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Alumni-Veranstaltung in Brüssel
Zusammenwachsen durch Austausch
Vernetzung sieht Maciej Popowski als wichtige Aufgabe der europäischen Außenpolitik. Der stellvertretende Generalsekretär des Europäischen Auswärtigen Dienstes und DAAD-Alumnus hielt auf Einladung des DAAD und der deutschen Botschaft einen Festvortrag in der Deutschen Botschaft in Brüssel. Zu Gast waren zahlreiche deutsche und europäische DAAD-Alumni aus dem Umfeld der Europäischen Union – der vitale Beleg, wie ein gut funktionierendes Netzwerk kluge Köpfe über Ländergrenzen hinweg verbindet.
In der Deutschen Botschaft in Brüssel: Maciej Popowski, Dorothea Rüland und Eckart Cuntz
In der Deutschen Botschaft in Brüssel: Maciej Popowski, Dorothea Rüland und Eckart Cuntz
© Jock Fistick / laif
Von einem verlorenen Sohn zu sprechen, wäre zu dick aufgetragen. Und doch: Ganz falsch ist das Bild nicht. „Ich danke Ihnen, dass Sie mich nach mehr als 20 Jahren wieder in den Kreis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes aufnehmen“, begrüßt Maciej Popowski an diesem Februarabend in der Deutschen Botschaft in Brüssel die Alumnae und Alumni – wie sie die Generalsekretärin des DAAD, Dorothea Rüland, zuvor nicht nur politisch, sondern auch lateinisch korrekt eingeführt hat. Der DAAD hat Popowski, vor mehr als 20 Jahren ein junger polnischer Stipendiat am Germanistischen Seminar der Universität Siegen und heute stellvertretender Generalsekretär des Europäischen Auswärtigen Dienstes der EU, als Festredner geladen. „Uns allen liegt die Zusammenarbeit auf europäischer Ebene am Herzen“, betont Rüland. DAAD-Alumni aus ganz Europa hier in Brüssel miteinander zu vernetzen, ist das Ziel dieser Veranstaltung.

„Die Einladung habe ich natürlich gerne angenommen“, sagt Popowski. Schließlich fühlt sich der 47-Jährige dem DAAD immer noch verbunden – auch wenn er ihn in den vergangenen 20 Jahren, nachdem er sich für eine Karriere als Diplomat entschieden hatte, etwas aus den Augen verloren hat. „Außerdem haben wir durchaus noch einigen Nachbesserungsbedarf, wenn es um die Sichtbarkeit des Europäischen Auswärtigen Dienstes geht.“ Wie hätte er also eine Festrede vor einem gut gefüllten Saal voller DAAD-Alumnae und -Alumni aus Deutschland und zahlreichen anderen europäischen Ländern zu „Aktuellen Themen der Europäischen Außenpolitik – Welche Gestaltungsrolle für den Europäischen Auswärtigen Dienst?“ ausschlagen können, sagt er mit einem Augenzwinkern. Auch wenn es schwer fallen dürfte die Zuhörer mit diesem Thema in festliche Stimmung zu versetzen, wie es eine „Festrede“ doch eigentlich tun sollte, warnt er gleich vorab.

Maciej Popowski:
Maciej Popowski: "Die Einladung habe ich natürlich gerne angenommen"
© Jock Fistick / laif
Ein Testfall für den Europäischen Auswärtigen Dienst
Aber darum geht es Popowski auch gar nicht. Er will sein Publikum überzeugen, dass der Europäische Auswärtige Dienst nach einem Jahr Tätigkeit allen Grund dafür hat, zufrieden zu sein. Das ist keineswegs eine selbstverständliche Erkenntnis. Schließlich haben die internationalen Medien dem Europäischen Auswärtigen Dienst ein nicht nur positives Zeugnis ausgestellt. Zu zögerlich habe dieser auf die Arabellion, die Umwälzungen in der arabischen Welt, reagiert. Unfair findet Popowski diese Einschätzung. Schließlich seien alle, nicht nur der neue Auswärtige Dienst von den Ereignissen in Ägypten, Tunesien oder Libyen überrascht worden. Ein Testfall, das sei der arabische Frühling für den Europäischen Auswärtigen Dienst jedoch in der Tat gewesen, sagt der Stellvertretende Generalsekretär weiter. „Wir mussten ein Gefühl dafür entwickeln, welchen Spielraum uns die Staaten geben.“ Das hätten sie nun. Letztlich habe der Auswärtige Dienst schnell auf die Umwälzungen reagiert. Nicht zuletzt habe die EU rascher als andere eine eigene Vertretung im von den Aufständischen dominierten Bengasi in Libyen eröffnet. Insbesondere beim Aufbau der Zivilgesellschaft soll sie auch in der Zukunft eine wichtige Rolle spielen, sagt Popowski. Getreu dem Prinzip „mehr für mehr“ – mehr Unterstützung für mehr Reformen – werde der Auswärtige Dienst diesen Weg weiter beschreiten. Eine neue EU-Stiftung für Demokratie in der arabischen Welt solle dazu einen wichtigen Beitrag leisten.

Engagierte Diskussion: Nina Salden und Siegbert Wuttig von der EU-Abteilung des DAAD
Engagierte Diskussion: Nina Salden und Siegbert Wuttig von der EU-Abteilung des DAAD
© Jock Fistick / laif
Vernetzung als Kernaufgabe
Besser werden, das bestreitet auch Popowski nicht, muss allerdings noch die Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten: „Wir können ihnen nichts aufzwingen, wir müssen sie von einer gemeinsamen Strategie, gemeinsamen Inhalten der EU-Außenpolitik überzeugen.“ Mit dem Austauschen der Namensschilder an den Vertretungen der EU allein sei es beim Aufbau des Europäischen Auswärtigen Dienstes nicht getan. Die Vernetzung des neuen Dienstes mit den außenpolitischen Vertretungen der EU-Staaten habe eben erst begonnen. So ist Popowski nach mehr als 20 Jahren dort, wo er begonnen hat. Schließlich ist es eine Kernaufgabe des DAAD, Studierende und Länder miteinander zu vernetzen, wie nicht nur DAAD-Generalsekretärin Dorothea Rüland, sondern auch der Gastgeber des Abends, der Deutsche Botschafter in Belgien, Eckart Cuntz, betonen. Auch nach 25 Jahren europäischer Austauschprogramme gebe es hier immer noch genug zu tun – auch damit die Europäische Union und mit ihr der Europäische Auswärtige Dienst weiter zusammenwachsen. Dass die Arbeit des DAAD dabei durchaus erfolgreich sei, zeige ein Blick in den Zuhörersaal, sagt Rüland. Die zahlreichen Mitarbeiter in der und um die EU im Publikum legten Zeugnis ab für die Dynamik der europäischen Alumni des DAAD.

Autor: Hendrik Kafsack
Veröffentlichungsdatum: 06.02.2012
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