www.daad.de | Impressum
Logo: DAAD-magazin.de
Startseite « Spritztour im Wasserstoff-Auto Magazin-Archiv

Serie "Gesellschaft im Wandel"
Spritztour im Wasserstoff-Auto
Interesse an der deutschen Energiewende? Und wie! Eine Woche lang informierte sich eine amerikanische Delegation aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in Berlin über innovative Technologien und neue Strategien der Energiepolitik. Ein erfolgreicher transatlantischer Dialog über ein globales Thema, den das vom DAAD geförderte Zentrum für Deutschland- und Europastudien an der Universität Minnesota organisierte.
„Bemerkenswert an der Fahrt mit dem Wasserstoff-Auto ist, dass sie gar nicht so bemerkenswert ist“, staunte Rolf Nordstrom aus Minnesota. Der Geschäftsführer des Great Plains Instituts für nachhaltige Entwicklung hatte nicht erwartet, dass sich das Auto mit der Brennstoffzelle genau so fährt wie ein benzinbetriebenes Kraftfahrzeug – nur leiser. Eine aufregende und überraschende Erfahrung für die 15 amerikanischen Teilnehmer am Berliner Seminar zur Energiepolitik, die mit fünf Prototypen unterschiedlicher Hersteller einmal vom Auswärtigen Amt über den Potsdamer Platz zur Wasserstofftankstelle und zurück fahren durften. Der Seminarveranstalter – das vom DAAD geförderte Center for German and European Studies (CGES) an der University of Minnesota – hatte auf diesen Praxiseffekt gesetzt: „Wir wollten nicht nur Referate, sondern auch Konkretes bieten und zeigen, wie handfest an der Umsetzung neuer Lösungen für Energiefragen gearbeitet wird“, erklärt die Direktorin des CGES Dr. Sabine Engel.

Eine amerikanische Delegation aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft informierte sich in Berlin über innovative Technologien und neue Strategien der Energiepolitik
Eine amerikanische Delegation aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft informierte sich in Berlin über innovative Technologien und neue Strategien der Energiepolitik
© DAAD / Peter Wagner
Von Deutschland überrascht
Der Spritztour mit dem emissionsfreien Hydrogen-Auto ging zum Auftakt der Studienreise ein Besuch bei einem Windenergieunternehmen in Brandenburg voraus. Die Gäste aus Minnesota und Iowa sahen sich ein Hybridkraftwerk an, das Überschüsse an Strom aus der Windkraft in Wasserstoff umwandelt. Auf Interesse stieß das Modellprojekt einerseits wegen der neuen Speichertechnologie. Spannend für die amerikanischen Experten aus Politik und Energiewirtschaft war andererseits das erklärte Ziel, damit auch eine zukunftsweisende Energiequelle für den Verkehr zu gewinnen. „Ich bin überrascht, wie weit Deutschland in Bezug auf die Hydrogentechnologie bereits ist“, sagt Phyllis Reha, die von der Regierung des Bundesstaates Minnesota in eine weitgehend unabhängige Energieregulierungsbehörde berufen wurde. „Genau für solche Erfahrungen brauchen wir konkreten Austausch. Das ist ganz entscheidend, um in der Energiepolitik voranzukommen.“

Yvonne Prettner Solon, Vize-Gouverneurin im US-Bundesstaat Minnesota, setzt in Energiefragen auf einen transatlantischen Dialog
Yvonne Prettner Solon, Vize-Gouverneurin im US-Bundesstaat Minnesota, setzt in Energiefragen auf einen transatlantischen Dialog
© DAAD / Peter Wagner
Für Überraschung sorgte bei den Seminarteilnehmern auch die Information aus dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, dass sich in Deutschland 70 Prozent des gesamten Energieverbrauchs auf Gebäude und Verkehr verteilen und deshalb der Transport Teil des neuen Energiekonzeptes ist – ein wichtiger Aspekt für Yvonne Prettner Solon, Vize-Gouverneurin im US-Bundesstaat Minnesota. „Mir ist daran klar geworden, dass man den politischen Fokus aktiv stärker auf die Transportwirtschaft legen muss.“ Dass die Autoindustrie in Deutschland bereits erkennbar in die Hydrogen-Technologie investiert, beeindruckte zusätzlich. „Unsere Politik blieb da bisher zu unentschieden“, berichtet die Vize-Gouverneurin. Anfänge verliefen wieder im Sande und verunsicherten Investoren. „Um hier verlässliche Signale zu setzen, ist die Diskussion mit Deutschland sehr wichtig.“ Denn auch die Bundesstaaten Minnesota und Iowa im Mittleren Westen der USA treiben den Ausbau von erneuerbaren Energien engagiert voran. „Wir fordern von unseren Versorgungsunternehmen, jedes Jahr von neuem 1,5 Prozent Energie durch Effizienzsteigerung einzusparen, und sie schaffen das“, erklärt Yvonne Prettner Solon. Iowa ist führender US-Bundesstaat in der Produktion von Biodiesel und nach Texas der zweitgrößte Produzent von Windenergie. „Zwanzig Prozent unseres Energieverbrauchs kommen heute schon aus der Windkraft“, so die Vize-Gouverneurin von Iowa, Kim Reynolds.

