www.daad.de | Impressum
Logo: DAAD-magazin.de
Startseite « Kluge Köpfe für Veränderung Magazin-Archiv

Serie "Gesellschaft im Wandel"
Kluge Köpfe für Veränderung
Ob in Pakistan oder in Brasilien, an Universitäten in Erfurt oder in Osnabrück, die ambitionierten Stipendiaten des jungen DAAD-Programms "Public Policy and Good Governance" setzen sich in unterschiedlichen Regionen auf vielfältige Weise dafür ein, dass zivilgesellschaftlicher Wandel gelingen kann. Das zeigen auch die Beispiele von Imran Shamim und Marcio Pessôa.
Khyber Pakhtunkhwa liegt im Nordwesten Pakistans, an der Grenze zu Afghanistan. Im „Human Development Index“ der Vereinten Nationen – ein Index über den Entwicklungsstatus eines Landes – belegt die Region innerhalb von Pakistan den vorletzten Platz. Zwischen 2002 und 2008 hatte in der Region das von den Taliban unterstützte religiös-politische Bündnis Vereinigter Aktionsrat (MMA) das Sagen – auch heute noch kämpfen die Taliban um Einfluss. 2009 initiierte Imran Shamim, damals Mitarbeiter der Hanns-Seidel-Stiftung (HSS), ein von der HSS finanziertes Projekt: Er ging an Schulen und klärte über Zivilgesellschaft und Terrorismus auf. „Wir erklärten den Schülern, wie man zum Beispiel damit umgeht, wenn Leute an Schulen ihre Ideologien verbreiten oder Mädchen von den Schulen ausschließen wollen.“

Absolventen als gefragte Ansprechpartner
Imran Shamim macht derzeit seinen Master an der Willy Brandt School of Public Policy. Er erhielt dafür 2010 ein Stipendium des DAAD in dem Programm "Public Policy and Good Governance" (PPGG). Seit 2009 fördert der DAAD damit künftige Führungskräfte aus Afrika, Lateinamerika, Südasien, Südostasien sowie den Ländern des Nahen und Mittleren Ostens, die sich wie Shamim für die Zivilgesellschaft engagieren. Das Programm wird vom Auswärtigen Amt finanziert. Die Stipendiaten qualifizieren sich in Deutschland weiter, um mit ihrem Know-how Demokratisierungsprozesse in ihren Heimatländern aktiv mitzugestalten. „Die Absolventen sind gefragte Ansprechpartner für Politik und Wirtschaft“, sagt Lars Gerold, der beim DAAD das Programm betreut. Viele arbeiten in Ministerien oder in Nichtregierungsorganisationen.

Internationale Hoffnungsträger: Studierende der Willy Brandt School of Public Policy
Internationale Hoffnungsträger: Studierende der Willy Brandt School of Public Policy
© Willy Brandt School of Public Policy
Masterstudiengang ermöglicht
Auch Marcio Pessôa möchte zivilgesellschaftliche Prozesse vorantreiben – als Journalist und Wissenschaftler. Der Brasilianer hat 2000 sein Journalismus-Studium an der Universidade Federal do Rio Grande do Sul abgeschlossen und arbeitete einige Jahre als investigativer Journalist für zwei Radiosender. Er machte Reportagen über die alltägliche Gewalt in den Favelas, den brasilianischen Elendsvierteln. „Die meisten Journalisten in Brasilien arbeiten eng mit der Polizei zusammen und übernehmen zwangsläufig deren Sicht“, sagt er. Davon wollte er sich lösen. Er baute sich ein eigenes Netzwerk in den Favelas auf, um die Probleme auch aus der Perspektive der Bewohner zu schildern. Kein leichter Job: „Ich bekam wenig Schlaf und hatte viel Stress“, sagt er. Dabei kam es nicht selten vor, dass er von Banden oder sogar Polizisten bedroht wurde. Aber die schwierige Arbeit sei eine gute Vorbereitung auf seine späteren Projekte gewesen – und hat ihm mehr als 20 Journalistenpreise eingebracht.

Marcio Pessôa erhielt zunächst ein Stipendium der Heinz-Kühn-Stiftung, mit dem er ein Praktikum und einen Sprachkurs in Deutschland absolvieren konnte. Anschließend arbeitete er in der Redaktion der Deutschen Welle in Brasilien, dann für die Redaktion des Senders für das portugiesischsprachige Afrika in Bonn. 2009 erhielt er das Stipendium des DAAD – für ihn ging damit ein lang ersehnter Traum in Erfüllung. „Ich wollte schon länger einen Masterstudiengang angehen, aber es gab für meine Qualifikationen zuvor keine Förderangebote.“ Seine Masterarbeit an der Universität Osnabrück schrieb er über den gewaltlosen Widerstand in Simbabwe. Er reiste dafür zu einem dreimonatigen Praktikum durch das Land, um in Dörfern mit den Menschen über die Bedeutung einer Zivilgesellschaft zu sprechen. In dem Krisengebiet halfen ihm seine Erfahrungen aus den Favelas.

