowie aus den verschiedensten Fachbereichen kamen. Aber auch durch eine kleine, in den Konferenzräumen ausgelegte Drehscheibe, mit deren Hilfe sich jeder Gast einen ersten, schnellen Überblick über die Projektarbeit verschaffen konnte. Wie man die beiden Seiten der Drehscheibe auch kombinierte: Zu jedem der sechs Kernländer des Programms (Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Mazedonien, Montenegro und Serbien) ließ sich ein Projekt finden, das in den vergangenen Jahren gefördert wurde. Dabei reicht die fachliche Bandbreite von den Agrarwissenschaften über Mathematik und Medizin bis zu den Geistes-, Sozial-, Natur- und Ingenieurswissenschaften.
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Orientierung mit Postern und Drehscheibe: Konferenzteilnehmerinnen in Tirana
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| © DAAD |
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Knapp 1000 Individualstipendien im Jahr 2011
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Involviert sind zudem eine Vielzahl deutscher Universitäten sowie Hochschulen aus Bulgarien, Kroatien, der Republik Moldau, Rumänien, Slowenien und Ungarn. „Wir reagieren mit unserer Förderung auf die Interessen der jeweiligen Kooperationspartner“, betont Dr. Anne Rörig, die das Programm „Akademischer Neuaufbau in Südosteuropa“ beim DAAD betreut. Zunächst im Rahmen des von Deutschland unterstützten Stabilitätspakts für Südosteuropa wurden seit 1999 über 17.000 Personen mit insgesamt 31,5 Millionen Euro gefördert. 19 Netzwerke zählt das Programm zurzeit; insgesamt 140 Institutionen kooperieren. Allein 2011 wurden knapp 1000 Individualstipendien vergeben, rund 70 Pozent der Stipendiaten wurden innerhalb Südosteuropas gefördert.
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Ort des Austauschs: das "FREEDOM" Building der Rechtswissenschaftlichen Fakultät
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| © DAAD |
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Bei der ersten Regionalkonferenz des Programms 2006 im mazedonischen Struga stand der Aufbau regionaler Kompetenzzentren im Mittelpunkt. Sieben solcher Zentren konnten mittlerweile erfolgreich etabliert werden. In diesem Rahmen besteht auch das Programm „MatCatNet“, durch das ein Master in Materialwissenschaften und Katalyse erworben werden kann. Gleich sechs Standorte in der Region kooperieren hier erfolgreich: Zu Napoca-Cluj (Rumänien) und den beiden mazedonischen Standorten in Skopje und Tetovo sind zuletzt Kooperationspartner in Nis (Serbien), Prishtina (Kosovo) sowie Stip (Mazedonien) hinzugekommen. Deutsche Partneruniversität des Netzwerks ist die Universität Leipzig. Die dortige Koordinatorin Professorin Evamarie Hey-Hawkins machte in ihrem Konferenzvortrag in Tirana deutlich, wie weitreichend die Kooperation im Rahmen des DAAD-Programms „Akademischer Neuaufbau in Südosteuropa“ gehen kann. So ist für MatCatNet der gegenseitige Austausch von Gastprofessoren und -wissenschaftlern wie auch von Masterstudierenden und Doktoranden essenziell. Zu den geförderten gemeinsamen Aktivitäten der Kooperationspartner zählen Intensivkurse, Workshops, Summer und Winter Schools. Die Zahl der Workshop-Teilnehmer erreichte zuletzt ebenso einen neuen Höchststand wie die vergebenen Sur-Place-Stipendien. Letztere sind wesentlich für das Anliegen des DAAD, einem „brain drain“ in der Region entgegenzuwirken. „Wir möchten mit unserer Förderung vielmehr Menschen und Institutionen stärken, die in ihren Heimatländern zu wertvollen Partnern für deutsche Universitäten werden können“, sagt Thomas Zettler, DAAD-Referatsleiter „Südosteuropa“. Er war ebenso zur Konferenz gekommen wie der stellvertretende DAAD-Generalsekretär Ulrich Grothus, der albanische Bildungsminister Professor Myqerem Tafaj und der Rektor der Universität Tirana, Professor Dhori Kule. Das große Interesse Deutschlands an den multilateralen Kooperationen des DAAD-Programms wurde nicht zuletzt durch die Anwesenheit der Deutschen Botschafterin in Tirana, Carola Müller-Holtkemper, und der Bundestagsabgeordneten Uta Zapf, Mitglied der Deutsch-Südosteuropäischen Parlamentariergruppe, deutlich.
