DAAD-Alumnus im Interview
"Die Unterstützung des DAAD war immer beständig und effizient"
Professor Dr. Ignacio Mantilla heißt der neue Rektor der Universidad Nacional de Colombia. Der Mathematiker absolvierte mithilfe eines DAAD-Stipendiums seine Promotion an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz und setzt auch in Zukunft auf Weltoffenheit und interkulturellen Austausch. Besonders die universitäre Zusammenarbeit mit Deutschland und dem DAAD hat er im Blick.
Prof. Dr. Ignacio Mantilla
Prof. Dr. Ignacio Mantilla
© privat
Herzlichen Glückwunsch, Professor Mantilla, im März wurden Sie zum Rektor der Universidad Nacional de Colombia ernannt und haben nun Anfang Mai Ihr Amt angetreten. Welchen Weg wird die Universidad Nacional unter Ihrer Leitung gehen?
Prof. Dr. Ignacio Mantilla: Ich begreife mein neues Amt als Chance, die Universidad Nacional international zu positionieren. Schon heute gilt sie als bedeutendste kolumbianische Universität; eine Herausforderung wird es jedoch sein, weltweit Anerkennung zu finden. Deshalb halte ich es für ausschlaggebend, ein hohes akademisches Niveau zu erreichen.

Die Universidad Nacional ist Ihnen nicht fremd. Sie haben dort Mathematik studiert und als Dekan die Naturwissenschaftliche Fakultät geleitet.
Ja, und schon zu dieser Zeit habe ich mich für akademische Reformen stark gemacht. Mein Ziel ist und bleibt es, die Anzahl der Doktoranden zu erhöhen und dem Mangel an Dozenten effektiv zu begegnen. Zwei Kriterien dienen mir als Leitmotive für meine Arbeit: akademische Qualität und verantwortliche Autonomie.

Von 1986 bis 1991 promovierten Sie als DAAD-Stipendiat an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz. Welche Bedeutung hat diese Zeit für Sie?
Der Aufenthalt in Deutschland war zum einen für meinen wissenschaftlichen Werdegang zentral. Zu diesem Zeitpunkt bestand für mich als Mathematiker nicht die Möglichkeit, in Kolumbien zu promovieren. Zum anderen hat die deutsche Kultur mich sehr geprägt. Meine Faszination gilt insbesondere der deutschen Sprache: Da sie sehr reichhaltig und vielseitig ist, lassen sich mit ihr mathematische Probleme verbal sehr präzise beschreiben. Dies war für meinen Werdegang als Mathematiker wesentlich. Noch heute orientiere ich mich bei meiner Arbeit als Dozent und Wissenschaftler an deutschen Publikationen. Außerdem habe ich während meiner Zeit in Mainz deutsche Freunde gewonnen, einige sind heute Dozenten an deutschen und französischen Universitäten. Die persönlichen Beziehungen haben sich auf eine sehr fruchtbare akademische Zusammenarbeit ausgeweitet.

Teilt Ihre Familie das Interesse an Deutschland?
Als Mathematikerin promovierte meine Frau ebenfalls in Deutschland. Darüber hinaus wurde unser ältester Sohn in Mainz geboren. Er spricht sehr gut Deutsch und ist oft in Deutschland zu Besuch. Auch unsere Tochter ist mit der deutschen Kultur vertraut und unterhält Kontakte zu befreundeten Familien in Deutschland.

Wird für Sie auch als Rektor der Universidad Nacional die Kooperation mit Deutschland eine Rolle spielen?
Unbedingt. Für meine Universität ist und bleibt die Zusammenarbeit mit Deutschland die fruchtbarste Quelle des interkulturellen Austausches und der Ausbildung. Der DAAD spielt dabei eine zentrale Rolle, seine Unterstützung war immer beständig und effizient. Dank seiner Hilfe konnte sich beispielsweise der Bereich der Physik an der Universidad Nacional weiterentwickeln, denn der DAAD hat die Promotionen der ersten Professoren finanziert. Aber auch andere Fachbereiche der Universität haben von DAAD-Programmen stark profitiert: Zahlreiche Hochschullehrer absolvierten einen Teil ihrer Ausbildung in Deutschland. Nicht nur aufgrund meiner persönlichen Erfahrung lege ich gerade unseren Promotionsstudenten nach wie vor einen Aufenthalt in Deutschland ans Herz. Zudem hat die enge Anbindung der Lektoren und lokalen Vertreter des DAAD an die Universidad Nacional bei vielen Studenten das Interesse an der deutschen Sprache und Kultur geweckt.

Haben Sie hinsichtlich des akademischen Austausches mit Deutschland bereits konkrete Zukunftspläne?
In der Tat. Die über den DAAD jahrzehntelang entwickelte Beziehung zu Deutschland ist heute stabil; in diesem Prozess sind gegenseitige Anerkennung und Vertrauen entstanden. Bis heute ist die Zusammenarbeit allerdings durch eine starke Hilfeleistung Deutschlands geprägt. In Zukunft soll aber auch Kolumbien zu einem wichtigen Zielland für deutsche Studenten und Forscher werden. Ich würde mir wünschen, dass insbesondere Promotionsstudenten und Postdoktoranden sich für einen Aufenthalt an der Universidad Nacional entscheiden. Weiter werde ich deutsche Dozenten zu Gastprofessuren einladen. Außerdem plane ich, in Zusammenarbeit mit deutschen Universitäten neue Forschungsprojekte zu entwickeln, insbesondere an den Standorten Amazonas, Orinoquia, Caribe und Pacífico. Gleichzeitig gilt es natürlich bereits bestehende Programme, wie zum Beispiel ALECOL, zu stärken, um noch nicht promovierten Dozenten der Universidad Nacional Postgraduierten-Studien zu ermöglichen.

Weitere Informationen
Biografie Prof. Dr. Ignacio Mantilla

1984: Master in Mathematik an der Universidad Nacional de Colombia

1986 – 1991: Stipendiat des DAAD, Promotionsstudium an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

1996 und 2000: Gastwissenschaftler für Angewandte Mathematik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Ämter an der Universidad Nacional de Colombia:

Direktor des Studienganges Mathematik und der Abteilung Mathematik und Statistik

Vizedekan der Naturwissenschaftlichen Fakultät

Dekan der Naturwissenschaftlichen Fakultät

Seit Mai 2012: Rektor der Universidad Nacional de Colombia
Autorin: Christina Pfänder
Veröffentlichungsdatum: 11.05.2012
Weiterführende Links:
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