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"Europa!"-Serie
Perspektiven für den Kontinent
Europa - ein Auslaufmodell? Die europäische Integration scheint ins Stocken geraten, die Euro-Krise zum alles bestimmenden Thema geworden zu sein. Doch Europa kann mehr: Die neue Serie des Online-Magazins zeigt in loser Folge, wie der Kontinent den DAAD bewegt. Und wie der DAAD Europa bewegt: Mit Projekten, Initiativen und insbesondere dem Engagement vieler Menschen, die nach wie vor an die europäische Idee glauben.
Europa befindet sich in der Krise – der europäische Gedanke gerät immer weiter in den Hintergrund. Die Gefahr, dass der nationalstaatliche Gedanke einzelner europäischer Staaten den eines gemeinschaftlichen Europas verdrängt, nimmt zu. Um das gegenseitige Verständnis zu fördern, ist vor allem ein kultureller Austausch notwendig, um der Idee „Europa“ wieder näher zu kommen.

"Griechenland ist der gelebte Wandel"
Botschafter Wolfgang Dold und IC-Leiter Alexander Roggenkamp (v.l.) begrüßten die Gäste des Abends
Botschafter Wolfgang Dold und IC-Leiter Alexander Roggenkamp (v.l.) begrüßten die Gäste des Abends
© DAAD / Kostas Deligiannidis
Vor diesem Hintergrund organisierte das Athener Informationszentrum (IC) des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Botschaft Athen am 29. Juni 2012 eine Diskussionsrunde mit dem Titel „Europa auf Identitätssuche – Perspektiven und Visionen gegen die Krise“. Die Veranstaltung widmete sich dem DAAD-Jahresthema 2012: „Gesellschaft im Wandel – Wandel durch Austausch“. „Da ist Griechenland natürlich der gelebte Wandel – dass das auch Schwierigkeiten mit sich bringt, ist uns allen klar“, stellte der deutsche Botschafter Wolfgang Dold in seiner Begrüßungsrede klar. Aber durch die Alumni und durch die Neustipendiaten des DAAD sei dieser Wandel zu gestalten.

Besonders die historisch gewachsene Beziehung zwischen Griechenland und Deutschland ist angesichts eines „Schuldner-Gläubiger-Verhältnisses“ der Länder ins Wanken geraten. So machte Botschafter Dold in seiner Begrüßungsrede das Anliegen der Veranstaltung gleich zu Beginn deutlich: Zwischen Griechenland und Deutschland müsse gerade in Zeiten der Krise ein stärkerer Austausch herrschen, denn die Basis der deutsch-griechischen Beziehung war „bisher immer solide“. Doch „unfaire und manchmal auch empörende Medienberichterstattungen in beiden Ländern“ irritierten jene guten Beziehungen. „Neben dieser Medienrealität gibt es aber auch die Realität der gelebten Beziehungen – und das sind Sie“, richtete Dold sein Wort direkt an die rund 90 DAAD-Alumni und Partner der Austauschorganisation – und besonders auch an die neuen DAAD-Stipendiatinnen und -Stipendiaten, die sich ebenfalls im Garten seiner Residenz im Athener Stadtteil Chalandri versammelt hatten. „Alle Stipendiatinnen und Stipendiaten sind als Botschafterinnen und Botschafter zu verstehen. Sie alle tragen zu einem Austausch zwischen beiden Ländern bei.“

