www.daad.de | Impressum
Logo: DAAD-magazin.de
Startseite « Mit dem Schiff von Finnland nach Brasilien Magazin-Archiv

Austauschprojekt "Aalto on Waves"
Mit dem Schiff von Finnland nach Brasilien
"Alle Mann an Bord?", hieß es für 110 Studierende, Professoren und Dozenten der Aalto-Universität in Helsinki. Unter dem Motto "Aalto on Waves" reiste der akademische Zirkel mit einem Kreuzfahrtschiff von Finnland nach Brasilien – und schrieb sich nicht nur wissenschaftlichen Fortschritt auf die Fahnen. Mit dem Projekt wurde eine Brücke zwischen Südamerika und Europa sowie den unterschiedlichsten wissenschaftlichen Disziplinen geschlagen. DAAD-Stipendiat Thomas Abrell sorgte bei der Organisation der 26-tägigen Reise für sicheres Fahrwasser.
Zwei Wochen auf engem Raum, mit Menschen, die einander kaum kennen – für „Aalto on Waves“ kein Problem. Im Gegenteil: „Unser Ziel war es gerade, die unterschiedlichsten Menschen zusammenzubringen und einen Wissensaustausch zu ermöglichen“, sagt Thomas Abrell. Die Idee zur interkulturellen und interdisziplinären Kooperation sei bereits vor zwei Jahren an der Aalto-Universität in Helsinki entstanden. „Im Jahr 2010 reisten etwa 100 Studenten von Helsinki nach Shanghai und trafen dort pünktlich zur Eröffnung der Expo ein“, erzählt Abrell. „Ich begann zu dieser Zeit gerade mein Studium in Helsinki.“ Schon damals sei ihm klar gewesen: Beim nächsten Mal wird er mit dabei sein.

Zwischenstopp: Das
Zwischenstopp: Das "Aalto on Waves"-Schiff legte auch an den Küsten der Kanaren an
© Pawel Puszcz
Drei Fakultäten auf einem Schiff
„Die Aalto-Universität besteht aus drei verschiedenen Fakultäten, die räumlich voneinander getrennt sind. Man findet kaum zueinander Kontakt“, erklärt der Masterstudent des „International Design Business Management“, der vom DAAD mit einem Stipendium gefördert wird. Mit dem Vorsatz, die Kunststudenten, angehenden Ingenieure und Betriebswirte miteinander zu vernetzen, sei der Trip zu den Partneruniversitäten in Rio de Janeiro und São Paulo in Gang gekommen. Doch warum gerade eine Kreuzfahrt nach Brasilien? „Das Land nimmt international eine immer bedeutendere Rolle ein. Auch für die deutsche Wirtschaft ist Brasilien mittlerweile ein wichtiger Partner.“ Damit knüpft „Aalto on Waves“ nicht nur in einer Hinsicht an die Ideen des DAAD an, der sich dem „Wandel durch Austausch“ verpflichtet fühlt. Der DAAD intensiviert aktuell ebenfalls seine Beziehungen zu Brasilien. So begrüßte etwa Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der Hannoveraner Technikmesse CeBIT im März die ersten Geförderten des neuen brasilianischen Stipendienprogramms „Ciência sem Fronteiras – Wissenschaft ohne Grenzen“, deren Austausch mit Deutschland vom DAAD organisiert wird.

