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Deutschlandjahr in Indien
Dynamisches Partnerland
Im Rahmen des Deutschlandjahres „Germany and India 2011-2012: Infinite Opportunities“ geben DAAD, Alexander von Humboldt-Stiftung, DFG und Fraunhofer-Gesellschaft in Indien Einblicke in den Forschungsstandort Deutschland. Indien, der drittgrößte Bildungsmarkt der Welt, ist für den DAAD seit langem ein wichtiges Partnerland: Seit 50 Jahren ist er in Neu-Delhi präsent und fördert Studierende und Wissenschaftler sowie Kooperationen mit indischen Partnerinstitutionen. Die DAAD-Initiative „A New Passage to India“ verleiht dem Austausch seit 2009 neuen Schub.

© "Germany and India 2011-2012: Infinite Opportunities"
Indien bleibt auf Wachstumskurs: Das gilt nicht nur für die Wirtschaft des 1,2-Milliarden-Einwohner-Lands, die sich mit beispielloser Dynamik entwickelt. Auch in Bildung und Wissenschaft setzt Indien auf Expansion. Gemessen an den immatrikulierten Studierenden stellt es heute nach China und den USA den drittgrößten Bildungsmarkt der Welt. 14,6 Millionen junge Frauen und Männer besuchen eine indische Hochschule. Die Immatrikulationsquote liegt damit heute bei 13,8 Prozent. Sie soll – so plant es die indische Regierung – bis 2020 sogar auf 30 Prozent steigen.

Hochqualifiziert: Zahlreiche gut ausgebildete Nachwuchswissenschaftler machen Indien zu einem attraktiven Partnerland
Hochqualifiziert: Zahlreiche gut ausgebildete Nachwuchswissenschaftler machen Indien zu einem attraktiven Partnerland
© DAAD / Volker Lannert
Viel Potenzial für deutsche Hochschulen
Die rasante Entwicklung der Hochschul- und Forschungslandschaft sowie eine exzellent ausgebildete Elite junger Wissenschaftler und Studierender machen Indien mit seinen rund 500 Universitäten und den mittlerweile 15 hochkarätigen „Indian Institutes of Technology“ (IITs) zu einem spannenden Partner. „Das stark expandierende indische Hochschulwesen bietet ein enormes Potenzial für die deutschen Hochschulen“, sagt DAAD-Vizepräsident Professor Joybrato Mukherjee. Dabei kann Deutschland auf seine guten Wissenschaftsbeziehungen zu Indien bauen. Seit den 1970er-Jahren gehört Deutschland zu Indiens engsten Forschungspartnern: Eine im Oktober 2011 veröffentlichte Studie der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) belegt, dass Deutschland – gemessen an den Kopublikationen von indischen und internationalen Wissenschaftlern – nach den USA sogar wichtigster Kooperationspartner des Landes ist. Die wissenschaftliche Zusammenarbeit begann mit gemeinsamer Kernenergie- und Weltraumforschung. Heute gehören vor allem die Biowissenschaften, Chemie, Medizin- und Gesundheitsforschung sowie die Gentechnologie und zunehmend auch Klima- und Umweltforschung zu den Schwerpunkten.

60 Jahre diplomatische Beziehungen
Seit 2011 kommen sich Deutschland und Indien noch näher – die Länder feiern noch bis November 2012 sechs Jahrzehnte diplomatische Beziehungen mit einer Vielzahl von Veranstaltungen. Das Deutschlandjahr bietet unter dem Motto „Germany and India 2011-2012: Infinite Opportunities“ auch ein Forum für die Wissenschaft. Mit einer großen Gemeinschaftsaktion beteiligen sich daran im Frühjahr 2012 auch die Alexander von Humboldt-Stiftung, der DAAD, die DFG und die Fraunhofer-Gesellschaft. Als Verbundpartner im Rahmen der Forschungsmarketingkampagne „Research in Germany“ setzen sie eine Reihe aufeinander abgestimmter Veranstaltungen um, die unterschiedliche Zielgruppen der deutsch-indischen Forschungszusammenarbeit im Blick haben. Erklärtes Ziel ist die Steigerung der Sichtbarkeit der deutschen Forschungslandschaft in Indien.