Kim Reynolds, Vize-Gouverneurin von Iowa, ging mit dem Wasserstoff-Auto auf Spritztour
Kim Reynolds, Vize-Gouverneurin von Iowa, ging mit dem Wasserstoff-Auto auf Spritztour
© DAAD / Peter Wagner
Beeindruckende politische Richtungsentscheidung
Der Berliner Erfahrungsaustausch war ein voller Erfolg und wird im Dezember in Minnesota wiederholt. „Für uns ist es spannend zu sehen, welche ambitionierten Ziele Deutschland in der Energiepolitik bis 2050 verfolgt und wie“, sagt Vize-Gouverneurin Kim Reynolds. Die beeindruckende politische Richtungsentscheidung und der schnelle Übergang zur praktischen Umsetzung in Deutschland wirke wie ein Anschauungsbeispiel. Bereits 2009 hatte das CGES in Minnesota einen Expertenaustausch in der deutschen Hauptstadt zur Gesundheitspolitik organisiert. „Dieser Dialog war so erfolgreich, dass sich Vize-Gouverneurin Prettner Solon für eine Wiederholung zum Thema Energiepolitik engagiert hat“, berichtet Sabine Engel. Mit der Universität Minnesota hat das DAAD-Center dabei einen idealen Partner. „Als einzige öffentliche Forschungsuniversität im Staat Minnesota nimmt sie eine Rolle als Wirtschafts- und Innovationsmotor ein. In dem Zusammenhang hat das Center die Chance, den internationalen Austausch zu organisieren. Das ist einzigartig.“

Autorin: Bettina Mittelstraß
Veröffentlichungsdatum: 16.07.2012
Weitere Artikel der Serie:

