25 Jahre ERASMUS
Europa in Bewegung
Eine europäische Erfolgsgeschichte: Fast drei Millionen Frauen und Männer haben dank des EU-Bildungsprogramms in den vergangenen 25 Jahren einen Studienaufenthalt oder ein Praktikum in einem anderen europäischen Land absolvieren können. 4.000 Hochschulen in 33 Ländern beteiligen sich heute an ERASMUS und geben Studierenden und Dozenten die Möglichkeit neue Erfahrungen zu sammeln, ihren Blick für Europa zu schärfen und ganz nebenbei viel dafür zu tun, dass Europa zusammenwächst.
Das Semester in Valladolid hat Valerija Schwarz verändert. Selbstständiger und offener sei sie geworden, erzählt die 23-Jährige, die in Köln Romanistik und Germanistik studiert: „Man könnte sagen, dass ich durstiger geworden bin nach dem Neuen und Unbekannten, während ich vorher schlecht mit Veränderungen umgehen konnte.“ Das ERASMUS-Stipendium sei für sie eine einmalige Chance gewesen, meint Schwarz: „Wenn man erst im Beruf steht, ist es nicht mehr so leicht möglich, eine Zeit lang ins Ausland zu gehen.“

Anne Keilig:
Anne Keilig: "Unvergessliche Zeit"
© Anne Keilig
Auch Anne Keilig, die sich als Referentin im Bundesministerium für Bildung und Forschung mit internationaler Bildungszusammenarbeit befasst, erzählt begeistert von der „unvergesslichen Zeit“ als ERASMUS-Stipendiatin in Lyon. „Da sind viele Freundschaften entstanden! Ein großer Vorteil im Auslandsjahr ist die größere Gestaltungsfreiheit, man ist nicht so eng in Strukturen eingebunden wie an der Heimathochschule“, sagt die 29-jährige Kulturwissenschaftlerin. Deshalb konnte sie neben ihrem Studium zum Beispiel am Goethe-Institut und anderen deutsch-französischen Einrichtungen arbeiten. „Diese grenzüberschreitende Erfahrung hat mir dann beim Berufseinstieg sehr geholfen.“

2,5 Millionen ERASMUS-Alumni
Das ERASMUS-Programm feiert 2012 den 25. Jahrestag seines Bestehens. 1987 hatten die damals zwölf Staaten der Europäischen Gemeinschaft das Austauschprogramm ins Leben gerufen, im selben Jahr wurden in Deutschland die ersten 650 Stipendien vergeben. Rasch entwickelte sich ERASMUS zum bekanntesten europäischen Bildungs- und Mobilitätsprogramm. Allein im akademischen Jahr 2011/2012 gehen europaweit voraussichtlich rund 250.000 Studierende und Hochschulangestellte mit ERASMUS ins Ausland. Sie hatten die Wahl zwischen rund 4.000 Hochschulen in 33 Ländern – neben den 27 EU-Staaten gehören Kroatien, die Schweiz, Liechtenstein, Norwegen, Island und die Türkei dazu. Insgesamt haben schon rund 2,5 Millionen Studierende an dem Austauschprogramm teilgenommen.

Valerija Schwarz: Nach der Rückkehr ERASMUS-Zweigstelle gegründet
Valerija Schwarz: Nach der Rückkehr ERASMUS-Zweigstelle gegründet
© Valerija Schwarz
„Internationale Erfahrung ist heute etwas Selbstverständliches, das ist zu einem großen Teil ERASMUS zu verdanken“, sagt Dr. Siegbert Wuttig, Leiter der Nationalen Agentur für EU-Hochschulzusammenarbeit im DAAD. Die Auslandsaufenthalte hätten nicht nur die persönliche und berufliche Entwicklung der Teilnehmer befördert, sondern auch die Internationalisierung der Hochschulen: „Die Massenmobilität hat die Hochschulen gefordert, sich zu internationalisieren und ihre Strukturen anzupassen. Sie haben Auslandsämter auf- oder ausgebaut und sich mit ausländischen Hochschulen zusammengeschlossen. Da hat sich viel bewegt.“ Auch auf der Ebene der studentischen Organisationen: Valerija Schwarz gründete direkt nach ihrer Rückkehr aus Spanien an ihrer Universität eine Zweigstelle des „ERASMUS Student Network“. Dort organisiert sie Beratungsangebote, Ausflüge und natürlich auch Partys für die ausländischen Stipendiaten, die nach Köln kommen. „Das kostet viel Zeit, macht aber großen Spaß, weil ich dadurch ständig mit Menschen aus verschiedenen Kulturen zu tun habe.“