Kooperieren im Rahmen von
Kooperieren im Rahmen von "A New Passage to India": angehende Produktdesigner der FH Hannover und des National Institute of Design in Ahmedabad
© FH Hannover
Marketing für den Bildungs- und Forschungsstandort Deutschland
Der DAAD organisiert vom 18. bis 26. Februar die „German Study & Research Expo India 2012“: 18 deutsche Hochschulen und Forschungsorganisationen stellen sich in Neu-Delhi, Hyderabad und Chennai mit einer jeweils zweitägigen Bildungs- und Karrieremesse für indische Graduierte und Postgraduierte vor. Ein besonderer Clou: Über ein Online-Tool konnten sich Aussteller und interessierte Besucher schon im Vorfeld gezielt für Bewerbungsgespräche – so genannte „PhD Matchmaking Sessions“ – verabreden. Die DFG organisiert vom 20. bis 24. Februar in Neu-Delhi, Hyderabad und Pune eintägige Veranstaltungen im Bereich Lebenswissenschaften. Fraunhofer stellt der indischen Industrie am 5. März in Gurgaon bei Neu-Delhi auf der Fraunhofer Innovation & Technology Platform „City Spaces“ die Gewinner des German High Tech Champions Wettbewerbs im Bereich „Sustainable Transportation“ vor. Und die Humboldt-Stiftung veranstaltet ebenfalls in Gurgaon vom 29. bis 30. März 2012 eine Netzwerk-Konferenz für rund 60 Forscher-Alumni großer deutscher Forschungsförderorganisationen.

Bewusste Entscheidung: Politologie-Studentin Franziska Roscher absolviert einen Masterstudiengang an der University of Mumbai
Bewusste Entscheidung: Politologie-Studentin Franziska Roscher absolviert einen Masterstudiengang an der University of Mumbai
© privat
Erfolgreiche Initiative „A New Passage to India“
Für den DAAD ist Indien bei Weitem kein Neuland. Schon seit 1960 zeigt er in Indien Präsenz und unterhält heute neben der Außenstelle in Neu-Delhi Informationszentren in Chennai und Pune sowie Information Points in Bangalore und Mumbai. 220 indische Wissenschaftler und Hochschullehrer und 1.086 indische Studierende und Graduierte hielten sich 2010 mit einem DAAD-Stipendium in Deutschland auf. Insgesamt studierten in dem Jahr 4.070 Inderinnen und Inder in Deutschland – und damit fast viermal so viele wie noch vor zehn Jahren. 2011 ist die Zahl um 24 Prozent auf 5.038 weiter gestiegen. Ihnen stehen allerdings sehr viel weniger in Indien studierende Deutsche gegenüber. Auch aus diesem Grund startete der DAAD 2009 die Initiative „A New Passage to India“, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird. Ihr Ziel ist es, mehr deutsche Akademiker mit Indien-Kompetenz zu gewinnen. Das Programm sieht Förderlinien für Studierende, Hochschullehrer und deutsche Hochschulen vor. „Die Initiative ,A New Passage to India’ hat in kurzer Zeit der Mobilität deutscher Nachwuchswissenschaftler einen bemerkenswerten Schub verliehen“, sagt Heike Mock, Leiterin des Referats Südasien im DAAD. Für 2008 waren in der DAAD-Statistik noch 431 geförderte Deutsche verzeichnet, 2010 waren es mit 1.000 Geförderten schon mehr als doppelt so viele. Eine von ihnen ist die Politologie-Studentin Franziska Roscher aus dem Saarland. Sie hat sich bewusst für eine staatliche indische Hochschule entschieden und absolviert nun einen Masterstudiengang an der University of Mumbai. „Ich bin die einzige Ausländerin an der Fakultät und war für viele anfangs ein Kuriosum“, sagt sie. Das Studieren in Indien sei in Vielem ungewohnt und stecke immer voller Überraschungen. „Aber: Eine bessere Gelegenheit, die aufstrebende Wirtschafts- und Weltmacht Indien kennenzulernen, gibt es nicht.“

Botschafter: die Crew 2011/2012 der indischen DAAD Young Ambassadors
Botschafter: die Crew 2011/2012 der indischen DAAD Young Ambassadors
© DAAD
Neue Wege in der Forschungskooperation
Im Rahmen der Initiative „A New Passage to India“ nahm 2010 auch das Deutsch-Indische Zentrum für Nachhaltigkeitsforschung am IIT Madras in Chennai (IGCS) die Arbeit auf. Hier erhalten deutsche Wissenschaftler die Möglichkeit, längere Zeit in den Feldern Energie, Wasser, Landnutzung und Abfallwirtschaft zu lehren und zu forschen und ein entsprechendes deutsch-indisches Forschungsnetzwerk aufzubauen. Angesiedelt an einer herausragenden indischen Hochschule mit traditionell engen Beziehungen zu Deutschland soll das Zentrum nicht nur die Stärke der deutschen Forschung widerspiegeln, sondern mit seinem interdisziplinären Ansatz auch deutliche Akzente in der deutsch-indischen Forschungskooperation setzen. Und Deutschland und Indien kommen sich so noch einen entscheidenden Schritt näher.

Weitere Informationen
„Länderprofil Indien“
Mehr Information über die vielen Facetten der deutsch-indischen Hochschul- und Wissenschaftszusammenarbeit bietet das Ende 2011 erschienene „Länderprofil Indien“ des Hochschulkonsortiums GATE-Germany
Autorin: Janet Schayan
Veröffentlichungsdatum: 17.02.2012
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