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Serie "Gesellschaft im Wandel"
Strategien für die Zukunft
Es ist eine Herausforderung, die nur im internationalen Rahmen zu bewältigen ist: Die globale Erwärmung zwingt weltweit ganz unterschiedliche Gesellschaften dazu, neue Wege zu beschreiten. Mit dem Programm "Internationale Netzwerke Klimawandel (Klimanetze)" vernetzt der DAAD Forscher, die sich mit der Entwicklung nachhaltiger Nutzungssysteme in der Energieversorgung und Landwirtschaft auseinandersetzen.
Das Abholzen von Tropenwäldern, ein steigender Wasserverbrauch und wachsende CO2-Emissionen – seit Beginn der industriellen Revolution nimmt der Mensch immer stärker Einfluss auf das System Erde. Die Folgen des Prozesses sind längst spürbar: Dürre, Hitzeperioden und Überschwemmungen bedrohen vor allem die Lebensgrundlage von Menschen in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Mit dem Programm „Internationale Netzwerke Klimawandel (Klimanetze)“ unterstützt der DAAD den internationalen Wissensaustausch. Das Prinzip dabei: Deutsche Hochschulen arbeiten mit mindestens zwei wissenschaftlichen Instituten in unterschiedlichen Entwicklungs- und Schwellenländern zusammen; Priorität hat die Aus- und Fortbildung. Seit 2008 wurden vier Klimanetze eingerichtet, die von Instituten der Universitäten Hohenheim, Gießen, Oldenburg und der TU Dresden koordiniert werden und mit insgesamt zwölf Partneruniversitäten weltweit kooperieren. Das Programm wird mit 4,2 Millionen Euro aus Mitteln des Auswärtigen Amtes finanziert. Der thematische Schwerpunkt liegt auf der Land-, Holz- und Forstwirtschaft.

Interkontinentale Forschung: Eine Exkursion der Universität Gießen führte zu einem landwirtschaftlichen Betrieb in Kirgisien
Interkontinentale Forschung: Eine Exkursion der Universität Gießen führte zu einem landwirtschaftlichen Betrieb in Kirgisien
© ZEU
Vernetzung von Wissenschaftlern und Studierenden
So auch an der Universität Oldenburg: Das Zentrum für Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung kooperiert mit der University of Dar es Salaam in Tansania und der Nelson Mandela Metropolitan University in Südafrika. Im Fokus des „Clim-A-Net“-Projekts stehen die Küstenregionen der beiden Partnerländer, die durch den Klimawandel einer permanenten Veränderung unterliegen. Diese Entwicklung zieht gravierende Konsequenzen für das gesamte Ökosystem und die Landnutzung nach sich. Ziel von „Clim-A-Net“ ist es, die nachhaltige Entwicklung von Flusseinzugsgebieten, Küstenzonen und ihren Wassermanagementsystemen voranzutreiben – und Wissenschaftler und Studierende der Natur- und Sozialwissenschaften zu vernetzen.

Von Usbekistan nach Gießen
„Der DAAD möchte mit diesem Programm vor allem die Aus- und Fortbildung junger Wissenschaftler vorantreiben“, sagt der Koordinator des Klimanetzwerks CliNCA (Climate Network for Central Asia) Mirza Nomman Ahmed von der Universität Gießen. Das interdisziplinär angelegte Zentrum für internationale Entwicklungs- und Umweltforschung (ZEU) der Hochschule setze daher auf einen regen Austausch mit den Partnerinstituten in Kasachstan, Usbekistan und Kirgisien: „Es kommen viele usbekische DAAD-Stipendiaten von der Interstate Coordination Water Commission of Central Asia zu uns nach Gießen“, sagt Ahmed. „Das ist für die nachhaltige Entwicklung Zentralasiens von Vorteil, da die Stipendiaten später ihr Wissen direkt in die Institution ihres Heimatlandes tragen können.“

Die Forscher des Gießener Projekts CliNCA mit Teilnehmern der Sommerschule und Vertretern der Partnerinstitutionen vor dem Hauptgebäude des CAIAG (Central Asian Institute of Applied Geosciences) in Bischkek, Kirgisien
Die Forscher des Gießener Projekts CliNCA mit Teilnehmern der Sommerschule und Vertretern der Partnerinstitutionen vor dem Hauptgebäude des CAIAG (Central Asian Institute of Applied Geosciences) in Bischkek, Kirgisien
© ZEU
Zeit zum Umdenken
Dass gerade auch in Zentralasien Anpassungsstrategien an eine sich ändernde Umwelt gefordert sind, zeigt die jüngste Geschichte: Das Austrocknen des Aralsees und der Kollaps der tadschikischen Elektrizitätsinfrastruktur im harten Winter von 2007 auf 2008, sind für die CliNCA-Forscher eindeutige Indizien für eine enge Verflechtung zwischen Klimawandel, Wasserverfügbarkeit und Energiesicherheit. Ein großes Problem stelle die Verschwendung von Wasser dar: „In Zentralasien wird sehr viel Baumwolle angebaut, und das ist eine Bewässerungslandwirtschaft“, sagt Ahmed. „Dem Aralsee wurde mittlerweile so viel Wasser entnommen, dass er stark dezimiert ist. Die Bereitschaft für ein umweltschonenderes Wassermanagement ist trotzdem immer noch sehr gering.“

