Alumnitreffen in Kapstadt
Perspektiven für die Zukunft
Zur Eröffnung des Deutsch-Südafrikanischen Wissenschaftsjahres und zur Teilnahme am großen Alumnitreffen des DAAD und der Alexander von Humboldt-Stiftung reiste Bundesbildungsministerin Professorin Annette Schavan nach Kapstadt. So erlebte die Ministerin vor Ort den lebendigen und oft herzlichen Austausch der Alumni.
„Entwicklungshilfe von Afrika nach Deutschland, das muss doch auch mal passieren“, sagt Professor Arnold van Zyl mit einem verschmitzten Grinsen. Er ist der erste Südafrikaner, der Rektor einer deutschen Universität geworden ist. Seit diesem Semester leitet er die Technische Universität Chemnitz. Für das Alumnitreffen ist er gerne in seine alte Heimat Südafrika geflogen. Rund 130 ehemalige DAAD- und Humboldt-Stipendiaten trafen sich vom 13. Bis 15. April an der Universität von Kapstadt (UCT), der ältesten und renommiertesten Universität Südafrikas und Projektpartner des Alumnitreffens. Für Zoheb Khan war es eine einmalige Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen. Der 25-jährige Kapstädter ist einer der jüngsten DAAD-Absolventen. „Es war wirklich gut, andere Alumni zu treffen. Die einzigen Alumni, die ich bisher kannte, waren die aus meinem Studiengang. Deshalb war es sehr interessant für mich, ältere Absolventen kennenzulernen, die bereits Karriere gemacht haben. Das hat mir gezeigt, welche Chancen mir mein DAAD-Stipendium in der Zukunft eröffnet.“

Margret Wintermantel:
Margret Wintermantel: "Wir brauchen eine transnationale Ausbildung in den Universitäten"
© DAAD / Herman Agenbag
"Ein wichtiger Partner"
Zurzeit gibt es 141 Partnerschaften zwischen deutschen und südafrikanischen Hochschulen. Dass Südafrika ein wichtiges Partnerland für den DAAD ist, betonte dessen Präsidentin Professorin Margret Wintermantel auf dem Alumnitreffen. „Wir brauchen eine transnationale Ausbildung in den Universitäten. Wir brauchen die Fähigkeit zur Perspektivenübernahme und zur Empathie. Gerade in Südafrika ist es außerordentlich wichtig, diese internationale Perspektive weiter zu entwickeln. Südafrika ist ein wichtiger Partner für die deutschen Hochschulen und das deutsche Wissenschaftssystem insgesamt.“ Das Alumnitreffen widmete sich dementsprechend vergleichend den Erfahrungen mit dem Wandel der Hochschulsysteme in Deutschland und Südafrika in den vergangenen Jahrzehnten und in der Gegenwart. In seinem Hauptvortrag zu Beginn des Treffens mahnte Bildungswissenschaftler und Humboldtianer Professor Neville Alexander, auch unter wirtschaftlichem Druck Hochschulbildung als öffentliches Gut zu betrachten. In zahlreichen Vorträgen und Workshops, für die der DAAD neben Professor van Zyl weitere sehr namhafte Referenten wie Professor Thomas auf der Heyde, Direktor für Internationales im südafrikanischen Forschungsministerium, Dr. Gansen Pillay, Amtierender Direktor der National Research Foundation, und Professor Danie Visser, Prorektor für Forschung an der gastgebenden UCT, gewinnen konnte, wurde die Auseinandersetzung mit Hochschul- und Forschungskooperation, Internationalisierung, Innovationsmanagement, personeller Erneuerung und ähnlichen Themen vertieft.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (4. von links) zählte zu den zahlreichen Gästen des Alumnitreffens
Bundesbildungsministerin Annette Schavan (4. von links) zählte zu den zahlreichen Gästen des Alumnitreffens
© DAAD / Herman Agenbag
Prominentester Gast des Alumnitreffens war die Bundesministerin für Bildung und Forschung Professorin Annette Schavan. Direkt zum Auftakt ihrer viertägigen Reise nach Südafrika und Namibia fuhr sie zum Alumnitreffen, um gemeinsam mit ihrer südafrikanischen Amtskollegin Naledi Pandor an der Plenardiskussion zum Thema Hochschul- und Forschungskooperationen teilzunehmen, mit den Alumni zu reden und sich ihren Fragen zu stellen. Professorin Schavan betonte, wie wichtig Kooperationen wie die mit Südafrika für die deutsche Wissenschaft sind: „90 Prozent allen Wissens wird außerhalb Deutschlands generiert. Also ist ganz klar, zu den wichtigsten Aufgaben zukunftsträchtiger Forschungspolitik gehört, internationale Kooperationen abzuschließen, dafür zu sorgen, dass Wissenschaftler, Wissenschaftlerinnen aus Deutschland überall in der Welt präsent sein können, wo dieses Wissen generiert wird.“ Annette Schavan kam auch nach Kapstadt, um das Deutsch-Südafrikanische Wissenschaftsjahr zu eröffnen. Für Schavan geht es bei diesem Jahr darum, die Forschungsmöglichkeiten auszubauen und gleichzeitig einen Austausch zwischen südafrikanischen und deutschen Wissenschaftlern zu fördern. Genau das macht der DAAD bereits seit 1997 und ist deshalb ein wichtiger Partner für die Bundesregierung innerhalb des Deutsch-Südafrikanischen Wissenschaftsjahres.

