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Die Stadt Breslau (polnisch: Wrocław) freut sich auf die Fußball-Europameisterschaft. Die Einwohner sind stolz auf das neue, weiß gewandete Stadion, in dem bald die Mannschaften aus Polen, Griechenland, Russland und Tschechien antreten. In einem weit älteren Raum der Stadt, in der 1732 erbauten Aula Leopoldina der Universität Breslau, ging es am 25. und 26. Mai ebenfalls um Europa und das Zusammenspiel seiner Akteure: Mit der Jubiläumstagung „Das Projekt ,Europa’: Potenzial und Herausforderungen?” feierte das Willy Brandt Zentrum der Universität sein zehnjähriges Bestehen.
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DAAD-Präsidentin Professorin Margret Wintermantel bei ihrer Eröffnungsrede
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| © Willy Brandt Zentrum für Deutschland-und Europastudien der Universität Wrocław/ Łukasz Wolak |
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"Höhepunkt einer langen akademischen Zusammenarbeit"
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DAAD-Präsidentin Professorin Margret Wintermantel lobte in ihrer Eröffnungsrede das Willy Brandt Zentrum als „einen Höhepunkt einer langen akademischen Zusammenarbeit zwischen Polen und Deutschland”. Für die europäische Identität sei die deutsch-polnische Zusammenarbeit besonders wichtig. Das Vertiefen der Zusammenarbeit beider Länder war auch ein entscheidendes Motiv für die Gründung der Institution, die heute zu mittlerweile 15 Zentren für Deutschland- und Europastudien in zehn Ländern gehört. Dort werden mit Mitteln des DAAD und der jeweiligen Universität Wissenschaftler mit Deutschland- und Europakompetenz ausgebildet, die später als Vermittler das gegenseitige Verständnis zwischen Deutschland und seinem Partnerland vertiefen sollen.
Auch angesichts der oftmals schwierigen Vergangenheit zwischen Deutschland und Polen kommt dem Willy Brandt Zentrum eine besondere Bedeutung zu. Der Grundstein des Zentrums wurde bei einem historisch bedeutsamen Besuch gelegt: Im Dezember 2000 regte der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder in seiner Rede im Sejm vor beiden Kammern des polnischen Parlaments die Gründung des Zentrums an. Er besuchte Warschau zum 30. Jahrestag von Willy Brandts Kniefall vor dem Mahnmal zum Gedenken an den jüdischen Ghetto-Aufstand von 1943.
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Krzysztof Ruchniewicz: Das Willy Brandt Zentrum nicht als "Elfenbeinturm" ansehen
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| © Willy Brandt Zentrum für Deutschland-und Europastudien der Universität Wrocław/ Łukasz Wolak |
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"Große Herausforderung, eine interfakultäre Einrichtung zu etablieren"
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Die Universität Breslau gewann die Ausschreibung für das Zentrum unter anderem aufgrund der herausragenden Bedeutung ihrer Germanistik. Professor Krzysztof Ruchniewicz, der von Anfang an das Institut als Direktor leitet, erinnert sich: „Es war eine große Herausforderung, eine interfakultäre Einrichtung zu etablieren, die die Nachbardisziplinen bereichert. Das war für Polen Neuland.“ In den Fächern Germanistik, mit Schwerpunkten auf Kultur und Literatur, Politik- und Sozialwissenschaften sowie Geschichte haben engagierte Kandidaten die Möglichkeit, am Willy Brandt Zentrum mit einem Master, einer Promotion oder einer Habilitation abzuschließen. Dass die Wissenschaftler ermuntert werden, über den eigenen fachlichen Tellerrand zu schauen, gefällt auch der Politologin Dr. Monika Sus, die sich als Mitarbeiterin des Zentrums gern mit Sozialwissenschaftlern über EU-Themen austauscht. Sie hat die Entscheidung, am Willy Brandt Zentrum mitzuwirken, nicht bereut: „Hier hat man viel mehr Möglichkeiten, internationale Kontakte zu knüpfen. Es wird geradezu erwartet, dass man ins Ausland reist und dort an Konferenzen teilnimmt.“ Jeden Monat gebe es zudem ein bis zwei Vorträge interessanter Gastdozenten. Solche Angebote wären bei einem „normalen“ Werdegang an einer polnischen Universität nicht gegeben.
Monika Sus habilitiert sich über EU-Außenpolitik und unterrichtet Studierende der neuen Fachrichtung „Europäische Diplomatie“ zu Themen wie „Europäische Integration“. Seit 2010 nimmt das Zentrum jährlich 30 „Diplomatie-Studenten“ auf, die mit einem Bachelor- oder Masterabschluss abgehen können und später vielleicht einmal die Geschicke Europas mitgestalten werden. „'Diplomatie' verstehen wir hier in einem breiteren Sinne“, erklärt Ruchniewicz. Ihm ist wichtig, dass das Willy Brandt Zentrum nicht als „Elfenbeinturm“ angesehen wird. Diesen Aspekt unterstrich auch Professor Heinz Duchhardt, Präsident der „Stiftung Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland“. Er betonte in seinem Eröffnungsvortrag: „Die Veränderung von Mentalitäten gleicht den zwölf Prüfungen des Herakles“.
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Barockes Flair: Die Universität Breslau bot der Jubiläumstagung einen reizvollen Rahmen
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| © Willy Brandt Zentrum für Deutschland-und Europastudien der Universität Wrocław/ Łukasz Wolak |
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Von besonderer Bedeutung für das Willy Brandt Zentrum sind Netzwerke. 2011 wurde zusammen mit der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München ein Doktorandenkolleg gegründet; eine weitere Partnerschaft gibt es mit dem Global and European Studies Institute in Leipzig. Eine breite Öffentlichkeit spricht das Zentrum mit der neuen Webseite www.niemcy-online.pl („Deutschland online“) an, die als eine alternative Informationsquelle zu den polnischen Medien über Deutschland berichten will. Und dies nicht bloß gefällig: „Jugendamt diskriminiert Polen“ ist dort einer der aktuellen Artikel überschrieben.
Die gemeinsamen Herausforderungen eines zusammenwachsenden Europas standen während der Jubiläumstagung des Willy Brandt Zentrums auch im Mittelpunkt der Eröffnungsdebatte „Welches Europa im Jahr 2020?“ Angesichts der Euro-Krise klangen die Vorträge der Teilnehmer vorsichtig optimistisch, für ein föderatives Europa sei es allerdings zu früh, so der Tenor. „Die EU muss zwischen dem Integrationsziel und dem Identitätsbedarf der Mitgliedsländer einen Weg finden“, fasste Professor Krzysztof Wójtowicz, der EU-Rechtsexperte der Universität Breslau, zusammen. Ganz anders als bei dem kommenden europäischen Fußballfest, müssen die Spielregeln für das gemeinsame Europa nun einmal immer wieder neu definiert werden. Die Wissenschaftler des Willy Brandt Zentrums werden dazu auch weiterhin ihren Beitrag leisten.
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