Gesellschaft im Wandel

''Den Wandel aktiv gestalten''
Von den Demokratiebewegungen in der Arabischen Welt über die Herausforderungen des Umweltschutzes bis zu einem globalen Erstarken der Zivilgesellschaft: Die Welt im Jahr 2012 wird wesentlich geprägt von globale mehr
Auf dem Weg zur Normalität
Geht es um den Irak, so dominieren in den deutschen Medien Bilder von Gewalt und Instabilität ? doch die irakische Hochschullandschaft ist im Aufwind. Mit einem Informationszentrum will der DAAD die gute deutsc mehr
''Gemeinsam Lösungswege entwickeln''
Welchen Herausforderungen müssen sich Hochschulprojekte in der Ukraine und in anderen Ländern der ehemaligen Sowjetunion stellen? Wie kann die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den Ländern dieser Regionen mehr
Kluge Köpfe für Veränderung
Ob in Pakistan oder in Brasilien, an Universitäten in Erfurt oder in Osnabrück, die ambitionierten Stipendiaten des jungen DAAD-Programms ''Public Policy and Good Governance'' setzen sich in unterschiedlichen R mehr
''Neutralität verschafft Vertrauen''
Die jüngsten Wahlen in der Russischen Föderation und die mit ihnen verbundenen Massenproteste haben für viel Aufsehen gesorgt. Inwieweit lässt sich ein gesellschaftlicher Wandel in Russland beobachten? Dr. Greg mehr
Der Erfolgs-Express kommt an
Der ''Millennium Express? ist am Ziel: Zum Abschluss der Workshop-Reihe feierten aktuelle und ehemalige DAAD-Stipendiaten mit Hochschulvertretern und zahlreichen Gästen das 25-jährige Jubiläum des erfolgreichen mehr
''Das Interesse wächst''
Die Architektin Miwa Mori hat das erste Passivhaus Japans errichtet und setzt sich in ihrem Heimatland für ein Umdenken in Sachen Energie ein. Dabei profitiert die DAAD-Alumna von den Erfahrungen, die sie als S mehr
Strategien für die Zukunft
Es ist eine Herausforderung, die nur im internationalen Rahmen zu bewältigen ist: Die globale Erwärmung zwingt weltweit ganz unterschiedliche Gesellschaften dazu, neue Wege zu beschreiten. Mit dem Programm ''In mehr
''Wir erleben eine historische Zäsur''
Der Tahir-Platz ist zum Symbol für die ''Arabellion'' geworden: Hier nahm jene Demokratiebewegung ihren Ausgang, die dem ägyptischen Volk gleich drei Mal in den vergangenen Monaten freie Wahlen ermöglicht hat ? mehr
Sonne und Wind ? in Kairo und in Kassel
Die Menschen in den arabischen Ländern interessieren sich mehr und mehr für erneuerbare Energiequellen und für die Verbesserung der Energieeffizienz. In einem interkulturellen, vom DAAD geförderten Aufbaustudie mehr
Gefragte Expertise
Der DAAD fördert intensiv die postgraduale Aus- und Fortbildung für Stipendiaten aus Entwicklungsländern. Auf diesem Weg qualifizierte Fachkräfte wirken bereits erfolgreich als ''Agents of Change'' in ihrer Hei mehr
''Ich setze den Prozess der Förderung fort''
Sie trägt zur Verbesserung der Gesundheitssituation bei, stärkt die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes und bildet die Basis einer funktionierenden Demokratie: Bildung ist der Schlüssel für einen gelingenden gese mehr
Einzigartiges Demokratielabor
Fragen, meinen, suchen, streiten, einigen - 80 Graduierte des DAAD und der Studienstiftung des deutschen Volkes debattierten über Wandel und Wege zu mehr Demokratie. Die Akademie in Wandlitz bei Berlin ermöglic mehr
Anteil nehmen, Wissen teilen
Die Hochschulen der arabischen Welt befinden sich derzeit inmitten eines gravierenden Umbruchs. Mit dem 2012 neu aufgelegten Programm der Deutsch-Arabischen Transformationspartnerschaft unterstützt der DAAD den mehr
Den erneuerbaren Energien gehört die Zukunft
Wie sieht sie aus, die Welt im Jahr 2030? Mehr als 200 Experten für erneuerbare Energien diskutierten das Thema auf der Konferenz ''Renewable Energy 2030 - Experts' Visions'' in Oldenburg. Anlass war das 25-jäh mehr
Strukturen schaffen, Vernetzung fördern
Seit 1999 fördert das DAAD-Programm ''Akademischer Neuaufbau in Südosteuropa'' umfassend multilaterale Kooperationen in der Region. Wie dabei politische Annäherung und fachliche Erweiterung zunehmen, zeigte unl mehr
''Wandel braucht ein Bewusstsein für Alternativen''
Die bildungspolitischen Wellen schlagen hoch in Chile, einige Ausläufer davon sind sogar in Europa zu spüren: Seit mehr als einem Jahr demonstrieren chilenische Studierende für einen kostenlosen Zugang zu Hochs mehr
''Wissenschaft kann Freiräume schaffen''
''Partner in der Transformation'' wollen Wissenschaftler aus Ägypten und Tunesien sein: Für ihre Universitäten streben sie eine aktivere Rolle in der Gestaltung des demokratischen Wandels an. In Kairo diskutier mehr
Malerische Kulisse, gehaltvoller Austausch
Bildung in Südafrika ist teuer - und Forschung ein entscheidender Faktor auf dem Weg des Landes in die Zukunft. Beim Treffen seiner Inlandsstipendiaten in Stellenbosch wurde deutlich, wie intensiv der DAAD die mehr
Die Zukunft Afghanistans im Blick
Sie entwickeln Curricula, erarbeiten wertvolles Lehrmaterial und fördern gezielt die klugen Köpfe Afghanistans: Die DAAD-Fachkoordinatoren für den akademischen Wiederaufbau des Landes engagieren sich überaus vi mehr
DAAD - Deutscher Akademischer Austausch Dienst © DAAD
4. ASEM-Bildungsministerkonferenz
''Research in Germany'': Forschungsmarketing-Seminar
Kooperation beim Aufbau des German-Russian Institute of Advanced Technologies in Kasan
Letter abonnieren
Weitere Themen
Offen für Neues
Leben in einem anderen Land bedeutet interkulturelle Erfahrung hautnah. Davon berichten Experten im DAAD-magazin.
Vorausgegangene Themen und Artikel finden Sie in unserem Magazin-Archiv.
Seite drucken
Magazin-Archiv
Impressum
www.daad.de
DEUTSCHLAND.de