Chance für neue Netzwerke
Inzwischen promoviert Pessôa an der London Metropolitan University. Er möchte die zivilgesellschaftlichen Bewegungen in Simbabwe mit denen in Mosambik und Angola vergleichen. Sein Studium finanziert er als freier Mitarbeiter der Deutschen Welle – er pendelt mehrmals im Monat zwischen Bonn und London. Nach seinem Studium würde er gerne Wissenschaft und Journalismus verknüpfen. Zum einen möchte er zu Themen der Zivilgesellschaft forschen und gleichzeitig über die Veränderungen in den afrikanischen Ländern berichten. „Deutschland ist in Afrika mit Organisationen und Unternehmen viel stärker präsent als Brasilien“, sagt er. Daher möchte er weiterhin mit deutschen Partnern zusammenarbeiten.

Als Teilnehmer der Afghanistan Student Conference 2011 in Bonn traf Imran Shamim (auf dem Bild ganz rechts) auch Bundeskanzlerin Angela Merkel
Als Teilnehmer der Afghanistan Student Conference 2011 in Bonn traf Imran Shamim (auf dem Bild ganz rechts) auch Bundeskanzlerin Angela Merkel
© Deutsche Atlantische Gesellschaft e.V.
Sowohl für Marcio Pessôa als auch für Imran Shamim war das PPGG-Stipendium die richtige Entscheidung. Auch weil sie auf andere Studierende aus weltweiten Konfliktregionen trafen. „Ich bin mit vielen von meinen Kommilitonen noch immer in Kontakt“, sagt Marcio Pessôa. Er hat mit anderen Absolventen das Governance Network International gegründet. Der Verein engagiert sich für die soziale, politische und wirtschaftliche Entwicklung in verschiedenen afrikanischen Staaten. Im Juni 2012 ist das Governance Network International etwa bei einem Afrika-Festival in Osnabrück vertreten. Es hat eine Vortragsreihe mit afrikanischen Studierenden und Referenten organisiert. Soviel scheint sicher: Die engagierten DAAD-Stipendiaten werden auch in Zukunft noch oft von sich hören lassen.

Autor: Boris Hänßler
Veröffentlichungsdatum: 18.05.2012
Weiterführende Links:
Weitere Artikel der Serie:

