"go out!"-Nachwuchsjournalisten-Rallye
In 16 Tagen durch Russland
Die zweite "go out!"-Nachwuchsjournalisten-Rallye des DAAD ist am Ziel. Vom 10. bis zum 26. April erkundeten vier junge Journalisten das größte Flächenland der Erde. Und stießen dabei auf Lehrreiches wie Amüsantes.
Auch eine Kantinentheke kann eine interkulturelle Herausforderung sein. Erst recht, wenn man Vegetarier ist. Und wenn man weder mit Schweinefleisch, Hühnchen oder Fisch glücklich wird, werden schon einmal ungläubige Nachfragen gestellt: „Fasten Sie gerade?“ Simon Wordtmann hat das zu hören bekommen. Wie auch ängstliche Bemerkungen über seinen Gesundheitszustand oder die Aussicht, ohne Fleischkonsum am Ende nicht die Frau fürs Leben finden zu können. Aber Wordtmann hat während der „go out!“-Nachwuchsjournalisten-Rallye dazugelernt: „Nach ein bisschen Übung weiß man, wie am besten damit umzugehen ist. Und wie die Fragen am besten zu formulieren sind, ohne dass es Missverständnisse gibt.“

St. Petersburg bei Nacht: Rallye-Teilnehmer Frederik Rother war auch als Fotograf unterwegs
St. Petersburg bei Nacht: Rallye-Teilnehmer Frederik Rother war auch als Fotograf unterwegs
© DAAD / Frederik Rother
St. Petersburg, Moskau, Kasan
Die kleine Episode schildert Wordtmann in einem Blogbeitrag der gerade zu Ende gegangenen Russlandrallye von „go out! studieren weltweit“, der gemeinsamen Kampagne des DAAD und des Bundesbildungsministeriums (BMBF). Ziel der Journalistenrallye, die während 16 Tagen von St. Petersburg über Moskau bis nach Kasan führte, ist, auf Studienmöglichkeiten in Russland aufmerksam zu machen – und darüber hinaus möglichst vielfältige Eindrücke aus der Russischen Föderation zu schildern. „Wir wollten mit der zweiten ‚go-out!‘-Nachwuchsjournalisten-Rallye wieder bewusst den Blick auf ein Land lenken, das ansonsten nicht so sehr im Fokus der deutschen Studierenden steht“, sagt Claudius Habbich, im DAAD Leiter des Referats „Information für Deutsche über Studium und Forschung im Ausland, Publikationen“ und zudem Koordinator der „go out!“-Kampagne. Nachdem die Teilnehmer der ersten „go out!“-Nachwuchsjournalisten-Rallye im Oktober 2011 Mittelosteuropa, Indien sowie Mittel- und Südamerika bereisten, war nun das größte Flächenland der Erde Ziel der ambitionierten Nachwuchsjournalisten. Gerade einige hundert Deutsche absolvieren derzeit ihr Studium in Russland. Zum Vergleich: In Deutschland absolvieren aktuell über 10.000 russische Studierende ihr Bachelor- oder Masterstudium. „Ein weiterer Grund für die Wahl Russlands war das Deutsch-Russische Jahr der Bildung, Wissenschaft und Innovation 2011/2012“, ergänzt Claudius Habbich. Bei der Auswahl der vier Nachwuchsjournalisten spielten neben ihren journalistischen Erfahrungen auch Russischkenntnisse eine wichtige Rolle.

Das Rallye-Team 2012: Simon Wordtmann, Frederik Rother, Anja-Kristin Willner, Viktoria Morasch
Das Rallye-Team 2012: Simon Wordtmann, Frederik Rother, Anja-Kristin Willner, Viktoria Morasch
© DAAD
Viktoria Morasch, Anja-Kristin Willner, Frederik Rother und Simon Wordtmann erkundeten St. Petersburg, Moskau und Kasan und erarbeiteten zahlreiche Artikel, Blogs, Radiobeiträge und Videos. Diese wurden und werden nicht nur auf der „go out!“-Webseite, sondern auch im Deutschlandfunk sowie im Hochschulmagazin Unicum veröffentlicht. „Wir freuen uns natürlich, dass wir zwei derart renommierte Medienpartner gewinnen konnten“, sagt Claudius Habbich.

