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Frankfurter Buchmesse 2012 |
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"Berlin wurde zu meiner zweiten Heimat" |
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Rund 20.000 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Neuseeland und Berlin, doch nur wenige kennen die deutsche Hauptstadt besser als der neuseeländische Autor Dr. Philip Temple. Als Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD richtete er Ende der Achtzigerjahre einen intensiven Blick auf die Stadt, entdeckte eine faszinierende Metropole, aber auch die Narben der Geschichte des 20. Jahrhunderts. Auf der Frankfurter Buchmesse stellt Temple nun seinen Berlin-Roman "Jedem das Seine" dem internationalen Publikum vor.
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Sie selbst sind im Alter von 18 Jahren von England nach Neuseeland emigriert und haben als Entdecker und Abenteurer „das andere Ende der Welt“ erkundet. Inwiefern schlagen sich diese Erfahrungen in Ihrem Werk nieder?
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In meiner frühen Sachliteratur habe ich mich vor allem mit dem Bergsport auseinandergesetzt. Außerdem habe ich einen Reiseführer sowie TV-Dokumentationen verfasst, in denen ich meine Abenteuergeschichten schildere. Aber auch im fiktionalen Bereich spielen die neuseeländische Natur und bedrohte Arten eine große Rolle. In meinem Buch „Beak of the Moon“, das nächstes Jahr auch in Deutschland veröffentlicht wird, erforscht der Leser beispielsweise durch die Augen eines Bergpapageien die südliche Gebirgslandschaft Neuseelands; in meinen Kinderbüchern erzähle ich die Geschichte der prähistorischen Vögel und wie der Fischreiher über das Tasmanische Meer nach Neuseeland kam. Aktuell arbeite ich mit meinem Illustrator Chris Gaskin an einem neuen Projekt: „Flight of the Kea“ berichtet aus der Perspektive des Bergpapageien Toa über den Klimawandel in den südlichen Alpen.
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Gleichzeitig beweisen Sie immer wieder Ihr großes Interesse an Politik und Zeitgeschichte.
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Ihr Buch über die Familie Wakefield und die ersten britischen Siedler Neuseelands wurde mit dem Ernest Scott History Prize der University of Melbourne ausgezeichnet, und in Ihren
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Berlin-Romanen „I am always with you“ und „Jedem das Seine“ nimmt die Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte eine große Rolle ein.
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Philip Temple ließ sich von Berlin zu seinem Roman "Jedem das Seine" inspirieren
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| © MANA-Verlag |
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Ja, Anlass und Ausgangspunkt der Berlin-Romane war mein DAAD-Stipendium im Jahr 1987. Ich selbst bin im Jahr 1939 geboren und während des Zweiten Weltkriegs in England aufgewachsen, die Deutschen galten als Feinde. Als Gast des Berliner Künstlerprogramms sah ich dann zum ersten Mal die andere Seite der Medaille: Ich begann, diesen Abschnitt der Geschichte im Ganzen zu erfassen. In meinem Roman „Jedem das Seine“ muss sich deshalb nicht nur die deutsche Ursula Leví der Verantwortung stellen: Auch der Protagonist Martin, ein neuseeländischer Historiker, ist auf der Suche nach Spuren seines stets glorifizierten Vaters, der als Bomberpilot im Zweiten Weltkrieg über Berlin für die Freiheit gestorben sein soll. Der Roman erzählt von der schwierigen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, von Verklärung und Verdrängung. Gleichzeitig werden Martin und Ursula aber auch Zeuge eines bedeutenden historischen Ereignisses, dem Fall der Berliner Mauer. Die Atmosphäre vor dem Fall der Mauer, die ich in meinem Roman detailliert beschreibe, habe ich während meines DAAD-Stipendiums selbst verspürt. Ich war von der Geschichte und dem Leben dort so fasziniert, dass ich bis zum Jahr 1998 mindestens einmal pro Jahr nach Berlin reiste – die Stadt wurde zu meiner zweiten Heimat.
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Ihre in Deutschland gesammelten Erfahrungen nutzten Sie in Neuseeland für eine Kampagne zur Reform des politischen Systems. Welche Ziele haben Sie erreicht?
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Das Wahlsystem Neuseelands war traditionell englisch geprägt. Anfang der 90er Jahre wurde in den entsprechenden Ausschüssen über eine Reform des Wahlsystems diskutiert, das deutsche System galt als Alternative. Ich machte mich für diese Idee stark, sprach hier in Deutschland mit Experten und Parlamentariern und konnte mit meinen Büchern und Artikeln großen Einfluss nehmen. 1993 entschied die neuseeländische Bevölkerung per Referendum, das Wahlsystem in diesem Sinne zu ändern.
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Philip Temple präsentiert auf der Buchmesse sein vielfältiges Werk
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| © Frankfurter Buchmesse / Fernando Baptista |
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Bis zum Ende der Buchmesse präsentieren Sie in Berlin und Frankfurt am Main dem Publikum Ihre Werke. An welchen Büchern werden Sie anschließend arbeiten?
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Ich versuche, mich in verschiedene Richtungen zu bewegen. Aktuell bin ich beispielsweise gerade dabei, ein Buch zu beenden, das als Dystopie zu verstehen ist. Dabei stelle ich mir die Frage, wie Neuseeland angesichts des Klimawandels und knapper Ressourcen in der Zukunft aussehen wird. Diese Themen beschäftigten mich stark: Als Großvater von fünf Enkeln beunruhigen mich die aktuellen Diskussionen und Prognosen.
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Angesichts des Klimawandels, aber auch der Katastrophe in Fukushima setzt Deutschland immer mehr auf erneuerbare Energien. Welchen Weg sollte Neuseeland Ihrer Meinung nach gehen?
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Ich halte den Weg, den Deutschland eingeschlagen hat, für vollkommen richtig und sehe an dieser Stelle eine Parallele zwischen der deutschen und der neuseeländischen Gesellschaft: Beide bemühen sich um den Umweltschutz, es gibt viele grüne Initiativen. Neuseeland verfügt hinsichtlich alternativer Energien über gute Ressourcen wie gewaltige Flüsse. Gegen den Bau von Staudämmen hat sich allerdings Widerstand gebildet, da damit in den natürlichen Flusslauf eingegriffen wird. In Bezug auf Windenergie – die derzeit in Neuseeland im Kommen ist – lässt sich diskutieren, wie effizient die Windräder überhaupt sind. Da es in Neuseeland häufig sonnig ist, wäre unter Umständen Photovoltaik eine gute Alternative für die Zukunft.
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Autorin: Christina Pfänder |
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Veröffentlichungsdatum: 10.10.2012 |
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© DAAD |
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