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Leipziger Buchmesse |
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Eine Übersetzerin in Zeiten des Wandels |
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Auf der gerade zu Ende gegangenen Leipziger Buchmesse 2012 wurde Dr. Hebatallah Fathy mit dem Deutsch-Arabischen Übersetzerpreis des Goethe-Instituts in der Kategorie Nachwuchsübersetzer ausgezeichnet. Der DAAD förderte Dr. Fathy bereits zu Beginn ihrer wissenschaftlichen Laufbahn.
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Wenn die Ägypterin Hebatallah Fathy in Deutschland aus dem Flugzeug steigt, überkommt sie regelmäßig das Gefühl einer Heimkehr. „Es hat etwas Vertrautes, als ob ich wieder nach Hause komme“, sagt sie. Mitte März war es nun wieder einmal so weit. Auf der Leipziger Buchmesse erhielt die 39-Jährige den Deutsch-Arabischen Übersetzerpreis des Goethe-Instituts in der Kategorie Nachwuchsübersetzer. Übersetzt hatte Fathy Teile des Romans „Ein Zimmer im Haus des Krieges“ – ein Buch, in dem der Autor Christoph Peters das Leben eines deutschen Terroristen im Ägypten der 1990er Jahre beschreibt. Ein Thema, das Hebatallah Fathy sehr fasziniert: „Ich finde es wichtig, dass der arabische Leser erfährt, dass im Westen auch sehr differenziert zum Thema Terrorismus geurteilt werden kann.“
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Ehrung in Leipzig: Prof. Dr. h. c. Klaus-Dieter Lehmann, Präsident des Goethe-Instituts, zeichnet Dr. Hebatallah Fathy mit dem Deutsch-Arabischen Übersetzerpreis aus
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| © Leipziger Buchmesse / Rainer Justen |
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"Gabe, die man nutzen sollte"
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Warum Fathy sich in beiden Welten bestens auskennt, lässt sich mit Blick auf ihre Biografie schnell erklären. Denn die Tochter eines ägyptischen Diplomaten lebte als Kind mehrere Jahre in Ost-Berlin. Nach ihrer Rückkehr nach Kairo und einem weiteren Auslandsaufenthalt in Wien studierte sie Germanistik an der Universität Kairo, wo sie später über die barocke Ode promovierte. Mit einem DAAD-Stipendium konnte sie bereits während ihrer Masterarbeit zweimal nach Deutschland reisen, um Material für die Abschlussarbeit zu sammeln. Für die Doktorarbeit erwarb sie zudem ein Stipendium des DAAD. Dieses ermöglichte es ihr, zwei Jahre lang an der Universität Münster zu promovieren. Mit dem erworbenen Doktortitel wurde sie 2004 Dozentin an der Universität Kairo. Dort lehrt und forscht sie seitdem zu den Themengebieten Literatur der frühen Neuzeit, Orientbild in der deutschen Literatur, interkulturelle Germanistik und Übersetzung. 2011 wurde sie zur Assistenzprofessorin ernannt. Das soll aber noch nicht das Ende ihrer Forscherlaufbahn sein: „Mein Ziel ist, Professorin zu werden“, sagt sie und betont: „Menschen, die wie ich in Deutschland und Ägypten aufgewachsen sind, kennen beide Sprachen gut. Das ist eine Gabe, die man nutzen sollte.“
Aber die Wissenschaft allein genügt ihr nicht. Schon seit 1996 bildet Hebatallah Fathy Deutschlehrer am Goethe-Institut in Kairo aus und bietet ihre Übersetzungskünste auch außerhalb der Universität an. Sie dolmetschte beispielsweise in Kairo auf einer Konferenz der Vereinten Nationen, übersetzte 2007 für den DAAD den Pressespiegel im deutsch-ägyptischen Wissenschaftsjahr und arbeitete im Deutschland-Zentrum Kairo für die deutsche Botschaft als Übersetzerin und Redakteurin. Weil die deutsche Literatur ihr ein treuer Begleiter ist, wagte sie sich voriges Jahr auch erstmals an die Übersetzung eines deutschen Buches. Dass sie für die 20 übersetzten Seiten des Buches von Christoph Peters gleich einen Preis erhielt, dürfte ihren Entschluss bestärken. „Noch ist das Übersetzen nur ein Hobby von mir, aber ich würde es gerne regelmäßiger machen“, sagt sie.
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Verantwortungsgefühl für Ägypten
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Hebatallah Fathy und Christoph Peters, Autor des Romans "Ein Zimmer im Haus des Krieges"
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| © privat |
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Fathy geht es dabei aber nicht nur um ihre persönliche Karriere als Übersetzerin. Sie fühlt sich auch verantwortlich für ihr Geburtsland. „Ägypten befindet sich gerade auf dem Weg zur Demokratie. Übersetzungen von Büchern aus dem Westen sind wichtig, weil sie in Zeiten des Wandels zu einem anregenden Kulturdialog führen können.“ Dazu will sie ihren Teil beitragen. Wie sehr sich das Leben seit der Revolution voriges Jahr verändert hat, sieht Fathy auch im Universitätsalltag. „Die Situation ist durch Demonstrationen und Streiks angespannt und oft kommen Studierende nicht in das Seminar, weil sie sich politisch engagieren und keine Zeit haben.“ Sie selbst spüre in dieser „Umbruchzeit“ eine gewisse Fürsorgepflicht gegenüber ihren Studenten, auch wenn das „sehr idealistisch“ klinge. „Menschen wie meine Arbeitskollegen aus der Universität oder ich müssen den jungen Menschen im Hörsaal und auf der Straße helfen, sich eine Meinung zu bilden. Diese können jetzt frei wählen und mitbestimmen, wissen aber oft nicht, wie sie damit umgehen sollen.“ Ein Umzug nach Deutschland ist für Hebatallah Fathy zurzeit kein Thema, auch wenn sie damit ihrem in München lebenden Bruder näher sein könnte und sie von Deutschland als Forscherparadies schwärmt. „Es ist wichtig, jetzt in Ägypten zu sein“, sagt Fathy. Deutschland werde aber weiterhin Fixpunkt für sie sein. Auch dem DAAD hält die Übersetzerin die Treue: Sie arbeitet in der DAAD-Alumni-Akademie in Kairo mit und sitzt in mehreren DAAD-Auswahlkommissionen verschiedener Förderprogramme. Und auch privat vererbt Fathy das Miteinander zweier Kulturen weiter: Ihre beiden Kinder, mit denen sie von klein auf Deutsch spricht, gehen auf eine deutsche Schule. Damit will sie ihnen das vermitteln, was ihre Eltern ihr einst mit auf den Weg gaben: „Es ist sehr bereichernd, in zwei Kulturen aufzuwachsen.“
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Autor: Benjamin Haerdle |
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Veröffentlichungsdatum: 19.03.2012 |
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© DAAD |
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