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Deutsch-französische Kooperationen
Exzellenz mit Zukunft
Wie lebendig die deutsch-französischen Hochschulbeziehungen sind, konnten die Teilnehmer des iDA-Seminars "Regionalkompetenz Frankreich" jüngst in Paris erfahren. Die von der Internationalen DAAD-Akademie gemeinsam mit der DAAD-Außenstelle Paris organisierte Veranstaltung präsentierte bewährte Wege und aktuelle Perspektiven.
„Man spielt hier doch in einer ganz anderen Liga, was die internationalen Beziehungen angeht!“ Jakob Vogel, Professor für Europäische Geschichte, geizte nicht mit Lob für die akademische Institution, die ihn von der Universität Köln weggelockt hat. Seine Bemerkung spiegelt das Selbstbewusstsein, das man an der französischen Kaderschmiede „Sciences Po“ an den Tag legt. Hier, mitten im Quartier Latin in Paris, wurden und werden Studierende ausgebildet, denen nach ihrem Examen eine glänzende Karriere bevorsteht. Die meisten Staats- oder Ministerpräsidenten sowie Botschafter Frankreichs haben hier ihre akademischen Weihen erhalten, ebenso zahlreiche Top-Manager aus dem Finanz- und Businesssektor. Nahezu selbstverständlich ist es daher, dass auch Staatspräsident François Hollande zu den Absolventen zählt.

Teilnehmer des Seminars in Paris: interessiert an den deutsch-französischen Beziehungen
Teilnehmer des Seminars in Paris: interessiert an den deutsch-französischen Beziehungen
© DAAD / Mathias Nofze
Jan Sonntag, der als DAAD-Stipendiat derzeit seinen Master an „Sciences Po“ absolviert, lobte die „Konsequenz“, mit der Internationalität gelebt und vorangetrieben wird. Vergleichbares gebe es seines Wissens in Deutschland nicht. Die Internationalität von „Sciences Po“ prägt sich am deutlichsten in den in sechs Städte ausgelagerten „Filialen“ aus - jede mit einem spezifischen internationalen Profil. Der Austausch zwischen Deutschland und Frankreich steht im Campus in Nancy im Fokus, an dem eine DAAD-Lektorin Deutsch unterrichtet. In Paris kooperiert man seit vielen Jahren mit der Freien Universität Berlin. Sie bietet unter anderem die integrierten Master-Studiengänge „Politikwissenschaft – Affaires Européennes“ und „Politikwissenschaft - Affaires Internationales" an.

"Enge, auch persönliche Bande"
Die Stippvisite zur Nobel-Hochschule war einer von vier Universitätsbesuchen, die im Rahmen des Seminars „Regionalkompetenz Frankreich“ der Internationalen DAAD-Akademie (iDA) auf dem Programm standen. Es galt, den 16 Teilnehmern ein Bild von der französischen Hochschullandschaft zu vermitteln. Organisiert wurde die Veranstaltung gemeinsam von der iDA und der DAAD-Außenstelle Paris. Neben „Sciences Po“ stattete die Gruppe der altehrwürdigen Sorbonne, der nicht minder renommierten „École des Mines“ und dem innovativen und praxisnahen „Institut universitaire de Technologie“, kurz IUT genannt, der Universität Paris Descartes einen Besuch ab. „Der sprichwörtliche französische Zentralismus“, so Christiane Schmeken, Leiterin des Pariser Büros des DAAD, „hat für die Arbeit der Außenstelle auch seine Vorteile. Die hohe Hochschuldichte in Paris erlaubt es, zu zahlreichen Institutionen enge, auch persönliche Bande zu knüpfen.“ Ein entscheidendes Element der Kontaktpflege zu den Hochschulen in ganz Frankreich sei das Netz von fünfzig DAAD-Lektoren, die überwiegend Deutsch und Germanistik lehren. Doch auch die Unterstützung des DAAD für die Aktivitäten von Alumni gewinne als Instrument der „Kundenbindung“ zunehmend an Bedeutung.

Entspannter Austausch: Mittagsimbiss in der École des Mines
Entspannter Austausch: Mittagsimbiss in der École des Mines
© DAAD / Mathias Nofze
Partnerschaft Paris-Köln
Eng verbunden ist dem DAAD auch das Programm der Juristen der Universität Köln und der Universität Paris 1 („Panthéon-Sorbonne“), an dem ein DAAD-Fachlektor deutsche Rechtsterminologie unterrichtet. Seit gut zwanzig Jahren gibt es den deutsch-französischen Masterstudiengang „Wirtschaftsrecht“, der zu einem Doppelabschluss führt und zum Studienangebot der Deutsch-Französischen Hochschule (DFH) gehört. Das Modell habe sich außerordentlich gut bewährt, erklärte David Capitant, Professor für öffentliches Recht an Paris 1. Die Bewerber werden nach strengen Maßstäben ausgewählt, die Zahl der Interessenten übersteigt die Zahl der Plätze um ein Vielfaches. Die Studierenden eines Jahrgangs (derzeit 30 Franzosen und 30 Deutsche) verbringen als gemeinsame Gruppe je zwei Jahre zuerst in Köln, dann in Paris. Studieninhalt ist jeweils das Rechtssystem des jeweiligen Landes, wobei Rechtsvergleiche nicht thematisiert werden. Da ein Jahrgang das ganze Studium über zusammen bleibt, entwickelt sich ein „Esprit de corps“, der sich in einer breiten Palette von Alumniaktivitäten niederschlägt.

Brennende Fragen
Derartige Studiengänge sind ein Glücksfall, betrachtet man sie vor dem Hintergrund der Besonderheiten des französischen Hochschulsystems. So sei Frankreich das einzige Land, in dem Universitäten nicht die angesehensten Bildungseinrichtungen seien, formulierte Christine Musselin betont pointiert. Sie forscht über Hochschulpolitik und akademische Arbeit in Frankreich, Deutschland und den USA und ist seit 2007 Direktorin des „Centre de sociologie des organisations“, das von Sciences Po und CNRS, dem „Centre national de recherche scientifique“, getragen wird. Das meiste Prestige genössen vielmehr die traditionsreichen „Grandes écoles“, wie etwa die legendäre Verwaltungshochschule ENA in Straßburg oder die Pariser Ingenieurhochschule „École des Mines“. Das Geheimnis ihres Erfolgs: Während die französischen Universitäten ihre Studierenden in der Regel nicht auswählen dürfen, ist der Zugang zu diesen Elitehochschulen stark beschränkt. Alle Bemühungen der Politik, diesen Dualismus aufzuweichen, seien bislang gescheitert. Derzeit blicke man in Frankreich gespannt auf die für Ende November anberaumten „Assises nationales“, bei denen die Ergebnisse einer frankreichweiten Anhörung von Hochschulvertretern zu diesen und anderen brennenden Fragen der Hochschulpolitik präsentiert werden sollen.

Autor: Mathias Nofze
Veröffentlichungsdatum: 12.10.2012
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