25 Jahre ERASMUS: Alumni im Porträt
Dorothea Noack, Solo-Cellistin an der Metropolitan Opera, New York
ERASMUS feiert! Das EU-Bildungsprogramm besteht seit einem Vierteljahrhundert und zählt mittlerweile zahlreiche außergewöhnliche Alumni. Zum Jubiläum stellt das DAAD-Online-Magazin eine Auswahl dieser ERASMUS-Alumni in einer Serie vor.
„Zunächst konnte ich mich nicht entscheiden, ob ich in meinem Leben Musikerin oder Naturwissenschaftlerin werden wollte. Die Talente für beides waren da. Ich dachte, wahrscheinlich würde ich sogar als Wissenschaftlerin mehr Erfolg haben. Auf der anderen Seite war mir seit meiner Jugend klar, dass ich als Musikerin glücklich sein würde. Heute bin ich die stellvertretende Solo-Cellistin an der weltberühmten Metropolitan Opera. So weit an die Weltspitze hätte ich ohne die ERASMUS-Zeit in Paris, welche mir den Weg auf internationaler Ebene öffnete, nie so schnell kommen können.“

Weltspitze: Dorothea Noack vor der New Yorker Metropolitan Opera
Weltspitze: Dorothea Noack vor der New Yorker Metropolitan Opera
© Norbert Schramm
Nach dem Abitur am naturwissenschaftlich-mathematischen Spezialgymnasium W. Ostwald in Leipzig war Dorothea Noack für ein Stipendium der Studienstiftung
des Deutschen Volkes vorgeschlagen worden, entschied sich aber gegen eine wissenschaftliche Laufbahn. Obwohl die Wissenschaft eine große Verlockung war, begann sie 1994 Orchestermusik zu studieren. Aber der Durchbruch und die endgültige Entscheidung für die Musik kamen erst, als sie 1996 bei einem Meisterkurs im Oberstdorfer Musiksommer den französischen Cello-Pädagogen Philippe Muller kennenlernte. „Von ihm konnte ich so viel lernen! Er ermunterte mich, nach Paris zu kommen und bei ihm zu studieren. Ich hatte Glück, dass das dank ERASMUS möglich war und ging 1997 für ein Semester an das Conservatoire Nationale Supérieur in Paris.“

Eine neue Welt
In Paris tat sich für Dorothea Noack eine neue Welt auf. „Ich war das erste Mal weg von Zuhause und hatte Zeit, zu überlegen, was ich wollte und die überwältigenden Eindrücke auf mich wirken zu lassen. Die Stadt war voller Kunst und Musik. Das Musée d’Orsay wurde zu meinem Lieblingsmuseum. So inspirierten mich die Impressionisten,auch mit meiner Musik Szenen der ganzen Farbpalette zu malen, zum Beispiel in der neu erlernten Debussy-Sonate. In Paris konnte ich die großen Orchester und namhaften Dirigenten erleben. Zum Beispiel Harnoncourt mit dem Concertgebouw-Orchester. So hatte ich Schubert noch nie gehört. Oder einen außergewöhnlichen Beethoven-Zyklus im Louvre. Das alles gab mir großen Ansporn, mich künstlerisch und interpretatorisch weiterzuentwickeln, wobei mich Muller sehr unterstützte. Ich spielte außerdem viel Kammermusik und konnte im Orchestre du Conservatoire mitwirken, unter anderem unter David Robertson. Das Schöne war, meine Spielweise wurde als Bereicherung empfunden: Die sensiblere Klangkultur, der weichere, vollere Klang der Leipziger Schule. Ich wurde sehr gut angenommen und aufgenommen, sowohl von den Professoren als auch von meinen Kommilitonen. Das hat mich auf menschlicher wie musikalischer Ebene weitergebracht.“

Ein neuer Klang
Als Dorothea Noack nach Leipzig zurückkam, entwickelte sich ihre Karriere extrem schnell. „In Paris hatte ich mich komplett auf das Cello konzentriert, hatte meinen Klang weiterentwickelt und bereichert, ein neues Repertoire und neue Spielweisen erarbeitet und vor allem ein souveränes Selbstbewusstsein errungen. Mit dieser Sicherheit gewann ich gleich nach meinem Diplom-Abschluss den Citibank Musikpreis und damit ein einjähriges Vollstipendium an der Juilliard School in New York. Dafür war der ERASMUS-Aufenthalt als Wegbereiter enorm wichtig. 2001 bewarb ich mich dann an der Met als Associate Principal, als Solo-Cellistin am ersten Pult. Wir spielten hinter einem Sichtschutz, damit ausschließlich der Klang zählte. Hunderte bewarben sich um die Stelle und nach tagelanger Auswahl war ich die Gewinnerin. Nun spiele ich schon seit zehn Jahren in diesem Spitzenorchester, mit zusätzlichen Konzerten in der Carnegie Hall und auf Auslandstourneen. Darüber hinaus habe ich die dankbare und erfüllende Aufgabe, meine Erfahrungen und das umfassende Wissen, welches ich auf internationaler künstlerischer Ebene, auch dank ERASMUS, gesammelt habe, an die nächste Generation von jungen Cellisten im Internationalen Verbier Festival Orchestra weiterzugeben.”

Weitere Informationen
Biografie Dorothea Noack

1994 – 1999 Studium der Orchestermusik und Musikpädagogik an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig

1997 – 1998 ERASMUS-Stipendiatin am Conservatoire National Supérieur de Musique et de Danse de Paris, Frankreich

1999 – 2001 Stipendiatin an der The Juilliard School in New York, USA – zunächst als Gewinnerin des Citibank-Musikpreises 1999 sowie später im Rahmen eines DAAD-Postgraduierten-Stipendiums

Seit 2002 koordinierte Solo-Cellistin (Associate Principal) an der Metropolitan Opera in New York, USA

Seit 2009 darüber hinaus Coach der Cellistinnen/Cellisten des Internationalen Verbier Festival Orchestra
Autor: red
Veröffentlichungsdatum: 08.03.2012
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