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Gemeinsame Qualitätsstandards
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Thomas Zettler verwies darauf, dass der EU-Gipfel in Thessaloniki 2003 den Staaten des ehemaligen Jugoslawiens die Perspektive auf die Integration in die EU eröffnet hat. „Dies hat wesentlich dazu beigetragen, dass sich die Region stabilisiert hat.“ Die EU-Erweiterung bedeute aber auch, dass sich die Hochschulen in Südosteuropa verstärkt an EU-Standards messen lassen müssten. Professor Evan Rroço von der Universität für Landwirtschaft in Tirana fragte während der Konferenz bewusst direkt: „Haben wir dieselbe Qualität?“ Um die gegenseitige Anerkennung von Diplomen zu sichern, mahnte er die Entwicklung von gemeinsamen Qualitätsstandards an.
Die Herausforderungen des aktuellen europäischen Wettbewerbs ordnete Professor Oliver Schmitt vom Institut für Osteuropäische Geschichte der Universität Wien in seinem Konferenzvortrag vor dem Hintergrund der konfliktreichen Geschichte der Region ein. Auch hier setzt der „Akademische Neuaufbau Südosteuropa“ bewusst an. „Dass die Bereitschaft zum Dialog untereinander größer geworden ist, sehen wir auch daran“, so Thomas Zettler, „dass sich mittlerweile verstärkt länderübergreifende Netzwerke im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften bilden.“
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Vernetzung und Verständigung
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Anne Rörig: Lob der Interdisziplinarität
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| © DAAD |
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Etwa das Netzwerk „Media and Memoria in South-Eastern Europe“, das sich mit nationalen wie transnationalen Erinnerungskulturen in der Region auseinandersetzt. Hier kooperieren die Universitäten Konstanz und Regensburg sowie die Humboldt-Universität zu Berlin mit Universitäten in Bosnien-Herzegowina (Sarajevo, Tuzla), Kroatien (Split, Zagreb), Mazedonien (Skopje), Montenegro (Podgorica, Nikšć), Serbien (Belgrad, Novi Sad) und Slowenien (Maribor, Ljubljana). „Das ist ein gutes Beispiel, wie Vernetzung zur Verständigung beitragen kann“, sagt Dr. Anne Rörig. Auch vor diesem Hintergrund betont sie, dass die Stärkung der Geistes-, Sozial- und Rechtswissenschaften zu den Hauptzielen des Programms „Akademischer Neuaufbau in Südosteuropa“ in den kommenden Jahren zählt. Die bereits erreichte neue Qualität des Austauschs hob Dr. Nenad Makuljević von der Universität Belgrad in Tirana hervor: „Im ehemaligen Jugoslawien gab es die Position, dass man nicht über die Konflikte, nicht über die Ursachen diskutiert. Jetzt sind wir zum ersten Mal alle zusammen und führen eine offene akademische Diskussion.“
Dass es durchaus zu interdisziplinären Anknüpfungspunkten kommen kann, war einer der Eindrücke, die Anne Rörig aus Tirana mitnahm. „Für das kulturwissenschaftliche Netzwerk zur Erinnerungskultur haben sich in Tirana zum Beispiel auch Vertreter aus dem Fachbereich Architektur interessiert.“ Und Dr. Andrea Lešić-Thomas von der Universität Sarajevo betont: „Die meisten Geisteswissenschaften in der Region sind eher konservativ in ihrer Methodologie. Dass unser Netzwerk interdisziplinär ist, ist für Studenten eine Neuerung. Es ist eine wertvolle Erfahrung, als Literaturwissenschaftlerin mit einem Kunsthistoriker Methodologien zu teilen, Terminologien zu teilen, gemeinsam Sachverhalte zu untersuchen und zu vergleichen.“
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Autor: Johannes Göbel |
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Veröffentlichungsdatum: 24.10.2012 |
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