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Deutsch-Ägyptischer Austausch
"Wir leben in einer komplizierten Zeit"
Den Wandel begleiten, die Zukunft gestalten: Der aktuelle, tiefgreifende Umbruch in Ägypten betrifft auch die Bildung. Zum zehnten Jahrestag der Gründung der German University in Cairo (GUC) informierten sich ägyptische Journalisten in der Bonner DAAD-Zentrale über das deutsche Hochschulwesen.
„Ich hoffe, die Hochschulen in Ägypten werden künftig so strukturiert sein, wie die deutschen”, sagte Mohammed Habib. Der stellvertretende Chefredakteur der größten ägyptischen Tageszeitung „Al-Ahram“ hat sich zusammen mit einem Dutzend Kolleginnen und Kollegen in der Bonner Zentrale des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) von Experten für das deutsche Bildungssystem darüber informieren lassen, wie die Hochschulen hierzulande es schaffen, ihre Autonomie gegenüber der Politik zu wahren, obwohl sie ihre finanzielle Unterstützung von den Kultusministern der Länder erhalten.

Informativer Austausch: Ägyptische Journalisten und Akademiker während des Treffens in Bonn
Informativer Austausch: Ägyptische Journalisten und Akademiker während des Treffens in Bonn
© DAAD / Jörg Heupel
Reform der Hochschulgesetzgebung
Auch DAAD-Generalsekretärin Dorothea Rüland legte den Besuchern dar, wie der Austauschdienst die Unabhängigkeit von seinen Geldgebern, unter anderem dem Auswärtigen Amt, dem Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, wahrt. Es gebe zwar Strategiegespräche mit den Ministerien, erklärte Rüland den ägyptischen Gästen, in seinen Entscheidungen sei der DAAD aber autonom. Als Beispiel führte sie an: Jedes Stipendium vergebe eine Kommission aus Hochschullehrern. „Darum ist keine Korruption möglich.“ Demokratische Strukturen und Autonomie in den Hochschulen – dazu wünscht sich Mohammed Habib eine föderale Gliederung seines Landes. In vielen Bereichen sei Ägypten zu stark zentralisiert, sagt der Journalist der regierungsnahen Zeitung. Das Interesse der ägyptischen Delegation an der deutschen Hochschullandschaft hat durchaus Aktualität in Ägypten, wird dort doch gerade an einem Entwurf für die Reform der Hochschulgesetzgebung gearbeitet.

GUC-Gründer Ashraf Mansour:
GUC-Gründer Ashraf Mansour: "Deutschland mit den Augen eines Liebhabers zeigen"
© DAAD / Jörg Heupel
Neue Impulse durch die Transformationspartnerschaft
Delegationsleiter Ashraf Mansour, der Gründer der German University in Cairo (GUC) und Vorsitzende ihres Board of Trustees, regte einen Workshop mit internationalen Fachleuten zu diesem Thema an seiner Hochschule an. Es sei eine gute Gelegenheit, von den Erfahrungen anderer Länder zu profitieren. „Armut ist keine Schande für ein Land“, sagte der Wissenschaftler, „es ist aber eine Schande, wenn wir den Menschen in Ägypten keine gute Bildung bieten“. Zusätzliche Hilfe für die ägyptischen Hochschulen kommt jetzt aus Deutschland. „Das Auswärtige Amt hält es für wichtig, die Kooperation mit ägyptischen Hochschulen zu unterstützen – gerade in der jetzigen Situation“, sagte Dorothea Rüland mit Blick auf den Umbruch in dem nordafrikanischen Land: Dafür stehen im Rahmen einer „Transformationspartnerschaft“ mehrere Millionen Euro zur Verfügung. Mohammed Habib und seine Kollegen reisen mit einer Delegation aus Hochschulvertretern und Studierenden der GUC durch Deutschland. Seit 2005 organisiert die GUC regelmäßig Veranstaltungen im Rahmen ihres Programms „Deutschlands beste Seiten“ zu Themen aus Wissenschaft und Kultur. „Dabei wollen wir den Teilnehmern Deutschland mit den Augen eines Liebhabers zeigen“, sagt Mansour.

Blicke in die Zukunft: Teilnehmerinnen der Gespräche in der Bonner DAAD-Zentrale
Blicke in die Zukunft: Teilnehmerinnen der Gespräche in der Bonner DAAD-Zentrale
© DAAD / Jörg Heupel
Zehn Jahre GUC – eine Erfolgsgeschichte
Die Verbindungen des DAAD zu Ägypten sind eng, in Kairo betreibt er seine älteste Außenstelle – seit 1960. Und auch zur GUC bestehen feste Bande, sagte Dorothea Rüland vor den Teilnehmern der ägyptischen Delegation: „Der DAAD hat die Universität seit der Grundsteinlegung begleitet.“ Vor zehn Jahren öffnete die deutsch-ägyptische Universität ihre Türen. Die Reise ist auch Teil der Feierlichkeiten zum Jubiläum. „Die GUC ist das mit Abstand größte Projekt weltweit, mit dem der DAAD zusammenarbeitet“, erklärte Rüland. Über die Hälfte der aktuell rund 9.000 Studenten lernt die deutsche Sprache. Heute bietet die Hochschule 71 Bachelor- und Masterprogramme an und gehört zu den erfolgreichsten des Landes. Für jeden Studienplatz kann sie aus fünf bis sieben Bewerbern wählen – trotz strenger Aufnahmeprüfungen und Studiengebühren von umgerechnet mehreren tausend Euro. Um auch weniger gut bemittelten Bewerbern ein Studium zu ermöglichen, hat die Hochschule umfangreiche Stipendien- und Sozialprogramme aufgelegt. Fast die Hälfte der Studierenden profitiere davon, sagte die für Studentenangelegenheiten zuständige Vizepräsidentin der Kairoer Hochschule Laila Mahran.

Einen Schatten warfen die jüngsten Ereignisse in Ägypten auf die Reise. Auch ein Student der GUC war unter den Toten der Unruhen in Port Said am 1. Februar 2012. „Wir leben in einer komplizierten Zeit“, sagte GUC-Studentin Dina Bahgat Saad. Auf die Studierenden komme für die Zukunft des Landes viel Verantwortung zu. Das sieht auch Ashraf Mansour so: „Wir bilden die Ingenieure und Führungskräfte aus, die Ägypten für den Aufbau braucht.“

Autor: Joachim Budde
Veröffentlichungsdatum: 10.02.2012
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