www.daad.de | Impressum
Logo: DAAD-magazin.de
Startseite « ''Ich setze den Prozess der Förderung fort'' Magazin-Archiv

Serie ''Gesellschaft im Wandel''
''Ich setze den Prozess der Förderung fort''
Sie trägt zur Verbesserung der Gesundheitssituation bei, stärkt die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes und bildet die Basis einer funktionierenden Demokratie: Bildung ist der Schlüssel für einen gelingenden gesellschaftlichen Wandel und ein Menschenrecht dazu. DAAD-Preisträger Adarsha Kanchana macht sich in seinem Heimatland Indien für eine grundlegende Bildung stark – der Elektroingenieur unterstützt mit seiner "Kanchana Foundation" eine Schule im abgelegenen Dorf Alanthaya.
Adarsha Kanchana
Adarsha Kanchana
© DAAD / David Ausserhofer
Herr Kanchana, im Jahr 2009 wurden Sie mit dem DAAD-Preis geehrt. Wieso haben Sie die Auszeichnung erhalten?
Adarsha Kanchana: Ich habe damals an der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TUHH) einen Master in Mikroelektronik gemacht und fast gleichzeitig den Master of Business Administration am Northern Institute of Technology Management (NIT) der TUHH. Beide Studiengänge habe ich mit sehr guten Noten abgeschlossen und ein Gerät entwickelt, mit dem man die Kosten einer Konferenz berechnen kann. Außerdem habe ich mich in einigen sozialen Initiativen engagiert. Als Administrator der Indian Students Association der TUHH führte ich gemeinsam mit meinem Kommilitonen ein Schulbildungsprojekt durch. Zudem lernte ich als Praktikant des ,Seitenwechsel‘-Projekts der Patriotischen Gesellschaft Hamburg das Leben von Obdachlosen und Flüchtlingen in Deutschland kennen. Nebenbei habe ich als Musiker und Komponist in Hamburg einige Konzerte gegeben.

Mit dem Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro gründeten Sie Ihre "Kanchana Foundation", mit der Sie sich weiterhin für die Schulbildung von Kindern in Indien einsetzen. Was hat Sie dazu bewogen?
Das hat verschiedene Gründe. Zum einen arbeitete mein Vater vor seiner Pensionierung als Lehrer, er verdeutlichte mir früh, wie wichtig Bildung ist. Zum anderen wird Bildung in der indischen Gesellschaft insgesamt als ein wichtiges Gut angesehen, sie ist ein sehr wichtiges Instrument zum Wachstum Indiens. Drittens möchte ich Vorteile, die mir gewährt wurden, an andere weitergeben. Während meines Doppelstudiums an der TUHH wurde ich selbst mit einem Stipendium unterstützt. Nun habe ich in Würzburg eine Stelle als Projektleiter bekommen und setze mit meiner Stiftung den Prozess der Förderung fort: Mit dem Projekt Vidyā verfolge ich das Ziel, die Bildungssituation von unterprivilegierten Kindern und auch die Qualität des Unterrichts zu verbessern. Damit möchte ich nachhaltige Entwicklungsprozesse in Gang setzen, die der indischen Gesellschaft im Ganzen zugutekommen.

60 Prozent der Kinder, die in Alanthaya zur Schule gehen, leben unter der Armutsgrenze
60 Prozent der Kinder, die in Alanthaya zur Schule gehen, leben unter der Armutsgrenze
© Kanchana Foundation
Aktuell unterstützen Sie eine Schule mit den Klassen eins bis sieben in einem abgelegenen Dorf. Wieso ist die Schule auf Hilfe angewiesen?
Die Schule in Alanthaya – die von uns mithilfe einer Studie aus 200 Schulen ausgewählt wurde – wird von Kindern aus unterschiedlichen Dörfern besucht. Es handelt sich um eine öffentliche Einrichtung mit rund 110 Schülerinnen und Schülern; 60 Prozent von ihnen leben unter der Armutsgrenze. Da die Kinder bislang von nur vier Lehrern unterrichtet wurden, haben wir als erstes zwei weitere Pädagogen eingestellt. Außerdem haben wir rund 800 Euro in die allgemeine Ausstattung der Schule investiert: Teller für das Mittagsessen und Computer für den Unterricht waren dringend nötig. Als nächstes planen wir, den Lehrern verschiedene Schulungen anzubieten. Wichtig ist uns auch die Elternarbeit: Einmal im Monat laden wir die Eltern ein und informieren sie mithilfe eines Experten über Themen wie Ernährung, Landwirtschaft oder die Ausbildung ihrer Kinder. Mit diesen Veranstaltungen wollen wir die Eltern für den Bildungsprozess sensibilisieren.