Lockere Atmosphäre
Dementsprechend hoch war auch die Beteiligung am Alumnitreffen. Es herrschte eine lockere Atmosphäre: Alte Bekannte, die sich jahrelang nicht gesehen hatten, umarmten sich zur Begrüßung und selbst Menschen, die sich erstmals begegneten, fanden über die verbindende Stipendiatenzeit schnell ins Gespräch. Auch für Professor Chats Devroop war und ist der DAAD sehr wichtig. Als farbiger Südafrikaner hatte er 1987 zur Zeit der Apartheid in seiner Heimat keine Chance auf eine höhere Bildung. Deshalb ging er zum Studieren nach Karlsruhe. Heute ist er Leiter der Musikschule an einer der Universitäten in Pretoria und Präsident des DAAD-Alumnivereins Südafrika. Auch wenn er sich über das Deutsch-Südafrikanische Wissenschaftsjahr und die Chancen, die dieses Jahr mit sich bringt, freut, warnt Devroop davor, die Kunst zu vergessen. „Die Deutschen legen sehr viel Wert auf Kunst und ihr kulturelles Leben, und das finde ich sehr gut. Es ist wichtig zu forschen und wir müssen die Wissenschaft unterstützen, aber wir dürfen nicht die Künste vernachlässigen. In verschiedenen Entwicklungsländern sehe ich genau diese Gefahr. Da wird sehr viel Wert auf die wissenschaftliche Entwicklung und Kooperationen gelegt, aber Kunst und Geisteswissenschaften werden vernachlässigt.“

Prominent besetztes Podium: Plenardiskussion zum Thema Hochschul- und Forschungskooperationen
Prominent besetztes Podium: Plenardiskussion zum Thema Hochschul- und Forschungskooperationen
© DAAD / Herman Agenbag
Absolventen wie Chats Devroop, Arnold van Zyl und Zoheb Khan sind Beispiele dafür, wie bereits seit Jahren die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Südafrika funktioniert. Am Ende des Alumnitreffens waren sich die Teilnehmer einig, dass es ganz besondere Tage für sie waren. Neue Freundschaften und Geschäftskontakte entstanden und Pläne für neue Hochschulkooperationen wurden geschmiedet. DAAD-Präsidentin Margret Wintermantel brachte die Bedeutung des südafrikanischen Alumnitreffens auf den Punkt: „Wir sind hierher gekommen, um Freunde zu besuchen. Ein Freundschaftsbesuch bedeutet auch, dass wir die Freundschaft weiter intensivieren wollen, aber natürlich auch weiter entwickeln wollen.“

Autorin: Kerstin Poppendieck
Veröffentlichungsdatum: 24.04.2012
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