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Ehrung für DAAD-Alumna |
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Pionierin der Psychotherapie |
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Für ihren außerordentlichen Einsatz für die Psychotherapie in China hat Margarete Haaß-Wiesegart das Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland erhalten. Eine Würdigung für jahrzehntelanges Engagement: Als DAAD-Stipendiatin kam Haaß-Wiesegart 1976 in die Volksrepublik – der Beginn eines bis heute andauernden deutsch-chinesischen Austausches.
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Margarete Haaß-Wiesegart
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| © privat |
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Als das Ende der Kulturrevolution in China offiziell verkündet wurde, stand Margarete Haaß-Wiesegart inmitten einer Million Menschen auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking. „Unser chinesischer Lehrer sagte uns, dieses Ereignis sei für China so wichtig wie die Gründung der Volksrepublik“, erinnert sie sich. „Wie Recht er hatte, verstand ich erst später.“ Damals, am 24. Oktober 1976, war die frisch diplomierte Psychologin erst seit wenigen Wochen im Land. Sie und ihr Mann, ein Wirtschaftswissenschaftler, kamen als DAAD-Stipendiaten nach Peking. Gleich nach der Ankunft wurden die ausländischen Studenten an den gläsernen Sarg Mao Zedongs geführt, der drei Tage zuvor gestorben war. Für die damals 26-jährige Anhängerin der Studentenbewegung, die aus der Ferne für die Volksrepublik geschwärmt hatte, war die Begegnung mit dem chinesischen Alltag ein Schock: „Das Land war sehr arm, Lebensmittel gab es nur auf Bezugsscheine“, sagt sie. „Alle Menschen mussten ständig an politischen Sitzungen teilnehmen. Kaum jemand hat gewagt, mit uns über Politik zu sprechen – und wenn, dann nur andeutungsweise unter vier Augen.“
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Aufbruchstimmung nach Maos Tod
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Während der Kulturrevolution wurden viele Psychiater und Psychologen zur Feldarbeit gezwungen oder in Arbeitslager gesperrt. Die Aufbruchstimmung nach Maos Tod wirkte sich rasch auf die Universitäten aus: Kurz vor ihrer Rückkehr 1978 erlebte Haaß-Wiesegart, wie die psychologische Fakultät der Peking Universität wieder gegründet wurde. Zur Dekanin wurde die Betreuerin der ausländischen Studenten ernannt - eine Psychologin, die wenige Jahre zuvor mit einem Schandhut durch die Stadt geführt worden war. „Von meiner ersten Reise habe ich zwei Erkenntnisse mitgenommen“, erzählt Margarete Haaß-Wiesegart. „Zum einen stellte ich fest, dass mein idealistisches Chinabild nur sehr bedingt stimmte. Zum anderen verstehe ich seitdem besser, wie stark Kultur und soziale Umgebung die Psyche des Einzelnen beeinflussen.“
Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland arbeitete sie zunächst in der psychiatrischen Fachklinik Göppingen, später in einer Ambulanz in Hamburg. Dabei hielt die Psychotherapeutin stets Kontakt zu ihren chinesischen Kollegen. 1982 bewarb sie sich wieder für ein DAAD-Stipendium, weil sie über die Behandlung psychisch Kranker in China forschen wollte. Sie erhielt es, obwohl chinesische Kliniken für Ausländer nach wie vor kaum zugänglich waren. „Die Entscheidungsträger beim DAAD hatten den Mut, ungewöhnliche Projekte zu unterstützen“, sagt sie. Mit Hilfe ihrer Kontakte gelang es ihr dann doch, in verschiedenen Kliniken zu hospitieren. „Dabei habe ich gemerkt, wie sehr die Kollegen sich bemühten, Anschluss an die internationale Entwicklung zu finden.“ Mit Unterstützung einer Hamburger Stiftung organisierte Margarete Haaß-Wiesegart für vier chinesische Psychiater und Psychologen eine Reise nach Deutschland, bei der die Idee zu einem deutsch-chinesischen Symposium in China entstand.
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In Shanghai: Margarete Haaß-Wiesegart auf einer Arbeitssitzung der Deutsch-Chinesischen Akademie für Psychotherapie
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| © privat |
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Erfolgreiche Symposien in China
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Eigentlich hatte die Psychotherapeutin für Verhaltens- und systemische Paar- und Familientherapie in diesen Jahren mehr als genug zu tun: 1985 zog Margarete Haaß-Wiesegart wieder in ihre Heimatregion in Baden-Württemberg. In Hirschberg an der Bergstraße eröffnete sie die Praxis, in der sie heute noch tätig ist. Zwei Jahre später wurde das erste ihrer beiden Kinder geboren. Trotzdem schaffte sie es, das Symposium zu organisieren, das 1988 in Kunming stattfand und zu dem mehr als hundert Teilnehmer aus ganz China anreisten. Zwei weitere Symposien folgten. Bei allen Aktivitäten achtete Haaß-Wiesegart darauf, dass die jeweiligen lokalen Autoritäten eingeladen wurden. Dass es nie Schwierigkeiten mit den Behörden gab, ist wohl auch ihrer freundlich-beharrlichen Art zu verdanken.
Bei den Symposien zeigte sich, wie groß in China der Bedarf an einem psychotherapeutischen Ausbildungsprogramm nach internationalen Standards war. Gemeinsam mit Professor Wan Wen Peng vom Medizinischen Institut Kunming rief Margarete Haaß-Wiesegart die Deutsch-Chinesische Akademie für Psychotherapie (DCAP) ins Leben, die 1997 ihre Arbeit aufnahm. Bis heute wurden dort bereits rund 1.500 Therapeuten ausgebildet, viele von ihnen haben leitende Positionen erreicht.
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Hohe Auszeichnung: Margarete Haaß-Wiesegart erhält das Bundesverdienstkreuz von der baden-württembergischen Sozialministerin Katrin Altpeter
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| © Weinheimer Nachrichten |
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Gegensatz zwischen Tradition und Moderne
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Bei ihren ersten Chinareisen lernte Margarete Haaß-Wiesegart Menschen kennen, die durch Krieg, Bürgerkrieg und Kulturrevolution traumatisiert waren. Auch heute seien psychische Probleme in China sehr verbreitet, sagt sie: „Das Land hat eine Entwicklung im Zeitraffer durchgemacht, viele Menschen sind mit den Veränderungen überfordert.“ Die Einkindpolitik habe die Familienstrukturen verwandelt, Millionen von Kindern und Jugendlichen litten unter Leistungsdruck. Die Städte seien weitgehend neu gebaut worden, auf dem Land sei der Gegensatz zwischen Tradition und Moderne extrem. Immerhin, sagt Haaß-Wiesegart, habe sich die Politik auf die Probleme eingestellt: „Inzwischen wird die Entwicklung von Psychotherapie von staatlicher Seite gefördert.“
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Buchveröffentlichung Erst vor kurzem hat Margarete Haaß-Wiesegart ein Buch über den deutsch-chinesischen Austausch in der Psychotherapie veröffentlicht: Fritz B. Simon, Margarete Haaß-Wiesegart und Xudong Zhao: „Zhong De Ban“ oder: Wie die Psychotherapie nach China kam. Geschichte und Analyse eines interkulturellen Abenteuers. Carl-Auer-Verlag, Heidelberg 2011, 250 Seiten.
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Autorin: Miriam Hoffmeyer |
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Veröffentlichungsdatum: 02.03.2012 |
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© DAAD |
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