Wieso fördern Sie gerade eine Schule im ländlichen Raum?
Zunächst einmal besteht das Problem, dass in Indien auf dem Land insgesamt zu wenig Schulen verfügbar sind. Darüber hinaus befinden sich die Dorfschulen auf einem weitaus niedrigeren Entwicklungsniveau als die Schulen in den Städten. Dieses Gefälle lässt sich leicht durch einen Blick auf die verschiedenen sozioökonomischen Strukturen erklären: In der Stadt locken große Firmen mit Arbeitsplätzen – für die man allerdings eine gute Schuldbildung benötigt. Der ländliche Raum hingegen ist weitestgehend durch Landwirtschaft geprägt; die Menschen dort sind weniger mit dem Thema Bildung als mit ihrem Tagesgeschäft oder gar ihrer Existenzsicherung beschäftigt. Benötigen sie ihre Kinder als Arbeitskraft, schicken sie sie nicht in die Schule – für einen Teil der Landbevölkerung ist der Vorteil von Bildung einfach nicht ersichtlich. Andere verlassen die abgelegenen Regionen, um in der Stadt eine lukrativere Arbeit zu finden. Diese Entwicklung hat meiner Ansicht nach auch ihre Schattenseiten: Die Landwirtschaft geht zurück, während die Städte immer stärker belastet werden.

Der
Der "International Women's Day" wurde auch an der Schule in Alanthaya gefeiert
© Kanchana Foundation
Der "International Women's Day" wurde in diesem Jahr auch an der Schule in Alanthaya gefeiert. Wie lässt sich die Situation der Frauen in Indien beschreiben?
Für Mädchen und Frauen ist das Recht auf Bildung zum Teil immer noch nicht selbstverständlich. Manche Familien verwehren ihren Töchtern den Besuch einer höheren Schule – als zukünftige Ehefrau und Mutter scheinen sie keine Bildung zu benötigen. Meine Frau, die selbst Zahnärztin ist, legt deshalb besonderen Wert darauf, dass unsere Stiftung gerade Mädchen den Zugang zu Bildungseinrichtungen ermöglicht.

Wieso spielt gerade die Bildung Ihrer Ansicht nach eine Schlüsselrolle für den gesellschaftlichen Wandel?
Meiner Ansicht nach ist Bildung für den Entwicklungsprozess eines Menschen äußerst wichtig: Durch Bildung wird es den Kindern ermöglicht, Situationen zu analysieren und selbständig vernünftige Entscheidungen zu treffen. Den Kindern wird dadurch beispielsweise klar, warum es wichtig ist, die Natur zu schützen oder sich für eine saubere Luft einzusetzen.

Autorin: Christina Pfänder
Veröffentlichungsdatum: 14.09.2012
Weiterführende Links:
Weitere Artikel der Serie:

