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Erfolgreicher Jungingenieur
Hamburger Höchstleistungen
Er verbindet berufliche Ambitionen mit sportlichem Ehrgeiz: Carlos Andrés Izquierdo Ramírez hat sich erfolgreich um einen Platz im kolumbianischen Jungingenieur-Programm des DAAD beworben. Zielstrebigkeit ist auch bei seiner besonderen Leidenschaft gefragt: Als Hochspringer sorgt Carlos derzeit in der norddeutschen Metropole Hamburg für Furore.
Ambitionierter Hochspringer: Carlos Izquierdos Bestmarke liegt bei 2,15 Meter
Ambitionierter Hochspringer: Carlos Izquierdos Bestmarke liegt bei 2,15 Meter
© Anne Pamperin
„Vamos!“, ruft Carlos Andrés Izquierdo Ramírez. Den Anfeuerungsruf, der soviel wie „Los geht’s“ bedeutet, nimmt der 22-jährige Kolumbianer wörtlich. Er klopft sich noch zweimal auf die Oberschenkel – und läuft los. Es folgen ein kräftiger Absprung und ein Satz über die Hochsprunglatte. Die Norddeutschen Meisterschaften in der Hamburger Leichtathletikhalle sind für den kolumbianischen Jugendmeister von 2010 der sportliche Höhepunkt in der Hallensaison. Und mit einer persönlichen Bestmarke von 2,15 Metern ist er sogar ein Medaillenkandidat. Doch das klappt an diesem Februarwochenende 2012 nicht, der 1,90 Meter große Athlet überspringt 2,01 Meter und wird damit Vierter. Drei Zentimeter mehr hätten zur Bronzemedaille gereicht.

Jungingenieur Carlos: Stuttgart als neues Ziel
Jungingenieur Carlos: Stuttgart als neues Ziel
© Anne Pamperin
Von der Universidad del Valle an die TU Hamburg-Harburg
Doch Carlos’ Erfolge in Deutschland sind mehr als beachtlich. Unlängst gewann er beim Hallenmeeting des populären Hamburger Sport-Vereins (HSV) den Wettbewerb der Männer mit einer übersprungenen Höhe von 2,04 Meter. Bei den anschließenden Hallenmeisterschaften der Landesverbände Hamburg und Schleswig-Holstein holte er mit derselben Leistung die einzige Goldmedaille seines aktuellen Vereins LG Alsternord – und das trotz eines ambitionierten Studiums. „Ich studiere in Kolumbien Maschinenbau und mache gerade ein Auslandsjahr“, erzählt der Student der Universidad del Valle in Cali. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) ermöglicht ihm die Studienerfahrung in Deutschland im Rahmen seines Programms für Jungingenieure. Dazu gehören neben einem Semester an der Technischen Universität Hamburg-Harburg auch ein Deutschkurs und ein viermonatiges Praktikum. „Das werde ich ab März in Stuttgart bei der Firma Bosch machen. In Hamburg habe ich leider keinen Platz gefunden“, sagt er. Dem Unterricht an der Universität kann er ohne Probleme gut folgen: „Ich hatte schon in Kolumbien pro Woche neun Stunden Sprachunterricht“, berichtet er in sehr gutem Deutsch. Mit der Mentalität der Deutschen kommt der Kolumbianer auch gut zurecht, obwohl er große Unterschiede zu seinen Landsleuten feststellt: „Die Menschen hier sind freundlich, aber sehr zurückhaltend.“

Studium und Städtereisen
Carlos’ Eltern und seine drei Jahre jüngere Schwester leben rund 10.000 Kilometer entfernt in Cali, der drittgrößten Stadt Kolumbiens. Die Entfernung ist groß, aber dank der modernen Technik nicht unüberwindbar. „Wir telefonieren regelmäßig mit Skype über das Internet“, so Carlos. Während ihm das Studieren in Hamburg kaum Probleme bereitet, findet er das tägliche Leben ein wenig gewöhnungsbedürftig. „Ich muss ja alleine kochen und meine Wäsche waschen, das hat vorher meine Mutter für mich gemacht“, sagt er schmunzelnd, „das dauert schon ein paar Stunden.“ Zeit für einige Städtereisen hat der aufgeschlossene Student trotzdem gefunden: „Ich war mittlerweile in Amsterdam, Prag, Stettin, Tallinn und Helsinki.“ Das Studium ist dem jungen Südamerikaner äußerst wichtig. Seine Noten waren schon in der Schule gut – ein Grund, warum er das Stipendium des DAAD bekam. „Der DAAD arbeitet mit sechs Hochschulen in Kolumbien zusammen und vergibt jeweils bis zu fünf Plätze für Auslandssemester. Einen davon habe glücklicherweise ich bekommen.“ Außer Carlos studieren zurzeit 28 weitere Stipendiaten aus Kolumbien im Rahmen des Jungingenieur-Programms in Deutschland. Das Programm wird vom DAAD in Kolumbien bereits seit August 2007 angeboten und ist auch in anderen Ländern Lateinamerikas erfolgreich: Neben Argentinien, Brasilien und Chile insbesondere in Mexiko, wo aktuell mit 150 Teilnehmern die größte Zahl an Jungingenieuren gefördert wird.

Sportliches Team: Wolfgang Sass von der LG Alsternord und Carlos Izquierdo
Sportliches Team: Wolfgang Sass von der LG Alsternord und Carlos Izquierdo
© Anne Pamperin
Kontakte im Sportverein geknüpft
Carlos hatte sich bereits Ende 2009 beim DAAD beworben, wenig später begann die Vorbereitung auf sein Deutschlandjahr. Ein willkommener Ausgleich zum täglichen Universitätsalltag ist für den angehenden Diplom-Ingenieur der Sport. Ein wichtiger Schritt – auch, um Kontakte zu knüpfen – war für ihn, sich für die Zeit seines Auslandsaufenthaltes einem Leichtathletikverein anzuschließen. „Ich habe im Internet geguckt, wo man hier trainieren kann und bin einfach zur Hamburger Leichtathletikhalle gefahren“, erinnert sich Carlos. Dort traf er auf die Sportler und Trainer der LG Alsternord, die sich in der Wintersaison in der Halle fit halten. Betreut wird der talentierte Hochspringer nun vom zweiten Vorsitzenden des Vereins, Wolfgang Sass, und von Leichtathletikcoach Jörg Lauenstein. Beide sind traurig, dass Carlos Hamburg nach einem halben Jahr schon wieder verlässt und in Deutschlands Süden zieht. Carlos geht es ähnlich: „Ich wäre gerne noch in Hamburg geblieben. Aber vielleicht komme ich irgendwann wieder zurück.“

Autorin: Anne Pamperin
Veröffentlichungsdatum: 21.02.2012
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