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Serie "Gesellschaft im Wandel"
Gefragte Expertise
Der DAAD fördert intensiv die postgraduale Aus- und Fortbildung für Stipendiaten aus Entwicklungsländern. Auf diesem Weg qualifizierte Fachkräfte wirken bereits erfolgreich als "Agents of Change" in ihrer Heimat: Sie bekämpfen zum Beispiel durch modernes Ressourcenmanagement den Mangel an sauberem Wasser.
Äthiopien leidet regelmäßig unter extremer Dürre. Die Folgen ist eine kaum vorstellbare Hungersnot. Dabei besitzt das Land ein großes Potential an Oberflächengewässern und Grundwasser. „Den Kommunen fehlt es überall an sauberem Trinkwasser“, sagt Destaye Gobena. „Dabei müssen wir nicht einmal tief graben, um an große Mengen davon zu kommen. Wir könnten viel extrahieren und nutzen“.

Destaye Gobena: Interesse für die Praxis
Destaye Gobena: Interesse für die Praxis
© privat
Entwicklung mitgestalten
Destaye Gobena arbeitet als Hydrogeologin im Woreda Water Resources Development Office, einer staatlichen Einrichtung, die die regionale Wasserversorgung verbessert. Von 2009 bis 2011 absolvierte die Äthiopierin mit einem DAAD-Stipendium den Masterkurs „Tropical Hydrogeology and Environmental Engineering“ an der Technischen Universität Darmstadt – einer von derzeit 42 Aufbaustudiengängen für Fach- und Führungskräfte, die vom DAAD in dem Programm „Postgraduale Aus- und Fortbildung für Stipendiaten aus Entwicklungsländern“ gefördert werden. Der DAAD ermöglicht den Stipendiaten, sich an deutschen Hochschulen weiterzubilden. Anschließend sollen sie die Entwicklung ihrer Herkunftsländer mitgestalten.

Tatsächlich sind die bisherigen Alumni in Positionen angekommen, in denen sie viel bewirken können. Das zeigte eine Verbleibstudie, die der DAAD 2011 in Auftrag gab: Rund 20 Prozent der Alumni arbeiten im staatlichen Sektor, weitere 20 Prozent in der Privatwirtschaft, 15 Prozent in Nichtregierungsorganisationen und 30 Prozent im Bereich Bildung und Forschung. „Das verdeutlicht, dass die Masterabschlüsse sogar die akademische Entwicklung voranbringen“, sagt DAAD-Referatsleiterin Anke Stahl. „Multiplikatoren sind im Hochschulbereich wichtig; sie bieten mit ihren internationalen Erfahrungen Regierungseinrichtungen und Unternehmen Beratungsleistungen an.“

Beitrag zum Erreichen der Millenniumsziele
Damit ein Masterstudiengang vom DAAD gefördert wird, müssen die Hochschulen überzeugend darstellen, dass der Studiengang einen unmittelbaren Beitrag zum Erreichen der Millenniumsziele der Vereinten Nationen leistet – und eine Nachfrage nach entsprechenden Fachkräften in den Entwicklungsländern herrscht. Ein wichtiges Thema ist zum Beispiel der nachhaltige Umgang mit Wasser. Seit 2009 bietet das Institut für Wasserwirtschaft, Hydrologie und landwirtschaftlichen Wasserbau der Leibniz Universität Hannover den internationalen Masterstudiengang „Water Resources and Environmental Management“ (WATENV) an. Der DAAD nahm den Kurs 2011 in sein Programm auf. 25 Studierende beginnen mit jedem Jahrgang, die meisten aus Asien, Afrika und Lateinamerika.

Internationale Zusammenarbeit: WATENV-Studierende während eines Feldpraktikums
Internationale Zusammenarbeit: WATENV-Studierende während eines Feldpraktikums
© WATENV
Die Teilnehmer spezialisieren sich auf Siedlungswasserwirtschaft oder Wasserressourcenmanagement – beides gefragte Qualifikationen. Die Absolventen des ersten Jahrgangs fanden schnell eine Tätigkeit. Miriam Tsiboe aus Ghana arbeitet für WaterAid, eine Nichtregierungsorganisation, die über Wassersicherheit aufklärt. „Ein weiterer Alumnus arbeitet in einer Wasserbehörde, ein dritter in einem Umweltplanungsbüro“, sagt Koordinatorin Eva Starke. „Viele suchen nach wie vor den Rat ihrer deutschen Professoren.“

Neue analytische Geräte
Auch Destaye Gobena empfand das Know-how, das sie in Deutschland erwarb, als sehr hilfreich für ihre Arbeit in Äthiopien. Bevor sie nach Darmstadt kam, hatte sie Geologie an der Addis Ababa University studiert und anschließend für das Misha Woreda Water Resource Development Office gearbeitet. „Ich war verantwortlich für die Durchführung von Machbarkeitsstudien zur Identifizierung von Wasserquellen“, sagt sie. „Ich überwachte und analysierte Bohrarbeiten und förderte verbesserte sanitäre Einrichtungen in den ländlichen Gemeinden.“ Sie wollte sich in Hydrogeologie weiterbilden. Von einer Bekannten erfuhr sie von dem DAAD-Programm. „Ich mochte in Darmstadt insbesondere den praktischen Teil“, sagt Gobena. „Wir machten Exkursionen nach Tunesien, wo ich einiges über Grund- und Oberflächenwassermanagement oder Bodenschutzmaßnahmen lernte“. Außerdem habe sie in den Laboren mit analytischen Geräten gearbeitet, die sie in Äthiopien gar nicht kannte. Nach ihrem Abschluss in Darmstadt war ihre erste Bewerbung bereits erfolgreich.


"Agent of Change": Kefasi Kamoyo
© privat
Eine ähnliche Geschichte erzählt Kefasi Kamoyo. Er kam mit dem Bachelor in Bewässerungstechnik der Universität Malawi als DAAD-Stipendiat an die TU Dresden, um den Masterkurs „Hydro Science and Engineering“ zu absolvieren – auch er fand umgehend eine Arbeit, als er in seine Heimat zurückkehrte. Heute ist er für das Ministerium für Landwirtschaft und Nahrungsmittelsicherheit in der Abteilung Landressourcenkonservierung tätig. Ein wichtiger Job: „Das Wasser ist in Malawi oft durch die erodierte Erde verschmutzt, außerdem ist das Land von langen Trockenperioden betroffen, die der Landwirtschaft stark zusetzen“, sagt Kamoyo. „Es gibt großen Bedarf an guter landwirtschaftlicher Praxis.“ Zu Kamoyos Aufgaben gehören die Implementierung von Unterwassertanks für die Speicherung des Regenwassers. Außerdem kartiert er die natürlichen Ressourcen seines Bezirks – Böden, Landformen, Pisten, Vegetation, Wasser – und entwickelt Konservierungsmaßnahmen. Malawi zählt zu den ärmsten Volkswirtschaften der Welt. Der Agrarsektor beschäftigt 90 Prozent der Bevölkerung. Man kann sich vorstellen, wie wertvoll die Arbeit des DAAD-Alumnus als „Agent of Change“ ist.

Autor: Boris Hänßler
Veröffentlichungsdatum: 31.08.2012
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