Mehr Mobilität für Hochschullehrer
2007 wurde ERASMUS in das EU-Programm für lebenslanges Lernen integriert. Seither werden auch Unternehmenspraktika für Studierende, Fortbildungen für Mitarbeiter der Hochschulverwaltungen und Lehrtätigkeiten von Dozenten aus der freien Wirtschaft gefördert. Ein Schwerpunkt in den vergangenen Jahren sei es gewesen, die Mobilität der Hochschullehrer zu erhöhen, erklärt Siegbert Wuttig. „Wenn man Studierende über die Grenzen bringen will, braucht man Dozenten, die das vorleben und ihre positiven Erfahrungen weitergeben. Diese Investition in Multiplikatoren ist sehr wichtig.“ So könne man auch mehr deutsche Studierende dazu bewegen, nicht nur die beliebtesten Zielländer Großbritannien, Spanien und Frankreich anzusteuern, sondern zum Beispiel auch Polen, Lettland oder Malta. Ein nicht beabsichtigter, aber bemerkenswerter Nebeneffekt des Austauschprogramms, meint Wuttig, seien übrigens die vielen internationalen Ehen, die durch ERASMUS entstanden seien: „Auch so wächst Europa zusammen!“


© Europäische Kommission
"ERASMUS für alle"
In den kommenden Jahren soll sich das Programm weiterentwickeln. Unter dem Schlagwort „ERASMUS für alle“ ist vorgesehen, die Fördermöglichkeiten erheblich zu erweitern: So soll zwischen 2014 und 2020 für bis zu fünf Millionen Menschen aus verschiedenen Bildungsbereichen ein Auslandsaufenthalt möglich werden. Zudem plant die EU-Kommission, den Austausch auf Länder außerhalb Europas auszuweiten. „Das ist ein sehr spannendes Thema, wir unterstützen das. Das Programm gewinnt so an Attraktivität“, sagt Siegbert Wuttig. Nicht zuletzt sollen einige veraltete Regelungen von 1987 modifiziert werden. So ist es beispielsweise bisher noch nicht möglich, dass dieselbe Person sowohl im Bachelor- als auch im Masterstudium ein ERASMUS-Stipendium erhält. Künftig könnten sogar komplette Masterstudiengänge im Ausland mit Darlehen gefördert werden.

Zur Feier des Jubiläums findet Mitte Juni die ERASMUS-Jahrestagung des DAAD in Bonn mit dem Titel „Europa in Bewegung – 25 Jahre ERASMUS“ statt, zu der bis zu 400 Gäste aus Wissenschaft und Politik erwartet werden. Dort wird auch der 400.000. deutsche ERASMUS-Student vorgestellt. Geplant sind außerdem acht Regionalkonferenzen, um das Programm einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren, und zwei Publikationen: eine wissenschaftliche Bilanz sowie eine Sammlung biographischer Skizzen von ERASMUS-Alumni, die als Künstler, Manager oder Politiker bekannt geworden sind.

Das DAAD-Online-Magazin stellt aus Anlass des Jubiläums in loser Folge eine Auswahl dieser ERASMUS-Alumni in einer Serie vor.

Autorin: Miriam Hoffmeyer
Veröffentlichungsdatum: 28.02.2012
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