Im Bereich der Agrar- und Entwicklungspolitik möchte DAAD-Stipendiat Doniyor Sattarov in seinem Heimatland Usbekistan für ein Umdenken sorgen. Der Doktorand beschäftigt sich seit zwei Jahren mit der ökonomischen Entwicklung des Agrarhandels in Usbekistan „Ich untersuche, in welcher Form die Liberalisierung einen Effekt auf die Landwirtschaft und den Agrarhandel ausübt.“ Sattarov, der für 18 Monate in Gießen ist, arbeitet in seiner Dissertation mit verschiedenen Modellen und Zukunftsszenarien. „Dabei stelle ich ebenso die Frage, inwiefern sich der Klimawandel auf die Agrarproduktion in Usbekistan auswirkt.“

Im Senatssaal der Universität Gießen diskutieren Wissenschaftler über die enge Verflechtung zwischen Klimawandel, Wasserverfügbarkeit und Energiesicherheit
Im Senatssaal der Universität Gießen diskutieren Wissenschaftler über die enge Verflechtung zwischen Klimawandel, Wasserverfügbarkeit und Energiesicherheit
© ZEU
Interkontinentale Forschung
Das Projekt „GrassNet“ des Instituts für Pflanzenproduktion und Agrarökologie der Universität Hohenheim und des Deutschen Instituts für Tropische und Subtropische Landwirtschaft (DITSL) der Universität Kassel beschäftigt sich hingegen mit der Bedeutung des Klimawandels für Grasländer. Gemeinsam mit Partnerinstituten in Argentinien, China und Kenia und werden sowohl ökologische als auch sozio-ökonomische Fragestellungen analysiert. „Ein Drittel der Erdlandfläche ist Grasland, es ist auf jedem Kontinent zu finden und bietet für etwa 800 Millionen Menschen den Lebensraum“, verdeutlicht Dr. Marcus Giese, der das Projekt „GrassNet“ koordiniert. Afrikanische Savannen, die „cerrado“ und „campo“ Südamerikas und die zentralasiatischen Steppen teilten dabei trotz klimatischer Unterschiede eine Gemeinsamkeit: „Wasser ist eine limitierte Ressource, und der Klimawandel wird durch unregelmäßige Regenfälle und steigende Temperaturen das Problem noch weiter verschärfen“, lautet Gieses Einschätzung. Doch auch das Bevölkerungswachstum und die damit einhergehende Urbanisierung sowie eine veränderte Landnutzung wirkten sich auf die Grasländer aus: „In den meisten Grasländern, wie beispielsweise in den Steppengebieten Zentralasiens ist eine Überweidung zu beobachten“, sagt Giese. „In Kombination mit Klimaveränderungen und extremen Ereignissen kommt es zur Erosion: fruchtbarer Boden wird ausgeschwemmt und damit die Lebensgrundlage der Bauern gefährdet.“

Wegweisende Erkenntnisse
Mithilfe der interkontinentalen Forschung versuchen die „GrassNet“-Forscher, Strategien für die Zukunft zu entwickeln: „Viele Grasländer leiden unter ähnlichen Problemen und ein erfolgreiches Management in Argentinien kann eine Option für China oder Afrika sein und umgekehrt.“ Und auch das Institut für Internationale Forst- und Holzwirtschaft der TU Dresden konzentriert sich auf die Zukunftschancen einer Region: Extreme Wetterereignisse wirken sich in den beiden Partnerländern Peru und Bolivien nicht nur auf die Vegetation und die Artenvielfalt aus, sondern auch auf den Lebensstandard der Menschen. Das Projekt INCA (International Network on Climate Change) macht es sich zur Aufgabe, Anpassungsstrategien von Bauern der Andenregion – die schon immer mit sehr hohen Tagestemperaturen und unvorhersehbaren Wetterereignissen konfrontiert waren – wissenschaftlich zu erforschen. Ziel ist es, für die Landwirtschaft und den Waldfeldbau der Zukunft wegweisende Erkenntnisse zu erlangen.

Autorin: Christina Pfänder
Veröffentlichungsdatum: 05.07.2012
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