An Bord: Das Organisationsteam um Thomas Abrell (Mitte) hatte ein vielfältiges Programm auf die Beine gestellt
An Bord: Das Organisationsteam um Thomas Abrell (Mitte) hatte ein vielfältiges Programm auf die Beine gestellt
© Tuure Laurinolli
In die Welt der Crewmitglieder eingetaucht
Dass die Planung grenzüberschreitender Projekte jedoch so manche Herausforderung mit sich bringt – diese Erfahrung machten 13 Studierende, die den Kern des Organisationsteams von „Aalto on Waves“ bildeten. „Wir sind mit den unterschiedlichsten Erwartungen an die Sache herangegangen“, erinnert sich Thomas Abrell. „Das führte zu heftigen Debatten.“ Doch „Aalto on Waves“ meisterte die Wellen: „Im Laufe der Zeit kristallisierte sich heraus, was 'Aalto on Waves' eigentlich ist.“ Das Resultat überzeugte am Ende durch seine Vielfalt: Sprach- und Landeskurse brachten den Teilnehmern die Kultur des Gastlands näher; andere diskutierten über „Die Zukunft des Lernens“ – insgesamt 30 Workshops und Kurse mit insgesamt 42 ECTS-Punkten wurden angeboten. „Spannend war auch, sich an Problemen der Wirtschaft zu versuchen“, sagt Thomas Abrell. Drei Studenten seien beispielsweise zu Studienzwecken in die Welt der Crewmitglieder ihres Kreuzfahrtdampfers eingetaucht. „Es ging darum, die Situation der Crewmitglieder an Bord zu verbessern. Das fand ich insbesondere interessant, da normalerweise der Fokus auf den Passagieren liegt.“ Das Ergebnis des Workshops stellte nicht nur die Teilnehmer zufrieden – die Kreuzfahrtgesellschaft lud die Studenten ein, ihre Vorschläge auf einer Tagung in Miami zu präsentieren.

Ankunft in Rio de Janeiro: In Brasilien erwarteten die Reisenden weitere spannende Seminare
Ankunft in Rio de Janeiro: In Brasilien erwarteten die Reisenden weitere spannende Seminare
© Thomas Abrell
Spontane Aktionen auf dem Atlantik
Spontane Aktionen seien auf dem Atlantik ebenso Usus gewesen: Fotosessions rückten die untergehende Sonne ins rechte Licht; „Collective Artwork“ tauchte die gemeinsamen Erlebnisse in bunte Farben. „Es war uns als Organisationsteam sehr wichtig, dass sich jeder mit seinen eigenen Ideen einbringt. Und das hat super geklappt“, so Abrell. Auch der 14-tägige Exkurs nach Rio de Janeiro und São Paulo übertraf die Erwartungen. „Unsere Partneruniversität in Rio, die Universidade Federal do Rio de Janeiro, ermutigte uns, nach dem offiziellen Programm an einem weiteren Seminar teilzunehmen“, sagt Thomas Abrell. „Es war einfach toll, mit brasilianischen Studenten zu diskutieren, inwiefern Design-Methoden für Innovationsprojekte hilfreich sein können. Der brasilianische Weg unterscheidet sich doch wesentlich vom finnischen.“ Möglichkeiten für die Zukunft entwarfen die Studenten auch gemeinsam mit ihrer zweiten Partneruniversität, der Universidade de São Paulo. Hier lag der wissenschaftliche Fokus auf einem Bezirk der Stadt, der bislang nicht vom wirtschaftlichen Fortschritt Brasiliens profitiert. „In Zona Leste gibt es viele kleine Textilbetriebe. Wir überlegten uns, welche Strategien deren Geschäftsmöglichkeiten verbessern könnten.“ Für Thomas Abrell brachte die außergewöhnliche Reise mit „Aalto on Waves“ neben den zahlreichen lehrreichen Erkenntnissen allerdings auch einen ganz persönlichen Gewinn: „Ich habe viele neue Leute kennengelernt und Freundschaften geschlossen, sowohl mit Studenten aus Aalto als auch aus Rio de Janeiro und São Paulo. Und Brasilien sehe ich seitdem aus einer neuen Perspektive.“

Autorin: Christina Pfänder
Veröffentlichungsdatum: 09.05.2012
Weiterführende Links:
DAAD - Deutscher Akademischer Austausch Dienst © DAAD
Nachwuchswissenschaftler für Pakistans Technische Universitäten
Startschuss für DAAD-geförderte IKT-Studiengänge in Afrika-Subsahara
DAAD-Absolventenseminar in Bielefeld - Erfahrungsaustausch und Experimentierfreude
Letter abonnieren
Weitere Themen
Offen für Neues
Leben in einem anderen Land bedeutet interkulturelle Erfahrung hautnah. Davon berichten Experten im DAAD-magazin.
Vorausgegangene Themen und Artikel finden Sie in unserem Magazin-Archiv.
Seite drucken
Magazin-Archiv
Impressum
www.daad.de
DEUTSCHLAND.de