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Aktuelle Ausstellungen |
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Im Mittelpunkt der Kunstwelt |
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Es ist der Sommer des Jimmie Durham. Der Amerikaner hat sich von einem Geheimtipp der Gegenwartskunst zu einem ihrer bedeutendsten Vertreter gewandelt. Aktuell ist im belgischen Antwerpen eine erste umfassende Retrospektive seines Werks zu sehen. Zudem prägt Durham die diesjährige documenta 13 und die Berliner Galerie Wien Lukatsch zeigt eine kleine, feine Ausstellung mit Arbeiten des Cherokee-Indianers. Mit Berlin ist Jimmie Durham seit seiner Zeit als Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD eng verbunden.
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Zwei Apfelbäume also. Der Auftakt der 13. Kasseler documenta, eine der weltweit bedeutendsten Ausstellungen für zeitgenössische Kunst, überraschte. Bereits im Herbst 2011 pflanzten Carolyn Christov-Bakargiev, Leiterin der 13. documenta, und Jimmie Durham, amerikanischer Bildhauer, Maler, Performer, die Bäume. Die eine Sorte, der „Arkansas Black Apple Tree“, erinnert den aus Arkansas stammenden Durham an seine Kindheit. Der Korbiniansapfelbaum wurde dagegen von dem katholischen Priester Korbinian Aigner im KZ Dachau gezüchtet. Und so prallt in der Kasseler Karlsaue vieles aufeinander: Unschuld, Grauen, Natur, Geschichte.
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In der Kasseler Karlsaue: Carolyn Christov-Bakargiev und Jimmie Durham (rechts) beim Apfelbaumpflanzen
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| © Nils Klinger |
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Durham provoziert und regt an
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Hintersinnig, politisch, Klischees durchbrechend – nur eine mögliche Kurz-Charakterisierung der Kunst Jimmie Durhams, die sich auch auf sein eigentliches Werk auf der diesjährigen documenta übertragen lässt. Die Installation „The History of Europe“ präsentiert zwei Glasvitrinen: in der einen ein prähistorisches Steinwerkzeug, in der anderen eine Patrone aus dem Zweiten Weltkrieg. War’s das? Die Geschichte Europas mit primitivem Ausgangs- und brutalem Endpunkt? Nicht nur die wachsenden Apfelbäume sprechen gegen diese allzu naheliegende Deutung. Aber Durham provoziert und regt an. Und er kennt Europa, nicht zuletzt dank des Berliner Künstlerprogramms des DAAD, sehr gut.
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Reisender der Kunst: Jimmie Durham
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| © Nils Klinger |
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Schon sein Studium führte ihn 1968 bis 1973 an die École des Beaux-Arts in Genf. Anschließend engagierte sich Durham für das American Indian Movement und das International Indian Treaty Council, das er 1974 mitbegründete. Durham war zudem der erste offizielle Repräsentant der Indianer bei den Vereinten Nationen. In den Achtzigerjahren konzentrierte sich Jimmie Durham dann in New York auf die Kunst; 1987 zog er nach Mexiko. 1998 führte ihn das Berliner Künstlerprogramm des DAAD nach Berlin, wo er heute noch lebt und ein Atelier im Stadtteil Schöneberg hat. Zeichnungen, die er während seiner Zeit als Gast 1998 anfertigte, sind heute permanent in den Räumen des Berliner Künstlerprogramms zu sehen. In der daadgalerie stellte er auch nach seiner Zeit beim Künstlerprogramm aus und am 9. September wird er in der Galerie eine Präsentation im Rahmen der Ausstellung „Unrealized Projects“ von Hans Ulrich Obrist und Anton Vidokle zeigen.
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Doppelgesicht: der Kopf von Jimmie Durhams Jesusskulptur
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| © M HKA / Jochen Verghote |
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Rund 200 Exponate in Antwerpen
Schon jetzt (und noch bis zum 21. September) präsentiert in Berlin die ebenfalls seit Jahren mit dem Künstler verbundene Galerie Wien Lukatsch Zeichnungen, Texte und Objekte, die ein Reisetagebuch Durhams in den letzten Monaten bilden. Auch seine Vorbereitungen zur großen Ausstellung im Antwerpener Museum für Zeitgenössische Kunst (M HKA) greift der Künstler hier auf. Rund 200 Exponate vereint das M HKA zur ersten umfassenden Retrospektive von Durhams Werk. Ein zentrales Ausstellungsstück ist die Skulptur des beschnittenen Jesus’, mit der Durham bei seiner ersten documenta-Teilnahme 1992 für Aufsehen sorgte. Eine Skulptur mit Doppelgesicht, eine Hälfte mit dunkler Haut, die andere geradezu mechanisch, roboterhaft anmutend. Durham überrascht und irritiert gezielt, auch mit der Arbeit „Pocahontas’ Underwear“, die ebenfalls in Antwerpen zu sehen ist. Ein roter, mit billigem Schmuck versehener Slip als Abrechnung mit dem Klischee der berühmten Indianerschönheit. In einem Interview hat Durham einmal betont: „Offenbar erwartet man von mir als Indianer diese gewisse Exotik, das Anderssein. Die Leute haben ihre festen Vorstellungen davon, wie wir leben, auch wenn sie uns nur aus Hollywood oder von Karl May kennen“. Jimmie Durham wird weiter daran arbeiten, diese und andere Klischees zu durchbrechen. Davon können sich alle Interessierten auch am 9. September in der daadgalerie überzeugen.
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Autor: Johannes Göbel |
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Veröffentlichungsdatum: 15.08.2012 |
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© DAAD |
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