Besondere Beziehungen zu Russland
Beleg für Religionsvielfalt: die Kul-Scharif-Moschee in Kasan
Beleg für Religionsvielfalt: die Kul-Scharif-Moschee in Kasan
© DAAD / Frederik Rother
Die Beiträge der vier Nachwuchsjournalisten profitieren von der besonderen Beziehung der Autoren zu Russland. Simon Wordtmann hatte bereits als Waldorfschüler Russisch gelernt und das Land später durch mehrere Reisen und Aufenthalte kennengelernt. Überrascht hat ihn während der 16-tägigen Rallye vor allem die tatarische Haupt- und Universitätsstadt Kasan. „Kasan ist nicht so riesig wie die Metropolen Moskau und St. Petersburg und hat meiner Meinung nach eine ideale Größe zum Studieren.“ Auch falle im vergleichsweise weniger westlichen Kasan das Russischlernen leichter: „Die Versuchung, auf Englisch auszuweichen, ist hier nicht so groß.“ In Kasan hat Wordtmann auch das Nebeneinander der Religionen fasziniert: „Eine Moschee in direkter Nachbarschaft zu einer orthodoxen Kirche, das fand ich beeindruckend.“ Die gesellschaftliche Vielfalt mache Russland ganz grundsätzlich zu einem spannenden Land für Studierende: „Russland sucht nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Systems vor rund zwanzig Jahren noch immer nach einem neuen Wertesystem.“

"Größere Offenheit"
Wie sich Russland in den vergangenen Jahren verändert hat, hat Anja-Kristin Willner ebenfalls durch ihre Teilnahme an der Nachwuchsjournalisten-Rallye festgestellt. Die Journalistikstudentin der TU Dortmund reiste mit 15 zum ersten Mal in das Land, das sie seitdem nicht mehr loslässt. „Ich habe gemerkt, dass die Offenheit gegenüber Ausländern in Russland viel größer geworden ist“, erzählt sie. Ihren journalistischen Berufsweg auch ein paar Jahre in Russland zu verbringen, kann sie sich nach der Rallye mehr denn je vorstellen. Auch der russlanderfahrenen Journalistin haben die 16 Tage neue Perspektiven aufgezeigt. So hatte sie zwar erst 2011 ein Semester an der Staatlichen Universität St. Petersburg studiert, von der hoch angesehenen Bergbau-Universität der Stadt aber nichts mitbekommen. Nun stellt sie die Hochschule gemeinsam mit Viktoria Morasch in einem aktuellen Beitrag für den Deutschlandfunk vor. „Die Bergbau-Universität ist auf jeden Fall eine sehr spannende Hochschule“, sagt Willner, für die es etwas ungewohnt war, „dass die Studierenden hier bereits eine ganz konkrete Arbeitsstelle im Auge haben“. Insbesondere die Energiewirtschaft bietet den Studierenden der Bergbau-Universität glänzende Perspektiven. Überraschendes entdecken, neue Perspektiven aufzeigen: Das waren auch zwei Grundanliegen der zweiten „go out!“-Nachwuchsjournalisten-Rallye. Die Artikel und Beiträge der vier Autoren werden hierzu beitragen. Und am 12. Mai 2012 werden die vier jungen Journalisten in einem großen Forum von ihren Erlebnissen berichten: Auf der StudyWorld 2012, der 7. Internationalen Messe für Studium, Praktikum und akademische Weiterbildung, deren Gastland Russland sein wird, ziehen sie eine Bilanz ihrer Rallye durch die Russische Föderation.


Autor: Johannes Göbel
Veröffentlichungsdatum: 21.06.2012
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