Gesellschaft im Wandel

''Den Wandel aktiv gestalten''
Von den Demokratiebewegungen in der Arabischen Welt über die Herausforderungen des Umweltschutzes bis zu einem globalen Erstarken der Zivilgesellschaft: Die Welt im Jahr 2012 wird wesentlich geprägt von globale mehr
Auf dem Weg zur Normalität
Geht es um den Irak, so dominieren in den deutschen Medien Bilder von Gewalt und Instabilität ? doch die irakische Hochschullandschaft ist im Aufwind. Mit einem Informationszentrum will der DAAD die gute deutsc mehr
''Gemeinsam Lösungswege entwickeln''
Welchen Herausforderungen müssen sich Hochschulprojekte in der Ukraine und in anderen Ländern der ehemaligen Sowjetunion stellen? Wie kann die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den Ländern dieser Regionen mehr
''Neutralität verschafft Vertrauen''
Die jüngsten Wahlen in der Russischen Föderation und die mit ihnen verbundenen Massenproteste haben für viel Aufsehen gesorgt. Inwieweit lässt sich ein gesellschaftlicher Wandel in Russland beobachten? Dr. Greg mehr
Der Erfolgs-Express kommt an
Der ''Millennium Express? ist am Ziel: Zum Abschluss der Workshop-Reihe feierten aktuelle und ehemalige DAAD-Stipendiaten mit Hochschulvertretern und zahlreichen Gästen das 25-jährige Jubiläum des erfolgreichen mehr
''Das Interesse wächst''
Die Architektin Miwa Mori hat das erste Passivhaus Japans errichtet und setzt sich in ihrem Heimatland für ein Umdenken in Sachen Energie ein. Dabei profitiert die DAAD-Alumna von den Erfahrungen, die sie als S mehr
Strategien für die Zukunft
Es ist eine Herausforderung, die nur im internationalen Rahmen zu bewältigen ist: Die globale Erwärmung zwingt weltweit ganz unterschiedliche Gesellschaften dazu, neue Wege zu beschreiten. Mit dem Programm ''In mehr
Spritztour im Wasserstoff-Auto
Interesse an der deutschen Energiewende? Und wie! Eine Woche lang informierte sich eine amerikanische Delegation aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in Berlin über innovative Technologien und neue Strategi mehr
''Wir erleben eine historische Zäsur''
Der Tahir-Platz ist zum Symbol für die ''Arabellion'' geworden: Hier nahm jene Demokratiebewegung ihren Ausgang, die dem ägyptischen Volk gleich drei Mal in den vergangenen Monaten freie Wahlen ermöglicht hat ? mehr
Sonne und Wind ? in Kairo und in Kassel
Die Menschen in den arabischen Ländern interessieren sich mehr und mehr für erneuerbare Energiequellen und für die Verbesserung der Energieeffizienz. In einem interkulturellen, vom DAAD geförderten Aufbaustudie mehr
Gefragte Expertise
Der DAAD fördert intensiv die postgraduale Aus- und Fortbildung für Stipendiaten aus Entwicklungsländern. Auf diesem Weg qualifizierte Fachkräfte wirken bereits erfolgreich als ''Agents of Change'' in ihrer Hei mehr
''Ich setze den Prozess der Förderung fort''
Sie trägt zur Verbesserung der Gesundheitssituation bei, stärkt die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes und bildet die Basis einer funktionierenden Demokratie: Bildung ist der Schlüssel für einen gelingenden gese mehr
Einzigartiges Demokratielabor
Fragen, meinen, suchen, streiten, einigen - 80 Graduierte des DAAD und der Studienstiftung des deutschen Volkes debattierten über Wandel und Wege zu mehr Demokratie. Die Akademie in Wandlitz bei Berlin ermöglic mehr
Anteil nehmen, Wissen teilen
Die Hochschulen der arabischen Welt befinden sich derzeit inmitten eines gravierenden Umbruchs. Mit dem 2012 neu aufgelegten Programm der Deutsch-Arabischen Transformationspartnerschaft unterstützt der DAAD den mehr
Den erneuerbaren Energien gehört die Zukunft
Wie sieht sie aus, die Welt im Jahr 2030? Mehr als 200 Experten für erneuerbare Energien diskutierten das Thema auf der Konferenz ''Renewable Energy 2030 - Experts' Visions'' in Oldenburg. Anlass war das 25-jäh mehr
Strukturen schaffen, Vernetzung fördern
Seit 1999 fördert das DAAD-Programm ''Akademischer Neuaufbau in Südosteuropa'' umfassend multilaterale Kooperationen in der Region. Wie dabei politische Annäherung und fachliche Erweiterung zunehmen, zeigte unl mehr
''Wandel braucht ein Bewusstsein für Alternativen''
Die bildungspolitischen Wellen schlagen hoch in Chile, einige Ausläufer davon sind sogar in Europa zu spüren: Seit mehr als einem Jahr demonstrieren chilenische Studierende für einen kostenlosen Zugang zu Hochs mehr
''Wissenschaft kann Freiräume schaffen''
''Partner in der Transformation'' wollen Wissenschaftler aus Ägypten und Tunesien sein: Für ihre Universitäten streben sie eine aktivere Rolle in der Gestaltung des demokratischen Wandels an. In Kairo diskutier mehr
Malerische Kulisse, gehaltvoller Austausch
Bildung in Südafrika ist teuer - und Forschung ein entscheidender Faktor auf dem Weg des Landes in die Zukunft. Beim Treffen seiner Inlandsstipendiaten in Stellenbosch wurde deutlich, wie intensiv der DAAD die mehr
Die Zukunft Afghanistans im Blick
Sie entwickeln Curricula, erarbeiten wertvolles Lehrmaterial und fördern gezielt die klugen Köpfe Afghanistans: Die DAAD-Fachkoordinatoren für den akademischen Wiederaufbau des Landes engagieren sich überaus vi mehr
DAAD - Deutscher Akademischer Austausch Dienst © DAAD
4. ASEM-Bildungsministerkonferenz
''Research in Germany'': Forschungsmarketing-Seminar
Kooperation beim Aufbau des German-Russian Institute of Advanced Technologies in Kasan
Letter abonnieren
Weitere Themen
Offen für Neues
Leben in einem anderen Land bedeutet interkulturelle Erfahrung hautnah. Davon berichten Experten im DAAD-magazin.
Vorausgegangene Themen und Artikel finden Sie in unserem Magazin-Archiv.
Seite drucken
Magazin-Archiv
Impressum
www.daad.de
DEUTSCHLAND.de