Gesellschaft im Wandel

''Den Wandel aktiv gestalten''
Von den Demokratiebewegungen in der Arabischen Welt über die Herausforderungen des Umweltschutzes bis zu einem globalen Erstarken der Zivilgesellschaft: Die Welt im Jahr 2012 wird wesentlich geprägt von globale mehr
Auf dem Weg zur Normalität
Geht es um den Irak, so dominieren in den deutschen Medien Bilder von Gewalt und Instabilität ? doch die irakische Hochschullandschaft ist im Aufwind. Mit einem Informationszentrum will der DAAD die gute deutsc mehr
''Gemeinsam Lösungswege entwickeln''
Welchen Herausforderungen müssen sich Hochschulprojekte in der Ukraine und in anderen Ländern der ehemaligen Sowjetunion stellen? Wie kann die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den Ländern dieser Regionen mehr
Kluge Köpfe für Veränderung
Ob in Pakistan oder in Brasilien, an Universitäten in Erfurt oder in Osnabrück, die ambitionierten Stipendiaten des jungen DAAD-Programms ''Public Policy and Good Governance'' setzen sich in unterschiedlichen R mehr
''Neutralität verschafft Vertrauen''
Die jüngsten Wahlen in der Russischen Föderation und die mit ihnen verbundenen Massenproteste haben für viel Aufsehen gesorgt. Inwieweit lässt sich ein gesellschaftlicher Wandel in Russland beobachten? Dr. Greg mehr
Der Erfolgs-Express kommt an
Der ''Millennium Express? ist am Ziel: Zum Abschluss der Workshop-Reihe feierten aktuelle und ehemalige DAAD-Stipendiaten mit Hochschulvertretern und zahlreichen Gästen das 25-jährige Jubiläum des erfolgreichen mehr
''Das Interesse wächst''
Die Architektin Miwa Mori hat das erste Passivhaus Japans errichtet und setzt sich in ihrem Heimatland für ein Umdenken in Sachen Energie ein. Dabei profitiert die DAAD-Alumna von den Erfahrungen, die sie als S mehr
Strategien für die Zukunft
Es ist eine Herausforderung, die nur im internationalen Rahmen zu bewältigen ist: Die globale Erwärmung zwingt weltweit ganz unterschiedliche Gesellschaften dazu, neue Wege zu beschreiten. Mit dem Programm ''In mehr
Spritztour im Wasserstoff-Auto
Interesse an der deutschen Energiewende? Und wie! Eine Woche lang informierte sich eine amerikanische Delegation aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in Berlin über innovative Technologien und neue Strategi mehr
''Wir erleben eine historische Zäsur''
Der Tahir-Platz ist zum Symbol für die ''Arabellion'' geworden: Hier nahm jene Demokratiebewegung ihren Ausgang, die dem ägyptischen Volk gleich drei Mal in den vergangenen Monaten freie Wahlen ermöglicht hat ? mehr
Sonne und Wind ? in Kairo und in Kassel
Die Menschen in den arabischen Ländern interessieren sich mehr und mehr für erneuerbare Energiequellen und für die Verbesserung der Energieeffizienz. In einem interkulturellen, vom DAAD geförderten Aufbaustudie mehr
Gefragte Expertise
Der DAAD fördert intensiv die postgraduale Aus- und Fortbildung für Stipendiaten aus Entwicklungsländern. Auf diesem Weg qualifizierte Fachkräfte wirken bereits erfolgreich als ''Agents of Change'' in ihrer Hei mehr
Einzigartiges Demokratielabor
Fragen, meinen, suchen, streiten, einigen - 80 Graduierte des DAAD und der Studienstiftung des deutschen Volkes debattierten über Wandel und Wege zu mehr Demokratie. Die Akademie in Wandlitz bei Berlin ermöglic mehr
Anteil nehmen, Wissen teilen
Die Hochschulen der arabischen Welt befinden sich derzeit inmitten eines gravierenden Umbruchs. Mit dem 2012 neu aufgelegten Programm der Deutsch-Arabischen Transformationspartnerschaft unterstützt der DAAD den mehr
Den erneuerbaren Energien gehört die Zukunft
Wie sieht sie aus, die Welt im Jahr 2030? Mehr als 200 Experten für erneuerbare Energien diskutierten das Thema auf der Konferenz ''Renewable Energy 2030 - Experts' Visions'' in Oldenburg. Anlass war das 25-jäh mehr
Strukturen schaffen, Vernetzung fördern
Seit 1999 fördert das DAAD-Programm ''Akademischer Neuaufbau in Südosteuropa'' umfassend multilaterale Kooperationen in der Region. Wie dabei politische Annäherung und fachliche Erweiterung zunehmen, zeigte unl mehr
''Wandel braucht ein Bewusstsein für Alternativen''
Die bildungspolitischen Wellen schlagen hoch in Chile, einige Ausläufer davon sind sogar in Europa zu spüren: Seit mehr als einem Jahr demonstrieren chilenische Studierende für einen kostenlosen Zugang zu Hochs mehr
''Wissenschaft kann Freiräume schaffen''
''Partner in der Transformation'' wollen Wissenschaftler aus Ägypten und Tunesien sein: Für ihre Universitäten streben sie eine aktivere Rolle in der Gestaltung des demokratischen Wandels an. In Kairo diskutier mehr
Malerische Kulisse, gehaltvoller Austausch
Bildung in Südafrika ist teuer - und Forschung ein entscheidender Faktor auf dem Weg des Landes in die Zukunft. Beim Treffen seiner Inlandsstipendiaten in Stellenbosch wurde deutlich, wie intensiv der DAAD die mehr
Die Zukunft Afghanistans im Blick
Sie entwickeln Curricula, erarbeiten wertvolles Lehrmaterial und fördern gezielt die klugen Köpfe Afghanistans: Die DAAD-Fachkoordinatoren für den akademischen Wiederaufbau des Landes engagieren sich überaus vi mehr
DAAD - Deutscher Akademischer Austausch Dienst © DAAD
Nachwuchswissenschaftler für Pakistans Technische Universitäten
Startschuss für DAAD-geförderte IKT-Studiengänge in Afrika-Subsahara
DAAD-Absolventenseminar in Bielefeld - Erfahrungsaustausch und Experimentierfreude
Letter abonnieren
Weitere Themen
Offen für Neues
Leben in einem anderen Land bedeutet interkulturelle Erfahrung hautnah. Davon berichten Experten im DAAD-magazin.
Vorausgegangene Themen und Artikel finden Sie in unserem Magazin-Archiv.
Seite drucken
Magazin-Archiv
Impressum
www.daad.de
DEUTSCHLAND.de