Sie diskutierten über Europa (v.l.n.r.): Theocharis Gregoriadis, Konstantinos Bogdanos, Jannis Papadimitriou, Christos Asteriou und Nikos Venierakis
Sie diskutierten über Europa (v.l.n.r.): Theocharis Gregoriadis, Konstantinos Bogdanos, Jannis Papadimitriou, Christos Asteriou und Nikos Venierakis
© DAAD / Kostas Deligiannidis
Eine Frage der Vermittlung
Und so wird auch Nikos Venierakis – Abiturient der Deutschen Schule Athen – im nächsten Semester mit einem Vollstipendium des DAAD nach Deutschland gehen, um Politik an der Universität Konstanz zu studieren. „Europa bedeutet für mich, zu einer Gruppe von 27 Mitgliedern zu gehören und die Chance zu haben, alle Vorteile dieser Gemeinschaft genießen zu können“, so der Neustipendiat. Nikos war mit seinen 17 Jahren der jüngste Redner auf der Podiumsdiskussion. Moderiert wurde die Gesprächsrunde von Alexander Roggenkamp, Leiter des IC Athen. Nikos und vier weitere Podiumsgäste – Theocharis Gregoriadis, Politikwissenschaftler und DAAD-Alumnus, Konstantinos Bogdanos, Journalist beim privaten Rundfunk- und Fernsehsender SKAI, Jannis Papadimitriou, Griechenland-Korrespondent der Deutschen Welle und der Tageszeitung „taz“, sowie Christos Asteriou, Schriftsteller, Übersetzer und ebenfalls DAAD-Alumnus – diskutierten, inwieweit die europäische Idee trotz der momentan schwierigen Lage weiterentwickelt und gefördert werden kann. Kern der Podiumsdiskussion war die von Moderator Roggenkamp zu Beginn aufgeworfene Frage: „Wie kann das, was Europa zu bieten hat, auch vermittelt werden?“ Das „Projekt Europa“, so waren sich die Diskussionsteilnehmer einig, sei im aktuellen Europa abhanden gekommen. Christos Asteriou wies auf einen eklatanten Konstruktionsfehler beim Bau des Hauses Europas hin: Die Einführung des Euro sei verfrüht erfolgt, ohne dass eine tragfähige Basis, bestehend aus dem klaren Bekenntnis der Menschen zu Europa als ihrer Heimat mit einer gemeinsamen Geschichte und Kultur, existiert habe. Journalist Jannis Papadimitriou führte an: „Schon vor der Krise wurde gesagt, dass Europa eine neue Begründung braucht. Europa braucht eine einigende Geschichte, die die Menschen begeistert. Das Seltsame ist, dass ausgerechnet der Euro diese neue Begründung sein sollte. Deswegen ist es nun enorm wichtig, den Euro zu bewahren und die Krise hinter sich zu bringen.“

Im Garten der Residenz des Deutschen Botschafters fanden sich zahlreiche Zuhörer ein
Im Garten der Residenz des Deutschen Botschafters fanden sich zahlreiche Zuhörer ein
© DAAD / Kostas Deligiannidis
„Ein sehr guter Tag“
Doch einzig und allein auf wirtschaftlicher Basis scheint eine Stärkung der Gemeinschaft nicht möglich. „Wir brauchen europäische Parteien, mit denen sich die Menschen in Europa identifizieren können“, hob Theocharis Gregoriadis hervor. Konstantinos Bogdanos betonte, dass Erziehung und Bildung zu einer stärkeren Identifikation der Menschen wesentlich beitragen könnten. Nikos Venierakis ist sich sicher, dass es vor allem um den interkulturellen Austausch geht: „Dabei sind die akademischen Austauschdienste besonders prägend“. Zwar seien theoretische Aspekte, wie zum Beispiel Unterrichtsinhalte zum Thema Europa wichtig, sie könnten den persönlichen Kontakt, der durch Austauschsdienste zustande käme, aber nicht ersetzen. Und so scheint die von Alexander Roggenkamp verkündete Neuigkeit nur eine Bestätigung der richtigen Richtung im Sinne Europas zu sein: „Es ist ein sehr guter Tag für die deutsch-griechischen Beziehungen: Wir haben in diesem Jahr ein Rekordergebnis bei den Stipendienzahlen. Das Interesse am Austausch ist sehr groß, so hat sich die Zahl der Bewerbungen verdoppelt – und der DAAD hat es geschafft ebenfalls die Zahl der Stipendiaten, die dieses Jahr mit einem Sprachkursstipendium, einem Forschungs- oder Studienstipendium nach Deutschland ausreisen, klar zu erhöhen.“

Autorin: Theodora Mavropoulos
Veröffentlichungsdatum: 03.07.2012
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