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Serie "Gesellschaft im Wandel" |
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"Wir erleben eine historische Zäsur" |
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Der Tahir-Platz ist zum Symbol für die "Arabellion" geworden: Hier nahm jene Demokratiebewegung ihren Ausgang, die dem ägyptischen Volk gleich drei Mal in den vergangenen Monaten freie Wahlen ermöglicht hat – das Referendum über die Verfassung sowie die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen. Dr. Michael Harms, Leiter der DAAD-Außenstelle Kairo, erlebt die Veränderungen aus nächster Nähe.
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Dr. Michael Harms, Leiter der DAAD-Außenstelle Kairo
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| © DAAD / Mahmoud Hamed |
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Herr Dr. Harms, es scheint fast, als hätte der DAAD das Jahresthema "Gesellschaft im Wandel" unter dem Eindruck der Veränderungen in Nordafrika und besonders in Ägypten gewählt. Wie erleben Sie die Lage in Kairo?
Dr. Michael Harms: Ich glaube, Wandel ist wirklich das einzig passende Etikett für die Situation hier. Wir erleben eine historische Zäsur. Aber – in welche Richtung dieser Prozess geht, ist noch völlig offen. Denn auch das ist in den letzten Wochen deutlich geworden: Die Armee hat das Sagen. Es ist das eine, einen Präsidenten zu stürzen, und etwas anderes, ein System zu verändern. Mit Sicherheit ist nicht das eingetreten, was die Revolutionäre im Kopf hatten, als sie zu Beginn des Jahres 2011 auf den Tahir-Platz gingen. Doch die Leute haben entdeckt, dass sie nicht allein sind, dass sie mit Demonstrationen demokratische Entwicklungen anmahnen können.
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Das Auswärtige Amt hat im Februar zusätzliches Geld für eine Transformationspartnerschaft bereitgestellt. Welche Projekte fördert der DAAD damit?
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Wir bekommen für die Jahre 2012 und 2013 je sieben Millionen Euro zusätzlich. Mit diesem Geld haben wir vier komplett neue Programmbereiche aufgebaut. Zum einen fördern wir damit langfristige Partnerschaften zwischen Instituten und Fachbereichen in Deutschland und Ägypten. Das Angebot ist extrem breit aufgestellt. Ein Projekt hilft beispielsweise, die Angebote der ägyptischen Hochschulen an die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt anzupassen. Ein anderes unterstützt die ägyptischen Hochschulen, so etwas wie eine Dekane-Konferenz aufzubauen, also eine Kooperation über einzelne Unis hinweg. Da geht es um Demokratisierung der Strukturen, um „Good Governance“.
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Zum Jahreswechsel ist das Kairoer Büro der Konrad-Adenauer-Stiftung durchsucht worden, der Leiter des Büros und eine weitere Mitarbeiterin sind angeklagt, "die Souveränität des ägyptischen Staates" verletzt zu haben. Hat dies Ihre Arbeit verändert?
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Das hat uns gezeigt: Auch eine jahrzehntelange Verbindung mit diesem Land, mit politischen Entscheidungsträgern und mit der Zivilgesellschaft schützt nicht vor solchen Vorwürfen. Die Vorfälle haben sich jedoch nicht direkt auf uns ausgewirkt. Da es nicht mein Verdienst ist, kann ich sagen: Wir als DAAD-Außenstelle haben einen unglaublich guten Ruf hier in Ägypten. Das hat viel damit zu tun, dass wir schon über 50 Jahre in Ägypten sind. Wir pflegen eine gleichberechtigte Partnerschaft und werden auch für unsere Auswahlprinzipien sehr geschätzt. Jeder weiß, dass unsere Kriterien wissenschaftsgeleitet sind, dass Beziehungen niemandem zu einem DAAD-Stipendium verhelfen. Dieser Vertrauensvorschuss hat sich bislang sehr bezahlt gemacht: Auch mit den neuen Machthabern haben wir gute Kontakte geknüpft, es gibt selbstverständlich auch unter den Muslimbrüdern DAAD-Alumni.
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Autor: Joachim Budde |
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Veröffentlichungsdatum: 24.07.2012 |
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