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Friedensforscher Julius Okello |
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Vom Schützengraben in den Hörsaal |
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Als Kind kämpfte Julius Okello mit der Waffe in der Hand für die heutige ugandische Nationalarmee. Später durfte er zur Schule gehen, machte einen Bachelor-Abschluss. Ein DAAD-Stipendium ermöglichte ihm ein Masterstudium in Friedens- und Konfliktforschung. Heute leitet der 34-Jährige als Friedensforscher ein Institut in Ugandas Hauptstadt Kampala – und kämpft mit seinen Erinnerungen.
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Julius war neun Jahre alt, als die Soldaten ihn aus seinem Dorf mitnahmen. Er stieß zur Nationalen Widerstandsarmee (NRA) in Uganda, als sie noch eine Rebellentruppe war. Ein paar Monate später, im Jahr 1986, kam ihr Anführer Yoweri Museveni an die Macht. Er regiert das Land bis heute.
„Sie haben mir ein Gewehr gegeben und mir gezeigt, wie ich es benutzen soll“, sagt Okello. Schon bald musste der Junge mitkämpfen. Etwa gegen die Karamojong, ein Hirtenvolk im Norden Ugandas, dessen Krieger Viehherden raubten. „Ich war noch ein Kind, ich stellte mir Kriege abenteuerlich und heldenhaft vor. Doch schon in meinem ersten Kampf war davon nichts mehr übrig. Ich dachte, ich würde dort niemals lebend wieder herauskommen.“
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Julius Okello wollte mehr darüber wissen, wie Wirtschaftswachstum entsteht, wie Entwicklung gelingen kann – und wie er selbst einen Beitrag zur Armutsbekämpfung in seinem Land leisten könnte. Daher entschied er sich zunächst für ein Studium der Volkswirtschaftslehre an der Makerere-Universität in Ugandas Hauptstadt Kampala. Schnell stellte er jedoch fest, dass er nicht zuletzt aufgrund seiner eigenen Vergangenheit und der jahrzehntelang andauernden Konflikte in Ostafrika im Bereich der Konfliktbewältigung arbeiten möchte. Er entschied sich für ein Masterstudium in Friedens- und Konfliktforschung. Durch einen Aushang in der Makerere-Universität erfuhr er von der Möglichkeit, sich um ein DAAD-Surplace-Stipendium zu bewerben, bei dem die Stipendiaten in ihrem eigenen Land studieren können. Er bewarb sich sofort. „Ich habe geweint vor Freude, als ich die Zusage erhielt. Alle meine Sorgen waren auf einmal wie weggeblasen.“ Das Vollstipendium deckte Studiengebühren und Lebenshaltungskosten ab und ermöglichte Okello, sich frei von finanziellen Sorgen auf das Studium konzentrieren zu können. „Die DAAD-Förderung war wunderbar. Ich hätte es mir sonst einfach nicht leisten können, noch ein Masterstudium zu machen. Ich werde mich auch wieder um ein Doktorandenstipendium bewerben“, erzählt er begeistert. Auch die Mitarbeiter des DAAD hätten ihm sowohl während der Förderzeit als auch danach unterstützend zur Seite gestanden und immer ein offenes Ohr für ihn gehabt.
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Am Ziel: Julius Okello (4. von links) auf seiner Master-Abschlussfeier in Kampala 2007
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| © privat |
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Konfliktreiches Gebiet der Großen Seen
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Zwischen den Ausbildungsstationen kehrte Julius immer wieder zu seiner Einheit zurück, der er inzwischen als regulärer Soldat angehörte. Insgesamt war er 22 Jahre Mitglied der NRA. 2007 wurde er schließlich freigestellt und eröffnete ein kleines Forschungsinstitut für Konfliktforschung in Kampala, wo er bis heute mit seiner Frau und vier Kindern lebt. Das „African Institute for Strategic Research, Governance and Development“ soll durch wissenschaftliche Politikberatung einen Beitrag zu Frieden und Stabilität in der Region leisten. Denn das sogenannte Gebiet der Großen Seen zählt zu den konfliktreichsten Gegenden der Erde. Nicht zuletzt durch seine eigene Vergangenheit liegt es Julius Okello besonders am Herzen mehr darüber zu erfahren, warum Konflikte entstehen – und mit welchen Strategien man sie verhindern könnte.
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Julius Okello in seinem Büro am African Institute for Strategic Research, Governance and Development
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| © Sophia Sabrow |
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"Kinder, die keine Kinder sein dürfen"
Doch so einfach ist es nicht: Okello klagt darüber, dass nicht genug Forschungsgeld aufzutreiben sei und dass er und seine vier Mitarbeiter noch nicht richtig loslegen könnten. Zwar würden sie intensiv an Projektanträgen arbeiten, doch habe Wissenschaftsförderung in einem armen Land wie Uganda einfach eine andere Priorität als in Europa. Dann sieht sein freundliches Gesicht plötzlich sehr müde aus. Noch sind die Wände seines Büros nackt. Aber auf dem Schreibtisch steht eine kleine Uganda-Fahne – so viel Patriotismus ist trotz des Leids in der Armee noch übrig geblieben. Aufgeben wird er aber keinesfalls: „Ich habe selbst erfahren müssen, dass es vor allem Kinder sind, die unter den politischen Konflikten in der Region leiden. Kinder, denen die Eltern genommen werden. Kinder, die als Soldaten missbraucht werden. Kinder, die keine Kinder sein dürfen. Ich möchte mich mit meiner Forschung dafür einsetzen, dass das aufhört.“
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Autorin: Sophia Sabrow |
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Veröffentlichungsdatum: 21.03.2012 |
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© DAAD |
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