25 Jahre ERASMUS: Alumni im Porträt
Dr. Daniel Rühmkorf, Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg, Potsdam
ERASMUS feiert! Das EU-Bildungsprogramm besteht seit einem Vierteljahrhundert und zählt mittlerweile zahlreiche außergewöhnliche Alumni. Zum Jubiläum stellt das DAAD-Online-Magazin eine Auswahl dieser ERASMUS-Alumni in einer Serie vor.
„Mein ERASMUS-Aufenthalt an der Uniklinik in Amsterdam hat mir gezeigt, dass Dinge anders sein können. So ein Auslandsaufenthalt lässt Ansichten in einem neuen Licht erscheinen und führt zum Beispiel auch dazu, dass die eigene Kritikfähigkeit wächst. Als ich 1995, das war exakt 50 Jahre nach Kriegsende, in Amsterdam ankam, war das eine nicht ganz einfache Situation. Im Mai gab es Veteranen-Umzüge in der Stadt. Als Deutscher wurde ich durchaus kritisch beäugt und teils mit stereotypischen Ansichten konfrontiert. Das war sehr spannend und für mich persönlich auch lehrreich.“

Dr. Daniel Rühmkorf
Dr. Daniel Rühmkorf
© Simone Diestel
Als Daniel Rühmkorf 1995 mit ERASMUS in die Niederlande ging, hatte er sein Studium so gut wie abgeschlossen. In der Amsterdamer Uniklinik absolvierte er sein Praktisches Jahr. „Die Niederlande reizten mich. Mir gefiel die Sprache und als Vertreter des Bundesverbandes der Medizinstudierenden hatte ich vorher eine Klinik in Maastricht besucht. Es war sehr interessant, ein anderes System zu erleben. In den Niederlanden konzentriert sich die fachärztliche Versorgung größtenteils in den großen Polikliniken. Es wird mit weniger Geld eine hohe Patientenzufriedenheit erreicht. Außerdem gefiel mir das Land einfach. Um sprachlich auf mein Praktisches Jahr vorbereitet zu sein, habe ich im Vorfeld einen Sprachkurs besucht und mir mit meinem Langenscheidt viele Spezialbegriffe erarbeitet. Dadurch konnte ich von Anfang an mit den Patienten kommunizieren und hatte einen besseren Zugang zu den Menschen. Wenn man als Deutscher Niederländisch spricht, öffnet das viele Türen. Nach Dienstschluss habe ich oft noch mit niederländischen Kolleginnen und Kollegen zusammengesessen und über alles Mögliche geredet. Das war eine sehr intensive Zeit.“

Anstrengender Umstieg auf das praktische Arbeiten
Obwohl er zuvor vier Monate in der Hals-Nasen-Ohren-Abteilung der Charité gearbeitet hatte, war der Umstieg vom Studium auf das praktische Arbeiten in der Klinik sehr anstrengend. „Ich war von Anfang an komplett in den Dienstbetrieb eingebunden. Der Dienst fing morgens um sieben Uhr an und ich arbeitete mit kurzen Pausen rund zehn Stunden am Tag. Nach Dienstschluss, etwa ab 17 Uhr, gab es dann Fortbildungen. Anfangs bin ich tatsächlich öfter fast eingeschlafen. Uns wurde viel abverlangt. Das hat mich letztlich gefreut. Natürlich wäre es einfacher gewesen, das Praktische Jahr in Deutschland zu absolvieren, in der eigenen Sprache. Aber gerade das ist das Besondere an ERASMUS. Sich den Herausforderungen zu stellen, sich auch in Bescheidenheit zu üben und letztlich zu sehen, dass man es schafft. Das macht für mich den Reiz aus.“

Offenheit aus Amsterdam mitgebracht: Daniel Rühmkorf auf dem Brandenburger Umwelttag 2010
Offenheit aus Amsterdam mitgebracht: Daniel Rühmkorf auf dem Brandenburger Umwelttag 2010
© Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg
Besonders überrascht hatten Daniel Rühmkorf die flachen Hierarchien in der Amsterdamer Klinik. „Tatsächlich brauchte ich zwei Wochen, um herauszufinden, wer der Chefarzt war. Aufgrund des Alters hatte ich zwar eine Vermutung, aber am Verhalten meiner Kolleginnen und Kollegen war nicht wirklich abzulesen, wer der Chef ist. Diese flachen Hierarchien haben mich überrascht, weil das in deutschen Kliniken schon anders ist. Mir hat das sehr gut gefallen und ich bemühe mich, dieses Prinzip heute als Staatssekretär umzusetzen. Ich lade meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter immer wieder ein, offen zu diskutieren. Das ist mir wichtig und das habe ich ein wenig auch aus Amsterdam mitgebracht.“

ERASMUS-Büro der Charité aufgebaut
Dank guter Kontakte zum ERAMUS-Büro der Charité, das Daniel Rühmkorf ab 1993 mit aufgebaut hat, hat er auch heute in seiner politischen Funktion als Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg immer noch mit ERASMUS zu tun. „Wir bieten ERASMUS-Studierenden, die an die Charité kommen, an, einen Teil ihrer ERASMUS-Zeit in brandenburgischen Kliniken zu verbringen. Wir haben eine strukturierte Famulatur entwickelt, die den Studierenden eine intensive, individuelle Betreuung bietet. Ich denke, dass die Studierenden hier ganz im Sinne des ERASMUS-Gedankens wertvolle Erfahrungen sammeln, über die Hauptstadt hinaus, und eine sehr gute medizinische Ausbildung erhalten.“

Weitere Informationen
Biografie Dr. Daniel Rühmkorf

1986 – 1991 Studium der Medizin an der Philipps-Universität Marburg

1991 – 1994 Weiterführung des Studiums an der Freien Universität Berlin

1994 – 1996 Weiterführung des Studiums an der Humboldt-Universität zu Berlin

1995 ERASMUS-Stipendiat an der Universiteit van Amsterdam, Niederlande

2005 – 2009 Referent für Gesundheitspolitik und Pflege in der Bundestagsfraktion DIE LINKE

Seit 2009 Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg
Autor: red
Veröffentlichungsdatum: 07.05.2012
DAAD - Deutscher Akademischer Austausch Dienst © DAAD