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Global Media Forum |
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"Gelegenheit für einen Wandel von innen" |
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Welche Veränderungen bringt der "Arabische Frühling"? Und welche Rolle können Hochschulen in diesem Prozess spielen? Fragen, denen sich das DAAD-Panel auf dem Global Media Forum der Deutschen Welle intensiv widmete. Auf Einladung der Deutschen Welle trafen sich in Bonn Medienvertreter aus aller Welt mit Akteuren aus Kultur, Politik, Wirtschaft, Entwicklungszusammenarbeit und Wissenschaft, um über globale Bildungsfragen zu diskutieren.
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Die Schockwellen des Arabischen Frühlings sind noch längst nicht verebbt: In Tunesien, wo die Jasminrevolution vor gut einem Jahr ihren Anfang nahm, wurde der ehemalige Machthaber Ben Ali Mitte Juni in Abwesenheit zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Ägypten hat kein Parlament mehr, dafür den ersten frei gewählten Präsidenten seiner Geschichte. Bei allen positiven Entwicklungen – auf dem Weg der Demokratisierung gibt es noch manchen Anlass zur Besorgnis.
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Mehr Praxis in die Lehrpläne
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„In den vergangenen 30 Jahren haben die Regime die Zukunft der jungen Leute systematisch ausgebeutet“, sagte die DAAD-Stipendiatin. Selbst Hochschulabsolventen mit guten Noten seien in der Vergangenheit in einem Teufelskreis gefangen gewesen: „Nach dem Examen kriegte man keine Arbeit, setzte sich in ein Café und wartete darauf, dass das Leben beginnt.“ Auch wenn die Berufsaussichten immer noch düster seien für junge Ägypter – dieser Fatalismus fehle bei den heutigen Studierenden. Sie kämpften dafür, dass sich die Verhältnisse änderten. In Ägypten sind mehr als zehn Prozent der Bevölkerung arbeitslos. Ähnlich ist es in Tunesien, dem Land mit der höchsten Akademikerquote in der Region. Dort ist fast jeder dritte Universitäts-Absolvent arbeitslos. Ein wesentlicher Grund dafür: Die Akademiker erhalten nicht die Ausbildung, die sie für Unternehmen interessant macht. „Der DAAD kann dabei helfen, die Curricula an die Nachfrage des Arbeitsmarktes anzupassen“, sagte Dr. Isabel Schäfer. Die Dozentin für Mittelmeerstudien und Internationale Beziehungen an der Humboldt-Universität Berlin ist Tunesienkennerin. Sie unterstrich, die Hochschulen in der Region müssten mehr Praxis in ihre Lehrpläne aufnehmen.
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Dr. Florian Kohstall, Prof. Abdel Meguid Kassem und Dr. Isabel Schäfer (v.l.) diskutierten kontrovers über das Bildungssystem in Tunesien und Ägypten
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| © Deutsche Welle / M. Müller |
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"Viel wichtiger, Methoden zu vermitteln"
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„Das haben wir schon vor 20 Jahren diskutiert“, sagte Robert Schrembs, Projektkoordinator des Deutsch-Arabischen Masterprogramms International Education Management an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. Dennoch sehe er jetzt größere Chancen, dass sich das Bildungssystem in diesen Ländern aus der Gängelung der Verwaltung lösen kann: „Jetzt bietet sich die Gelegenheit für einen Wandel von innen.“ Dr. Florian Kohstall warnte davor, dabei Inhalte vorgeben zu wollen. Kohstall leitet das Kairoer Verbindungsbüro, mit dessen Hilfe die Freie Universität Berlin Studierendenaustausch und wissenschaftliche Kooperationen in der Region stärken will. „Es ist viel wichtiger, Methoden zu vermitteln.“ Gelegenheiten dazu bot auch das Global Media Forum. Es hat Medienvertreter aus aller Welt mit Akteuren aus Kultur, Politik, Wirtschaft, Entwicklungszusammenarbeit und Wissenschaft zusammengebracht. Drei Tage lang haben sie in mehr als 50 Veranstaltungen interdisziplinär Lösungsansätze erarbeitet, wie Bildungsressourcen allen Menschen weltweit zugänglich gemacht werden können. Der DAAD unterstützt die Konferenz als Partner.
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Dr. Sarhan Dhouib beobachtet mit Unbehagen den Trend zur Arabisierung in seinem Heimatland Tunesien
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| © Deutsche Welle / M. Müller |
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Plädoyer für eine "multilinguale Politik"
Ganz grundlegende Kulturtechniken fehlen den 35 bis 40 Millionen Ägyptern, die weder lesen noch schreiben können. Sie machen fast die Hälfte der Bevölkerung aus. „Das ist ein erhebliches Hindernis für die demokratische Entwicklung und Demokratisierung des Landes“, sagte Abdel Meguid Kassem. Der Medizinprofessor aus Kairo fürchtet weniger, dass die neue Regierung die Alphabetisierungsbemühungen einschränken, sondern vielmehr für ihre politischen Ziele instrumentalisieren könnte. Der Tunesier Dr. Sarhan Dhouib sagte, er beobachte mit Unbehagen den Trend zur Arabisierung in seinem Land. Der DAAD-Alumnus forscht am Institut für Philosophie der Universität Kassel. Dabei meine er weniger die Tatsache, dass die Rolle des Arabischen in der Öffentlichkeit wachse, sondern dass die Beherrschung von Fremdsprachen wie Französisch nicht mehr selbstverständlich sei: „Ich plädiere für Arabisch als Muttersprache, aber auch für eine multilinguale Politik.“ Es besteht immer noch die Gefahr, dass die Entwicklungen in Nordafrika in einem Arabischen Herbst enden. Gerade Austauschprogramme, die neue Ideen und neue Sprachen in die Region brächten, hielten die Prozesse dort in Bewegung. „Es wird keine politischen Änderungen geben, wenn es keine Änderungen im Bildungssystem gibt“, sagte Robert Schrembs. Doch noch nie waren die Chancen für echten Wandel so groß. Moderator Dr. Michael Lüders, Politikberater, Journalist und Experte für den Nahen Osten, fasste den Tenor der Diskussion so zusammen: „Sobald die Menschen die Wahl haben zwischen Bildung und Zukunft einerseits und dem Islamismus andererseits, werden sie die Zukunft wählen.“
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Autor: Joachim Budde |
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Veröffentlichungsdatum: 27.06.2012 |
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© DAAD |
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