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"Europa!"-Serie
Europa mit Ausrufezeichen
In Freiburg im Breisgau fand vom 28. bis zum 30. September 2012 das 6. DAAD-Alumnitreffen für Juristen statt. Unter dem Motto "Europa! - Gesellschaft im Wandel" hatte der DAAD ehemalige wie auch aktuelle Stipendiaten in den Schwarzwald eingeladen.
Das Ausrufezeichen sei mit Bedacht gewählt, versicherte Dr. Dorothea Rüland, die Generalsekretärin des DAAD, in ihrer Eröffnungsrede im „Haus zur Lieben Hand“ der Freiburger Universität. Heute, wo Europa von vielen Seiten mit einem Fragezeichen versehen werde, sei es an der Zeit, sich umso stärker für ein freies, offenes, selbstbewusstes Europa einzusetzen. „Gesellschaftliche Veränderungen, wie wir sie in Teilen Europas, aber auch in den arabischen Ländern, ja weltweit erleben, erfordern Menschen, die den Wandel als Chance begreifen“, so Rüland. „Wir vom DAAD fördern daher besonders qualifizierte Studierende, die bereit sind, die Herausforderungen, die in fremden Ländern und Kulturen auf sie warten, als Chance zu sehen.“ Das Jahresthema des DAAD, das „Gesellschaft im Wandel“ lautet, ziehe sich daher wie ein roter Faden durch alle Aktivitäten des DAAD.

Gekonnt: Christian Bode moderierte am ersten Abend des Alumnitreffens ein
Gekonnt: Christian Bode moderierte am ersten Abend des Alumnitreffens ein "Speed-Dating" zum gegenseitigen Kennenlernen
© DAAD
Berichte von den Reibungsflächen
Um von den Reibungsflächen zu berichten, die bei gesellschaftlichen Verschiebungen mitunter entstehen, hatten die Veranstalter mit dem ehemaligen Bundesverfassungsrichter Professor Siegfried Broß einen prominenten Gastredner gewinnen können. Seinen Vortrag widmete Broß den gesellschaftlichen Fliehkräften, die die Liberalisierungs- und Privatisierungswellen der vergangenen Jahrzehnte in Deutschland entfacht hätten. „Sie können schon heute beobachten, dass in manchen privaten Krankenhäusern die persönlichen Kreditbedingungen über die Güte der Behandlung entscheiden“, so Broß. Wer es aber ernst meine mit dem Grundgesetz und vor allem mit dessen Artikel 1 und der „Würde des Menschen“, dem widerstrebe es, den Wert eines Menschen anhand eines Preises auszudrücken. Der Verfassungsrichter a. D. empfahl, bei weiteren Privatisierungen mit Bedacht vorzugehen. „Man kann den Betrieb auslagern, aber die Substanz muss erhalten bleiben.“ Explizit nannte Broß das Modell der Deutschen Bahn. Es sei richtig gewesen, den Betrieb zu privatisieren, allerdings dürfe das Schienennetz keinesfalls veräußert werden.

Ausgewogene Entscheidungsfindungen standen ebenso im Mittelpunkt der weiteren Vorträge des DAAD-Alumnitreffens wie grundsätzliche Fragen der Harmonisierung deutschen und europäischen Rechts – von der Erörterung der Europäischen Menschenrechtscharta und ihrer Bedeutung für das deutsche Arbeitsrecht über die Auslegung des Unionsbürgerrechts durch den Europäischen Gerichtshof bis zur Frage der abschließenden Podiumsveranstaltung, wie international die Juristenausbildung heutzutage sein sollte.

Von Brüssel bis Moskau
Detaillierte Einblicke in ihre Arbeit in einem internationalen Kontext hatten zuvor unter anderen die Tagungsteilnehmer und DAAD-Alumni Dr. Andreas Knaul und Dr. Albrecht Wendenburg gegeben. Knaul, Rechtsanwalt in Moskau, unterzog mit seinem Vortrag die Rechtsstaatlichkeit seiner Wahlheimat Russland einer kritischen Analyse. Wendenburg, der als Justizreferent der Niedersächsischen Staatskanzlei das norddeutsche Bundesland bei der EU in Brüssel vertritt, klopfte unterdessen das Instrument der Subsidiaritätsrüge auf Anspruch und Wirklichkeit hin ab und sah bei diesem „wichtigen Werkzeug europäischer Gesetzgebung“ noch erhebliches Verbesserungspotenzial.

In den Weinbergen: Auch Geselligkeit gehörte  wesentlich zu dem Alumnitreffen in  Südbaden
In den Weinbergen: Auch Geselligkeit gehörte wesentlich zu dem Alumnitreffen in Südbaden
© DAAD
Dass bei aller fachlichen Analyse während des Alumnitreffens das Gesellige nicht zu kurz kam, dafür sorgte schon am ersten Abend der Veranstaltung Dr. Christian Bode, Vorsitzender des DAAD-Freundeskreises, zuvor langjähriger DAAD-Generalsekretär und nicht zuletzt Begründer des mittlerweile schon traditionellen Alumnitreffens der Juristen. Während eines „Speed-Datings“ gruppierte Bode die anwesenden Alumni nach Kriterien wie Herkunft, Beruf, Studienort oder Fachgebiet immer wieder neu um. Einzige Vorgabe: Nicht länger als 25 Sekunden mit derselben Person sprechen! Bodes unterhaltsame Moderation ließ schon am ersten Abend im Stadthotel Freiburg keinen Zweifel am Gelingen des DAAD-Wochenendes im Breisgau aufkommen. Dazu trugen freilich auch weitere Programmpunkte bei, etwa die Seilbahnfahrt hinauf zum Schauinsland, einem der höchsten Berge des Schwarzwaldes, mit anschließender Schussfahrt auf Tretrollern hinab ins Tal, oder der Besuch bei einer Winzergenossenschaft inklusive Weinprobe.

DAAD-Alumnus und neuer Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Freiburg: Alexander Bruns
DAAD-Alumnus und neuer Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Freiburg: Alexander Bruns
© DAAD
Unterhaltsames Wochenende
So verlebten die 80 angereisten DAAD-Alumni ein ebenso inspirierendes wie unterhaltsames Wochenende vor malerischer südbadischer Kulisse. Die Wahl des Austragungsortes war übrigens ganz bewusst auf die alte badische Universitätsstadt gefallen. Denn immerhin stellt Freiburg nach München das zweitgrößte Kontingent an Absolventen der Rechtswissenschaften, die die Austauschprogramme des DAAD in Anspruch genommen haben.

Professor Alexander Bruns, der an diesem Wochenende in sein neues Amt als Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät eingeführt wurde, hatte für dieses Phänomen eine durchaus einleuchtende Erklärung parat: Es sei die beschauliche Idylle der Stadt Freiburg einerseits und das außerordentliche Engagement und die Kompetenz der Fakultätsmitarbeiter andererseits, die die juristische Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg zu einer der ersten Adressen Deutschlands mache. Der Zusammenarbeit mit dem DAAD sieht der neue Dekan, der seinerseits mithilfe eines Stipendiums des DAAD an der renommierten Duke University im US-Bundesstaat North Carolina studieren konnte und sich später in Harvard habilitierte, jedenfalls mit großer Freude und Zuversicht entgegen. Dies sei „eine ideale Kombination“, so Bruns. Dem mochte zum Ausklang des 6. DAAD-Alumnitreffens der Juristen niemand widersprechen.

Autor: Frank Odenthal
Veröffentlichungsdatum: 02.10.2012
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