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Workshop
Die Pioniere
Die ersten Stipendiaten des neu aufgelegten Programms KurdDAAD trafen sich zu einem Workshop in Berlin. Auf dem Programm standen unter anderem Tipps zum Einstieg ins deutsche Hochschulsystem insbesondere für Bewerbungen bei Universitäten und Professoren.
Teilnehmer beim Workshop in Berlin
Teilnehmer beim Workshop in Berlin
© Georg Roske
Alles fängt an diesem Morgen damit an, dass die Runde sich einigen muss, welches die offizielle Sprache des Workshops sein soll. Kurdisch wäre für die Studenten natürlich am einfachsten, das ist schließlich ihre Muttersprache. Aber Kurdisch beherrschen weder die Referenten, die erwartet werden, noch Workshopleiter Alexander Haridi vom DAAD. Also: Soll es Englisch sein oder geht doch schon Deutsch? Qader Saleem Shammo, Historiker aus Dohuk, lehnt sich lässig in seinem Stuhl zurück: „Deutsch!“ Er sieht da kein Problem. Rawa Anwer Hamad Ameen, einer der jüngsten und in tadellosem dunkelblauen Business-Zwirn der eleganteste der Runde, findet den Schwung des selbstbewussten Mitstipendiaten etwas übertrieben. Und wie der Programmierer aus Erbil sehen es die meisten der 14 Studenten – allesamt Männer – in diesem Konferenzraum eines Berliner Hotels. Schließlich geht es darum, in anderthalb Tagen möglichst viel über das deutsche Universitätssystem zu lernen. Insbesondere darüber, wie man sich in diesen Betrieb einfädelt, ohne unter die Räder zu geraten. Da sollte die sprachliche Hürde so niedrig wie möglich sein. Alexander Haridi schlägt schließlich vor, dass er die Veranstaltung auf Deutsch leitet, es aber immer auch Übersetzungen geben wird. Alle sind einverstanden. Damit ist das erste Problem gelöst – es werden noch eine Menge folgen bei diesem Treffen. Aber genau deswegen sind die Studenten ja hier: Weil sie Fragen haben, die dringend beantwortet werden müssen.


Ein Projekt mit ungewissem Ausgang
Die Männer – die jüngsten Mitte 20, die ältesten Ende 30 Jahre alt – sind die ersten Stipendiaten des neu aufgelegten Programms KurdDAAD, einer Kooperation des kurdischen Hochschulministeriums, das das Fortbildungsangebot auch komplett finanziert, und des DAAD, der für die Organisation und Betreuung der Studenten verantwortlich zeichnet. Die Studenten – vom Sportwissenschaftler bis zum Psychologen, vom Historiker bis zum IT-Fachmann – sind aus Göttingen und Marburg, Frankfurt und Mannheim nach Berlin angereist. Ihrer akademischen Weiterbildung gehen sie in diesen westdeutschen Hochschulstädten allerdings noch nicht nach. Seit sie im Oktober nach Deutschland gekommen sind, ist ihre Hauptbeschäftigung Deutschunterricht. In mehrmonatigen Intensivkursen geht es bis zum Frühjahr für sie darum, sich die Sprache des Landes anzueignen, in dem sie als Magisterstudenten die nachfolgenden zwei, als Doktoranden die nächsten drei Jahre studieren möchten. Dieser Crashkurs ist ein anspruchsvolles Unternehmen, denn die meisten hatten zuvor keine Berührung mit der deutschen Sprache, abgesehen von einem Einführungskurs in Erbil.

