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DAAD-Stipendiat im Interview |
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Bildergeschichte des 20. Jahrhunderts |
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Tito im Rennboot. Tito auf der Jagd. Tito mit Sophia Loren. Marschall Josip Broz Tito, ehemaliger jugoslawischer Staatschef und selbst Hobbyfotograf, setzte sich mit tausenden von Fotos in Szene. DAAD-Stipendiat Fabian Bechtle sichtet seit April Teile der umfangreichen Fotosammlung im Archiv des Museums für Jugoslawische Geschichte in Belgrad und blickt dabei nicht nur hinter die Fassade des Diktators – die Fotos erzählen eine Bildergeschichte des 20. Jahrhunderts.
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Wie treffen Sie bei den Stichproben Ihre Auswahl?
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Am Anfang fand ich die skurrilen Bilder besonders ansprechend. Dann aber merkte ich, dass gerade diese Fotos die Mythenbildung Titos bestimmen. Mittlerweile finde ich jene Fotos interessant, die eher nebenbei entstanden sind, zum Beispiel aus dem Auto heraus fotografiert wurden oder Tito auf der Fahrt von der einen zur anderen Veranstaltung zeigen. Im Grunde handelt es sich hierbei um Schnappschüsse, die eher untypisch für das Archiv sind. Wenn man die einzelnen Bilder dann nebeneinander hält, fährt man durch Indien, Äthiopien oder Deutschland, unternimmt eine Reise durchs 20. Jahrhundert und streift neben der politischen Geschichte zum Beispiel auch die des Designs.
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Welche Rolle spielt die DAAD-Förderung für Ihre Arbeit?
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Ohne den DAAD wäre es für mich nicht möglich, diese Arbeit zu leisten, denn der wichtigste Punkt ist natürlich die Finanzierung. Zusätzlich genieße ich als DAAD-Stipendiat weitere Vorteile; der Zugang zu bestimmten Institutionen wird mir durch das Renommee des DAAD erleichtert.
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Seit einigen Jahren sind Ihre eigenen Werke auf Ausstellungen zu sehen. Was zeichnet Ihre Arbeiten aus?
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Angefangen habe ich mit Video-Performances – was zunächst einmal aufgrund des Livecharakters einer Performance ein Widerspruch in sich zu sein scheint. Meine Performances waren allerdings ausschließlich für die Videokamera gedacht; die kurzen, rhythmisch-prägnanten Aktionen habe ich mehrmals vor der Kamera wiederholt und Bezüge zu bekannten Bildern aus den Medien hergestellt. Im Zuge des Meisterschülerstudiums hat sich mein Fokus ein wenig verschoben. Zum einen spielt die Installation des Videos im Raum eine größere Rolle, zum anderen interessiert mich stärker die Rolle des Dokumentarischen, insbesondere die Diskrepanz zwischen Nachstellung und Dokumentation. Diese Diskrepanz spielt natürlich auch bei den Tito-Fotos eine große Rolle. Deshalb finde ich die Arbeit im Archiv auch so faszinierend: Das Performative, also die Aufführung innerhalb der Fotografie, vermischt sich mit dem Dokumentarischen.
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Offizieller Staatsempfang: Josip Broz Tito heißt Willi Brandt willkommen
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| © Fabian Bechtle |
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Ihr DAAD-Stipendium endet im September. Welche Pläne haben Sie für die Zeit danach?
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Mein Vorhaben in Belgrad ist so facettenreich geworden, dass ich es nicht wie geplant innerhalb meines Stipendiums abschließen werde. Je länger ich mich mit dem Archiv beschäftige, desto mehr merke ich: Man muss daraus ein Gruppenprojekt machen. Deshalb bin ich dabei, das Projekt zu erweitern und andere Leute dazu einzuladen. Dauerhaft werde ich zwar nicht in Belgrad bleiben, aber die nächsten ein bis zwei Jahre sicher weiter mit dem Archiv in Kontakt bleiben.
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Biografie Fabian Bechtle
2002 – 2009 Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) Leipzig und an der École Nationale des Beaux-Arts Lyon, Frankreich
2008 Erster Preis BM-Mediale für Junge Kunst
2009 Diplom für Bildende Kunst (HGB Leipzig)
2009 – 2011 Meisterschülerstudium bei Professor Joachim Blank (HGB Leipzig)
Seit 2007 Ausstellungen im In- und Ausland u.a. Pact Zollverein Essen (2011), Goethe-Institut Rom (2007), Senatsreservespeicher Berlin (2011), Galerie der Künstler München (2010), Bonner Kunstverein (2009), Museum of Contemporary Art Belgrade (2012)
Seit April 2012 Stipendiat des DAAD (Kurzzeitstipendium für Graduierte Künstler) in Belgrad, Serbien
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Autorin: Christina Pfänder |
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Veröffentlichungsdatum: 26.07.2012 |
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© DAAD |
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