Jubiläum der German University in Cairo
Verlässliche Partnerschaft in Zeiten des Umbruchs
"Die Zusammenarbeit zwischen deutschen und ägyptischen Hochschulen soll weiter ausgebaut werden", versprach DAAD-Generalsekretärin Dr. Dorothea Rüland in Ulm während des Festakts zum zehnjährigen Jubiläum der German University in Cairo (GUC). Die GUC ist das weltweit größte Hochschulprojekt, das vom DAAD gefördert wird. Für die Zukunft sind weitere deutsch-ägyptische Forschungsprojekte geplant.
Dr. Dorothea Rüland, Generalsekretärin des DAAD, lobte in ihrer Rede die beeindruckende Entwicklung der privaten Stiftungsuniversität
Dr. Dorothea Rüland, Generalsekretärin des DAAD, lobte in ihrer Rede die beeindruckende Entwicklung der privaten Stiftungsuniversität
© Elvira Eberhardt / Universität Ulm
„Nur mit mehr Bildung wird Ägypten vorankommen, das ist der einzige Weg“, sagte Iman Raslan. Die stellvertretende Herausgeberin der Zeitschrift „Al-Mossawar“ ist überzeugt, dass die Hochschulen ihres Landes gerade jetzt internationale Netzwerke brauchen: „Die Kooperation zwischen deutschen und ägyptischen Universitäten ist von großer Bedeutung. Gut, dass sie weiter ausgebaut wird!“

Gemeinsam mit weiteren Journalisten verschiedener ägyptischer Medien nahm Iman Raslan am Festakt zum zehnjährigen Jubiläum der GUC in Ulm teil. Die Generalsekretärin des DAAD, Dr. Dorothea Rüland, lobte in ihrer Rede die „beeindruckende Entwicklung“ der privaten Stiftungsuniversität, die bis in die Gestaltung der Studiengänge und die Verwaltungsstruktur hinein intensiv mit deutschen Hochschulen zusammenarbeitet. Ebenso überbrachte sie Glückwünsche von Bildungsministerin Dr. Annette Schavan, die an dem Festakt nicht persönlich teilnehmen konnte. Ministerin Schavan ist Schirmherrin der GUC, die als weltweit größtes Hochschulprojekt seit 2001 im DAAD-Programm „Studienangebote deutscher Hochschulen im Ausland“ aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert wird. Im Rahmen des Festakts wurden neben dem Gründer der GUC, Professor Ashraf Mansour, drei Gründungsdekane der Universitäten Ulm und Stuttgart sowie zwei frühere Leiter des deutschen Projektbüros der GUC geehrt.

Deutsch-ägyptische Forschungsprojekte
„Der DAAD möchte in Zeiten des Umbruchs der GUC sowie allen Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen in Ägypten und der Region als verlässlicher Partner zur Seite stehen“, betonte Dorothea Rüland. Hochschulprojekte wie die GUC signalisierten, dass die internationale akademische Zusammenarbeit trotz der politischen Unruhen weitergehe. Darüber hinaus könnten sie einen wichtigen Beitrag leisten, den Übergang produktiv und friedlich zu gestalten.
Um den Transformationsprozess in Ägypten und Tunesien zu unterstützen, hat das Auswärtige Amt dem DAAD für 2012 und 2013 zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt, mit denen die Hochschulen in der Region gestärkt werden sollen. Gefördert werden unter anderem Partnerschaften mit deutschen Hochschulen, gemeinsame Studienprogramme und Forschungsprojekte. Weitergeführt würden auch alle bereits bestehenden Programme, versicherte Rüland den ägyptischen Journalisten.


Die German University in Cairo (GUC) feierte in Ulm ihr zehnjähriges Jubiläum
Die German University in Cairo (GUC) feierte in Ulm ihr zehnjähriges Jubiläum
© Elvira Eberhardt / Universität Ulm
Der DAAD ist schon lange in Ägypten präsent, in Kairo liegt seine zweitälteste Außenstelle. Besonders für Wissenschaftler der Fächer Archäologie, erneuerbare Energien, Wasserwirtschaft oder Stadtplanung ist Ägypten interessant. Jährlich gehen rund 900 ägyptische Studierende und Wissenschaftler mit DAAD-Stipendien nach Deutschland – nach Ägypten reisen bisher allerdings nur knapp 300 deutsche Stipendiaten. Das sei noch zu wenig, meinte DAAD-Generalsekretärin Rüland, „aber das Interesse an der Region hat bei deutschen Studierenden in letzter Zeit stark zugenommen“. Langfristig solle die GUC, die sich bisher nur an Interessenten aus der Region richtet, auch für Deutsche ein Anlaufpunkt werden.

Professor Ashraf Mansour, Gründer der GUC, wurde 1992 in Ulm promoviert
Professor Ashraf Mansour, Gründer der GUC, wurde 1992 in Ulm promoviert
© Elvira Eberhardt / Universität Ulm
Interkultureller Austausch
Seit ihrer Gründung ist die GUC stark gewachsen, zurzeit sind rund 9.000 Studierende in mehr als 70 Studiengängen eingeschrieben. Schwerpunkte sind Ingenieurwissenschaften, angewandte Naturwissenschaften, Pharmazie und technisch orientiertes Management. Die Unterrichtssprache ist Englisch, mehr als die Hälfte der Studierenden lernt aber auch Deutsch. „Die Existenz der GUC hat dazu beigetragen, dass sich die Ägypter noch stärker für die deutsche Kultur und Gesellschaft interessierten“, sagte Professor Ashraf Mansour. „Vor zehn Jahren gab es drei deutsche Schulen in Kairo, heute sind es schon elf – und weitere deutsche Schulen sollen bald eröffnet werden.“ Der Physiker wurde 1992 in Ulm promoviert und schrieb dort auch seine Habilitation. Das deutsche Hochschulsystem mit seiner engen Verbindung zwischen Forschung und Lehre begeisterte Mansour so sehr, dass er den Entschluss fasste, in seiner Heimat eine Technische Universität nach deutschem Vorbild zu gründen.
Auch an der GUC – an der es bislang nur Bachelor- und Masterprogramme gibt – soll internationale Forschung künftig eine größere Rolle spielen. Vor kurzem wurden „Joint Research Workshops“ mit deutschen Hochschulen eingerichtet; ein bilaterales Doktorandenprogramm ist in Planung. Ein weiteres Zukunftsprojekt ist der neue Campus in Berlin-Mitte, der Ende dieses Jahres eröffnet wird. Alle Studierenden der GUC werden dann die Möglichkeit haben, ohne Zeitverlust und ohne zusätzliche Studiengebühren ein Semester in der deutschen Hauptstadt zu verbringen.

Autorin: Miriam Hoffmeyer
Veröffentlichungsdatum: 17.07.2012
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