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"Welcome to Africa"-Serie
Wissen bündeln, nachhaltig wirtschaften
Wertvolle Wasserforschung - und vieles mehr: Gleich drei "Welcome to Africa"-Projekte fördern die nachhaltige Ressourcennutzung und stärken auch den Netzwerk- und Weiterbildungsgedanken. Ein wesentlicher Aspekt des gemeinsamen Programms des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und des DAAD.
In den weitreichenden sandigen Gebieten entlang der Ostküste von Südafrika und Mosambik geht es vielerorts ums nackte Überleben. Viele der Dorfbewohner leben nur von Bananen, Taropflanzen oder Süßkartoffeln, die sie in den schwarzen Moorböden der nahen Feuchtgebiete anbauen. Früher haben Sumpfwälder, Moore und kleine Wasserflächen ein dichtes Netzwerk zwischen den sandigen Dünen in Maputaland gebildet und die Landschaft ausreichend mit Wasser versorgt. Jahr für Jahr werden jedoch weitere Teile der Sumpfwälder gerodet, entwässert und abgebrannt. Nach kurzer Zeit sind die Flächen ausgelaugt, die Moorböden verschwinden und der Raubbau greift auf neue Flächen über. Nachhaltiges Wirtschaften spielte hier noch nie eine Rolle. Doch die Gefahr wächst. Denn mit der anhaltenden Zerstörung dieser ebenso seltenen wie wichtigen Ökosysteme vernichten die Einwohner ihre Existenzgrundlage.

Hier setzt das interdisziplinäre Forschungsprojekt „AllWet RES – Alliance for Wetlands: Research and Restoration“ an, das vom Bundesforschungsministerium (BMBF) und dem DAAD im Rahmen des „Welcome to Africa“-Programms mit knapp 400.000 Euro gefördert wird. Das über drei Jahre laufende Projekt entwickelt sich als enge Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät der Humboldt-Universität Berlin sowie zwei südafrikanischen Universitäten: der University of KwaZulu-Natal in Durban und der University of the Free State in Bloemfontein. Koordinator ist der Lehrstuhl für Renaturierungsökologie der Technischen Universität München (TUM).

Herausforderung: Die nachhaltige Wassernutzung erfordert oft ein Umdenken
Herausforderung: Die nachhaltige Wassernutzung erfordert oft ein Umdenken
© AllWet RES
Zustimmung des Ältestenrates
Bereits am 13. Oktober fliegen die ersten fünf Doktoranden und Studierende aus München und Berlin ins Projektgebiet Maputaland. Jedes Jahr wird eine neue Gruppe von Nachwuchswissenschaftlern vor Ort erforschen, wie sich küstennahe Feuchtgebiete renaturieren und nachhaltig nutzen lassen. „Unsere europäischen Vorstellungen von Umweltschutz lassen sich nicht einfach eins zu eins in Entwicklungsländern anwenden“, betont Projektleiter Dr. Jan Sliva. „Entscheidend ist die Frage, unter welchen Voraussetzungen sich nachhaltiges Wirtschaften dort umsetzen lässt.“ Der Naturwissenschaftler vom TUM-Lehrstuhl für Renaturierungsökologie in Weihenstephan setzt auf Kooperation, mit der Regierung und NGOs ebenso wie mit afrikanischen Wissenschaftlern und der lokalen Stammesgemeinde. „Selbstverständlich haben wir die Zustimmung des Ältestenrates eingeholt“, so Sliva. „Diese Unterstützung ist wichtig, wenn wir mit den Leuten sprechen und gemeinsam arbeiten wollen.“

