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GAIN-Jahrestagung
Positive Stimmung
Für deutsche Wissenschaftler in Nordamerika ist Deutschland längst wieder eine attraktive Alternative. Auf der GAIN-Jahrestagung in Boston informierten sie sich umfassend über die Veränderungen der deutschen Forschungslandschaft in den vergangenen Jahren und zeigten großes Interesse an den angebotenen Workshops.
„Der Wissenschaftsstandort Deutschland braucht Sie“, sagte Helge Braun, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung. Vor allem im MINT-Bereich gäbe es eine Fachkräftelücke von rund 210.000 Leuten. Und: „Deutschland will bis zum Jahr 2015 zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Bildung und Forschung investieren“. Um die Bedeutung dieser Zahlen zu veranschaulichen, lieferte der Staatssekretär einen Vergleich: Die USA hätten von 2000 bis 2010 den Anteil von Forschung und Entwicklung an den Bruttoinlandsausgaben um sieben Prozent erhöht, Deutschland um 14,2 Prozent.

Staatssekretär Helge Braun (Mitte) und GAIN-Leiter Gerrit Rößler (1. v. l.) konnten in Boston knapp 300 Tagungsteilnehmer begrüßen
Staatssekretär Helge Braun (Mitte) und GAIN-Leiter Gerrit Rößler (1. v. l.) konnten in Boston knapp 300 Tagungsteilnehmer begrüßen
© BMBF / Sandra Röttgen
Interesse an Rückkehr
Brauns Aufruf traf auf offene Ohren: Er sprach vor knapp 300 deutschen Wissenschaftlern, die der DAAD gemeinsam mit der Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zur 12. GAIN-Jahrestagung in Boston eingeladen hatte. Sie alle forschen derzeit in den USA und interessieren sich für eine Rückkehr nach Deutschland. Auf der Tagung hatten sie die Möglichkeit, sich mit über 100 hochrangigen Vertretern aus der deutschen Wissenschaft, Politik und Wirtschaft auszutauschen. Die Gemeinschaftsinitiative der drei großen Wissenschaftsorganisationen vernetzt deutsche Forscher in Nordamerika und unterstützt sie bei der beruflichen Wiedereingliederung in Deutschland.

Margret Wintermantel:
Margret Wintermantel: "Neue Konzepte der Nachwuchsförderung etabliert"
© Stefan Altevogt
Seit 2003 veranstaltet die Initiative ihre Jahrestagung – und seither hat sich die deutsche Forschungslandschaft stark verändert. „Vor allem durch die Exzellenzinitiative, aber auch durch eine Vielzahl weiterer Fördermaßnahmen und Initiativen wurden nicht nur umfangreiche Zusatzmittel bereitgestellt, sondern vor allem auch neue Konzepte der Nachwuchsförderung etabliert“, erklärte DAAD-Präsidentin Professorin Margret Wintermantel. „Immer weniger Hochschulen schließen einen Tenure Track aus, und immer mehr Institutionen werben sogar damit, um die besten Nachwuchsforscher an sich zu binden“. Allerdings seien die meisten neu geschaffenen Stellen zeitlich befristet, und die Zahl der unbefristeten Professorenstellen habe sich zwischen 2005 und 2010 nicht erhöht. Man sollte sich eines beruflichen Risikos bewusst sein, ohne sich davon einschüchtern zu lassen.

Konkrete Themen
Die deutschen Forscher in Nordamerika haben die Veränderungen in Deutschland mitbekommen. Sie nutzten die Tagung sogar, um Argumente für eine Rückkehr auszutauschen. So machte zum Beispiel ein Teilnehmer darauf aufmerksam, dass Ehepartner ihr Anrecht auf Kindergeld und Elternzeit während des USA-Aufenthalts verlieren, was in der Wirtschaft nicht passiere. „Das war das besondere an dieser Tagung: Es kamen viele solcher konkreten Themen auf den Tisch, die man nun anpacken kann“, sagt Gerrit Rößler, Leiter der GAIN-Initiative. Es sei eine der bisher produktivsten Tagungen gewesen.

Gruppenarbeit: In Workshops konnten sich die Tagungsteilnehmer auch mit speziellen Fragestellungen beschäftigen
Gruppenarbeit: In Workshops konnten sich die Tagungsteilnehmer auch mit speziellen Fragestellungen beschäftigen
© Stefan Altevogt
Zu den beliebtesten Workshops des Treffens gehörten die „Dual Career“-Möglichkeiten sowie „Forschung in der Industrie“. An dem Workshop „Alternative Karrierewege“ nahmen fast 100 Wissenschaftler teil. Das große Interesse wundert Gerrit Rößler nicht. „Es liegt vermutlich daran, dass Deutschlands Forschungslandschaft sich in den letzten Jahren konsequent verbessert hat, aber auch daran, dass sich die Situation in den USA zunehmend verschlechtert“, sagt er. Die Konkurrenz um Stellen bei den Top-Universitäten werde immer größer und das Budget bei den staatlichen Universitäten immer kleiner.

"Spannender Wandel"
Doch selbst Forscher, die eine gute Stelle an einer US-Universität ergattern konnten, schließen ihre Rückkehr nicht mehr aus. Carsten Skarke etwa kam 2007 mit einem Stipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung zum Institute for Translational Medicine and Therapeutics der University of Pennsylvania. Schon vor Ablauf des Stipendiums bot ihm die Universität 2010 eine Stelle als Research Assistant Professor an. Er ist zufrieden und lobt das einzigartige Mentoring-Programm. „Ich hatte immer das Gefühl, dass sich die Universität um junge Wissenschaftler kümmert“, sagt er. „Ich erhielt nach einiger Zeit eine Begutachtung des Mentorings, bei der auf meine individuellen Perspektiven eingegangen wurde. So etwas habe ich in Deutschland nie erlebt.“ Dennoch beobachte er mit Sorge, dass die Förderquote der National Institutes of Health gesunken ist. Auf der anderen Seite nahm er bereits an mehreren GAIN-Tagungen teil und spürte die positive Stimmung: „Für mich und viele Kollegen wäre es schon sehr reizvoll, den spannenden Wandel in Deutschland mitzuerleben.“

Autor: Boris Hänßler
Veröffentlichungsdatum: 12.09.2012
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