Das KurdDAAD-Stipendium insgesamt ist ein Experiment, die für den ersten Durchlauf vom Ministerium und dem DAAD ausgewählten Stipendiaten sind zugleich Pfadfinder und Versuchskaninchen. Vornehmer könnte man auch sagen: Pioniere und Probanden. Beim DAAD ist es normalerweise Voraussetzung für die Förderung, dass ein Student bereits an einer Universität zugelassen ist. Diese 14 Nachwuchsakademiker jedoch haben – bis auf wenige Ausnahmen – bislang weder konkrete Kontakte zu Universitäten noch zu potentiellen Doktorvätern. Ob ihre akademische Qualifikation und ihre Ambitionen mit den Angeboten und Anforderungen der deutschen Hochschulen kompatibel sind, ist ungewiss. Alexander Haridi bekennt, dass das gesamte Projekt ein Unterfangen mit viel Risiko ist. Aber auch eine spannende Herausforderung. Und der DAAD versucht, so gut wie möglich zu helfen. Gerade wird ein zweiter mehrmonatiger Kurs zusammengestellt, der sich an den Deutschunterricht anschließen wird. In diesem Modul sollen die Studenten ihr Englisch noch einmal verbessern und Methoden wissenschaftlichen Arbeitens vertiefen. Parallel müssen sie im Frühjahr die entscheidende Herausforderung angehen: sich bei Universitäten und Professoren bewerben.


Die Chance eine Nische zu besetzen
Als Pioniere im KurdDAAD-Programm profitieren die Studenten davon, dass die Anforderungsprofile noch durchlässig und das akademische Einstiegsniveau nicht zu hoch ist; andererseits können sie nicht auf Erfahrungen früherer KurdDAAD-Jahrgänge zurückgreifen. Wenn alles gut geht, werden sie selbst eines Tages nachfolgenden Jahrgängen mit ihren Kenntnissen helfen und Tipps geben können.
Daran, dass es gut gehen wird, zweifeln weder Rawa noch Qader noch die anderen. Auch was ihre Motivation betrifft, sich für Deutschland und gegen das bei vielen ihrer Kommilitonen zu Hause beliebte Großbritannien zu entscheiden, argumentieren die Männer unabhängig von Alter und Fachrichtung sehr ähnlich: Deutschland sehen sie als Chance, in ihrem jeweiligen Spezialgebiet eine Nische zu besetzen und sich ein deutsch-kurdisches Netzwerk aufzubauen. Außerdem betrachten viele die Qualität des Unterrichts in Großbritannien skeptisch und unken, den dortigen Universitäten ginge es doch nur darum, die enorm hohen Gebühren zu kassieren. In Deutschland besteht diese Gefahr bekanntlich nicht: In der Regel liegt der Semesterbeitrag bei 500 Euro. Der Sportwissenschaftler Karzan Kader Mohammed, der an der Kölner Sporthochschule mit einer vergleichenden Studie zu Motorik von Kindergartenkindern in Köln und Sulaimaniyah promovieren will, sagt: „In Deutschland ist das Niveau besser und die Professoren nehmen einen nicht wegen des Geldes, sondern wegen ihres wissenschaftlichen Interesses.“

Schwerpunkt des Berliner Workshops ist es, Tipps für die anstehenden Bewerbungen zu geben. Haridi weist die Studenten immer wieder eindringlich darauf hin, dass der DAAD zwar bei allen Problemen mit Rat und Unterstützung zur Seite steht, dass es aber die Aufgabe eines jeden einzelnen ist, sich um die Zulassung für einen Studienplatz zu kümmern. Er sagt: „Ihr habt hier in Deutschland viele Freiheiten und Wahlmöglichkeiten, aber ihr habt auch viel Verantwortung zu tragen. Und ihr müsst lernen, Probleme selbst zu lösen.“ Gut. Und wie kommt man nun rein ins deutsche Hochschulsystem? Da für die Masterstudenten die Anforderungen andere sind als für die angehenden Doktoranden teilt sich die Gruppe am Nachmittag in zwei Workshops...

Lesen Sie weiter: Den kompletten Artikel finden Sie im PDF anbei.

Autorin: Katrin Weber-Klüver

Download: Kompletter Artikel zum Workshop in Berlin (Dateityp: pdf, Dateigröße: 18375 Bytes)

Veröffentlichungsdatum: 11.01.2012
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