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RISE-Stipendiatin im Interview
"Ich werde auf jeden Fall wiederkommen"
Zum RISE-Stipendiatentreffen 2012 in Dresden kam auch Christina Sparks, Studentin am Spelman College in Atlanta (USA). Im Interview spricht sie über ihre Erfahrungen in Deutschland, neue Erkenntnisse und spannende Forschungsperspektiven.
Christina, wo machst du dein Praktikum?
Ich bin am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen bei einem Nachwuchswissenschaftler, der zur Strukturdynamik von biochemischen Systemen forscht. Sehr vereinfacht gesagt untersucht er die Strukturen verschiedener Flüssigkeiten mit Röntgenspektrografie – das ist eine ganz neue Welt für mich.

Christina Sparks
Christina Sparks
© DAAD
Wie viel hat das mit deinem Studium in den USA zu tun?
Nicht so viel, um ehrlich zu sein. Ich lerne hier in Göttingen eine ganz andere Dimension der Physik kennen. Zuhause studiere ich am Spelman College Maschinenbau, Physik und im Hauptfach kreatives Schreiben und habe mich bisher vor allem mit Robotertechnik beschäftigt. In einem Forschungsprojekt habe ich mit anderen Studenten untersucht, wie Roboter Musik autonom interpretieren und daraus abstrakte Kunst machen. Bei dieser Kombination liegt es näher, irgendwann ins Filmgeschäft zu gehen als in ein Forschungslabor. Jetzt aber in die Welt der Biophysik hineinzuschnuppern ist eine großartige Erfahrung. Ich muss demnächst entscheiden, in welchem Bereich ich meinen Bachelor-Abschluss machen werde. Biophysik ist nun definitiv eine Option.

Kannst du dir vorstellen, selbst einmal in der Wissenschaft zu bleiben?
Das, was ich einmal machen möchte, ändert sich eigentlich jeden Tag – aber ja, ich denke grundsätzlich, das wäre eine tolle Sache.

Warum hast du dich für das RISE-Programm beworben?
Ich wollte unbedingt im Ausland studieren. Ich wollte einfach nicht so werden wie viele Menschen bei mir daheim, die nie etwas von der Welt gesehen haben und engstirnig sind. In meiner Heimat gilt für viele: Wenn du nicht bist wie sie, gehörst du nicht dazu. Ich wollte aber eine andere Art des Denkens und des Herangehens an Probleme kennenlernen.

Warum hast du dafür den DAAD gewählt?
Mein College hat eine Partnerschaft mit dem DAAD, deshalb wusste ich über das Programm Bescheid. Ohne diese Förderung hätte ich es mir nie leisten können, drei Monate in Deutschland forschen zu können.

Haben sich die Hoffnungen, die du in das Praktikum gesetzt hast, erfüllt?
Ja, absolut. Am Anfang hatte ich ehrlich gesagt Angst: Bei meinem Praktikum bin ich von lauter richtig guten Wissenschaftlern umgeben und hatte bei jeder Frage die Befürchtung, ich könne als absoluter Idiot dastehen. Das will niemand. Aber ich habe schnell gelernt: Es ist immer gut zu fragen, wenn man etwas nicht versteht. Schlimm ist nur, wenn man ignorant ist.

Hast du viel gelernt?
Ja, absolut. Ich musste mich erst an die langen Arbeitstage im Labor gewöhnen, das war ein bisschen hart. Und dann war es eine ganz irre Erfahrung, dass all das, was ich bislang über Physik zu wissen glaubte, entweder falsch oder nur eine sehr vereinfachte Form der Wahrheit war. Ich habe in diesen zwei Monaten allein mehr über Elektronen gelernt als in den dreizehn Jahren zuvor.

Wie hat dir das Leben in Deutschland gefallen?
Es war eine tolle Zeit; ich werde auf jeden Fall wiederkommen. Am meisten beeindruckt hat mich, wie allgegenwärtig die Geschichte hier ist. In jeder Stadt gibt es Kirchen, Mauern oder Gebäude, die viele hundert Jahre alt sind. In den USA haben wir das nicht. Die Stadt, in der meine Familie lebt, wurde gegründet, als zwei Maisbauern ihre Farmen zusammengelegt haben.

Autorin: Susanne Kailitz
Veröffentlichungsdatum: 31.07.2012
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