 |
Nobelpreisträgertreffen in Lindau |
 |
 |
 |
 |
 |
Auf den Spuren deutscher Spitzenforscher |
 |
 |
Seit 1951 treffen sie sich am Bodensee – jedes Jahr diskutieren Nobelpreisträger in Lindau mit exzellenten Nachwuchswissenschaftlern aus aller Welt über wechselnde Themen. 2012 stand die 62. Tagung ganz im Zeichen von Kosmologie und Quantentheorie: 27 Nobelpreisträger der Physik tauschten sich mit über 580 jungen Forschern, darunter zwölf Stipendiaten des DAAD, über die neusten Ergebnisse der Spitzenforschung im Bereich der Physik aus. Eine Gruppe von internationalen Wissenschaftsjournalisten war auf Einladung des DAAD auch mit dabei. Für Mohamed Kassem, ägyptischer Journalist, eine spannende Erfahrung.
|
 |
 |
 |
|
Im Gespräch mit Spitzenforschern
|
|
In dieser entspannten und zugleich produktiven Atmosphäre knüpfte ich interessante Kontakte. Mit den Forschern sprach ich allerdings nicht nur über das Thema Physik: Der Astronom Brian P. Schmidt – der in Zusammenarbeit mit zwei weiteren Wissenschaftlern 2011 den Nobelpreis in Physik für den Nachweis erhalten hatte, dass sich die Ausdehnung des Universums beschleunigt – diskutierte mit mir hauptsächlich über Ägypten. Zu meiner Überraschung war Schmidt bestens über Ägypten und seinen spannenden Übergang zur Demokratie informiert. Er betonte, dass seiner Ansicht nach das Land nicht zu lange in dieser Übergangsphase steckenbleiben und sich zum Lösen der Probleme der Wissenschaft zuwenden sollte. Eine Sichtweise, die er mit meinem Landsmann Ahmed Zeweil, einem Nobelpreisträger für Chemie, teilte.
Zu meiner Begeisterung lernte ich ebenso El-Sayyed Salama kennen, einen Forscher der wissenschaftlichen Fakultät der Ain Shams Universität in Kairo. Salama nahm zum ersten Mal an dieser Veranstaltung teil. Sein Ziel war es, mehr über die globalen Herausforderungen in Bezug auf Energienutzung und Strahlenschutz zu lernen. „Dieses Forum gibt mir die Möglichkeit, Ideen mit Top-Wissenschaftlern aus der ganzen Welt auszutauschen”, freute sich auch Ghada Bassiyouni, eine ägyptische Akademikerin der Ingenieursfakultät der Ain Sham Universität. „Das wird sich positiv auf meine Forschung und Vorlesungen auswirken.”
|
 |

|
 |
|
Zwischen den Wissenschaftlern und Journalisten entstand ein produktiver Austausch
|
| © DAAD / Daniel Hintersteiner |
 |
|
|
Zu Gast in Friedrichshafen und München
|
|
Auf Einladung des DAAD bekamen wir zudem die Gelegenheit, auf den Spuren deutscher Nobelpreisträger renommierte Forschungseinrichtungen zu besuchen. So unternahmen wir eine Tour zur Zeppelin NT Werft in Friedrichshafen. Dort lernte ich allerhand Wissenswertes über das Luftschiff, das seit 1993 von dem deutschen Unternehmen Zeppelin Luftschifftechnik GmbH (ZLT) gebaut wird. Das Unternehmen sieht sich selbst als Nachfolger der von Ferdinand von Zeppelin gegründeten Firmen, die die sehr erfolgreichen Luftschiffe im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts konstruierten. Hier wurde mir bewusst: Wenn man den Alltag hinter sich lassen will und einen neuen Blick auf die Welt sucht, muss man wohl einfach das Experiment des Zeppelinflugs wagen. „Der Zeppelin schwebt nahezu geräuschlos durch die Luft und durch die große Panoramascheibe hat man einen einzigartigen Blick auf die Städte, Berge, Wälder, Wiesen und Seen“, schwärmte Thomas Brandt, Geschäftsführer der Deutschen Zeppelin-Reederei GmbH, von einem völlig neuen Gefühl des Fliegens.
|
|
Der zweite Teil der Tour führte unsere Gruppe – zu der Journalisten aus den USA, Brasilien, Mexiko, Taiwan, Kolumbien, Russland, Großbritannien, Kenia und Indien gehörten – zu renommierten Forschungsinstituten und Universitäten in München. Unter anderem besuchten wir die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR). Ich freute mich sehr auf den Besuch dieser Zentren wissenschaftlicher Exzellenz – doch am Ende wurden meine Erwartungen sogar noch übertroffen. An der LMU, einer der führenden Forschungsuniversitäten in Europa mit einer mehr als 500-jährigen Tradition, forschen und lehren an 18 Fakultäten etwa 700 Professoren und 3.600 akademische Mitarbeiter. Sie bieten ein breites und gut ausdifferenziertes Spektrum, das alle Wissensbereiche abdeckt. Etwa 47.000 Studenten, von denen 15 Prozent aus dem Ausland stammen, greifen derzeit auf das Angebot zurück.
Während des Besuchs hatten wir die Möglichkeit, Professor Ferenc Krausz zu treffen und eine sehr informative und unterhaltsame Vorlesung von ihm zu hören. Krausz ist der Direktor des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik, Lehrstuhlinhaber für Experimentalphysik und Laserphysik sowie Direktor des 2006 gegründeten Munich Centre for Advanced Photonics (MAP). Mit seiner leicht verständlichen Erklärung von selbst schwierigen Konzepten der Physik weckte er das Interesse aller Ausflugsteilnehmer.
|
 |

|
 |
|
Die Journalisten besuchten unter anderem die Ludwig-Maximilians-Universität in München
|
| © DAAD / Daniel Hintersteiner |
 |
|
|
Deutschland aus erster Hand
|
|
Möchte man allerdings Deutschland aus erster Hand kennenlernen, so muss man ausgehen und sich unter die Leute mischen. Egal, wohin ich ging – immer versuchte ich Kontakt zu den Einheimischen aufzunehmen. Während der Reise war das oft nicht einfach, fuhren wir doch meist schnell von einem Ort zum nächsten. Trotzdem gelang es mir, einige außergewöhnliche Deutsche zu treffen, die meinen Besuch noch wertvoller machten.
Was hat mir also an Deutschland am besten gefallen? Die Menschen. Ich habe so viele Leute getroffen, die nicht nur gastfreundlich, sondern auch sympathisch waren und sich gerne austauschten. Zollbeamte, Flughafenbetreiber, das Team des DAAD, unsere zwei Fahrer, die Hotelmitarbeiter – praktisch jeder war hilfsbereit. Ich bin gerne in einem Land herumgereist, in dem nahezu jeder, den ich traf, mich wie einen Freund behandelte. Deshalb lautet mein Rat: Sollten Sie nach Deutschland reisen, gehen Sie raus aus ihrem Hotelzimmer und mischen sich unters Volk. Erst dann gelingt es, das Land in seiner ganzen Vielfalt zu erleben.
|
|
 |
 |
 |
Autor: Mohamed Kassem |
 |
 |
Veröffentlichungsdatum: 24.07.2012 |
 |
 |
 |
|
 |
 |
 |
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
© DAAD |
|
 |
|
|