An einem Tisch: Treffen bei der kenianischen Gatundu South Water and Sanitation Company
An einem Tisch: Treffen bei der kenianischen Gatundu South Water and Sanitation Company
© FU Berlin
Forschung in "living laboratories"
Die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen steht auch im Mittelpunkt des Verbundprojekts „Integrated Watershed Management (IWM) Research & Development Capacity Building“, das von der Freien Universität (FU) Berlin koordiniert wird. Ziel des Projektkonsortiums (FU Berlin, Kenyatta University, Yaounde I University, University of Cape Town, United Nations University und IWM Expert Consultancy) ist, Strategien zum nachhaltigen Wasserressourcenmanagement zu fördern. „Das Integrierte Wassereinzugsmanagement IWM ist ein anerkanntes Instrument zum nachhaltigen Management der natürlichen und menschlichen Ressourcen“, betont Projektmitarbeiterin Anette Stumptner vom Institut für Geographische Wissenschaften der FU Berlin. In ausgewählten Flusseinzugsgebieten der Partnerländer, sogenannten „living laboratories“, finden intensive Forschungsarbeiten vor dem Hintergrund des Informations- und Wissensaustausches zwischen jungen Wissenschaftlern, Praktikern und der lokalen Bevölkerung statt. Doch auch das Lernen im Feld ist wichtig. Teams aus Promovenden und Masterstudierenden der Partnerhochschulen sind vor Ort unterwegs und entwickeln zusammen mit der lokalen Bevölkerung Forschungsthemen, die sich an den Notwendigkeiten in den „living laboratories“ orientieren. „Wir bieten Kurse zum Thema Wassermanagement an und entwickeln Bildungsmaterialien, die auf die Bedürfnisse von Wissenschaftlern, Institutionen oder Einheimischen zugeschnitten sind“, sagt Anette Stumptner. „Der Aufbau von Kompetenz ist das Ziel unserer Arbeit.“

Auch die TU Dresden setzt auf den Austausch
Auch die TU Dresden setzt auf den Austausch
© TU Dresden / Tarig Mahmoud
Anpassungsstrategien an den Klimawandel
Der Netzwerk- und Weiterbildungsgedanke spielt bei den Tropenforschern der Technischen Universität Dresden ebenfalls eine zentrale Rolle. In Zusammenarbeit mit Partnerhochschulen in Äthiopien, Sudan, Südsudan, Tansania und Uganda erforschen Mitarbeiter des Dresdner Instituts für Internationale Forst- und Holzwirtschaft Anpassungsstrategien an den Klimawandel. „In afrikanischen Ländern hat der Klimawandel schon stattgefunden, die Menschen erleben Veränderungen hautnah“, erklärt Maxi Domke, Doktorandin und Koordinatorin des Netzwerkprojekts „Scientific Cooperation Network on Climate Change Adaption“. So werden die Regenzeiten immer kürzer und unberechenbarer für die Farmer. Neue, nachhaltige Strategien und Maßnahmen sind gefragt. Getreidesorten, die schneller wachsen, beispielsweise. „Macht ein Land wie Äthiopien gute Erfahrungen mit einer bestimmten Sorte, können andere Länder von diesem Wissen profitieren“, sagt Domke. „Unser Fokus ist es, den afrikanischen Partnern diesen Austausch untereinander zu ermöglichen.“ Das von BMBF und DAAD geförderte „Welcome to Africa“-Projekt bietet die Strukturen und die Möglichkeiten sich zu begegnen, zu diskutieren, Wissen auszutauschen, Fragestellungen zu entwickeln und gemeinsam an den Problemen zu arbeiten. Etwa über Summer Schools, zu denen bis zu dreißig Wissenschaftler, Doktoranden und Masterstudierende aus den Partnerländern zusammenkommen werden – im nächsten Jahr im Sudan.

Weitere Informationen
„Welcome to Africa“ – DAAD-Programm weckt Interesse an afrikanischen Forschungsthemen

Mit diesem vom BMBF über einen Zeitraum von drei Jahren geförderten Programm gibt der DAAD deutschen Hochschulen die Möglichkeit, sowohl neue Kontakte zu afrikanischen Hochschulen zu knüpfen, als auch bereits bestehende Kontakte auszubauen und den gegenseitigen wissenschaftlichen Austausch zu aktivieren.

Ziele sind:

• Stärkung der Afrikakompetenz des deutschen wissenschaftlichen Nachwuchses
• Förderung der Mobilität von Studierenden, Graduierten und Wissenschaftler/innen
• Auf- und Ausbau der Forschungszusammenarbeit zwischen afrikanischen und deutschen Hochschulen
• Erweiterung der Forschungs- und Ausbildungskapazität an afrikanischen Hochschulen


Was wird gefördert?

• Studien- und Forschungsaufenthalte deutscher Studierender, Graduierter und Nachwuchswissenschaftler/innen an afrikanischen Hochschulen
• Praktika, Exkursionen oder Sommerschulen
• Netzwerkarbeit zwischen afrikanischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen

Von 81 Anträgen aus deutschen Hochschul- und Forschungseinrichtungen wurden elf bewilligt. Bis 2015 werden sie mit einem Gesamtbudget von 3,3 Millionen Euro unterstützt. Eine Übersicht aller geförderten Projekte finden Sie unter
Autorin: Gunda Achterhold
Veröffentlichungsdatum: 27.09.2012
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