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Bachelor-Plus-Programm
Bachelor plus Ausland
In drei Jahren zum Bachelor – das ist zu kurz, finden die Hochschulen. Eine Alternative ist der Bachelor Plus: Er dauert vier Jahre, hat aber ein volles Auslandsjahr integriert. Der DAAD fördert den XXL-Bachelor mit bis zu 80.000 Euro pro Hochschuljahr.
Um gleich zu Beginn mit einem Vorurteil aufzuräumen: Die Einführung der neuen Studienabschlüsse Bachelor und Master hat nicht zu einer geringeren Mobilität der Studierenden geführt. Rund ein Viertel von ihnen legt einen Auslandsaufenthalt ein – das war vor der Bologna-Reform so und so ist es immer noch. Doch das Ziel, mehr angehenden Akademikern einen Auslandsaufenthalt zu ermöglichen, konnte die Reform noch nicht erreichen.

Begrüßung an der Fachhochschule Hannover: Die Studierenden wollen etwas lernen, egal wie lange es dauert
Begrüßung an der Fachhochschule Hannover: Die Studierenden wollen etwas lernen, egal wie lange es dauert
© FH Hannover
Auslandsjahr fest integriert
Hier setzt das Bachelor-Plus-Programm des DAAD an. Anstatt offiziell das dreijährige Studium zu propagieren, durch die Hintertür aber doch ein viertes Jahr draufzupacken, setzt das Programm von vornherein auf eine Studienzeit von vier Jahren. Im Bachelor Plus ist dafür ein volles Auslandsjahr fest integriert. „Drei plus eins sind nicht gleich vier“, verspricht Claudia Wolf, Leiterin des Referats für Internationalisierung von Studium und Lehre beim DAAD.

65 Studiengänge Bachelor Plus – Erfahrungsaustausch in Bonn
Mitte Dezember trafen sich Vertreter der Hochschulen mit Bachelor-Plus-Studiengängen in Bonn, um ihre Eindrücke auszutauschen. Umfangreiche Erfahrungen mit den Auslandsaufenthalten haben sie noch nicht, weil das Programm erst 2009 gestartet ist und die Studierenden üblicherweise im fünften und sechsten Semester in Ausland gehen. Doch wenn die Nutznießer des Programms aus dem Ausland zurückkehren, wird deren Fazit vermutlich positiv sein. Denn gefördert werden nur Studiengänge, die verbindliche Abmachungen mit den Partnern im Ausland und einen klaren Nutzen für die Studierenden vorweisen.

In der ersten Bewilligungsphase war die Universität Potsdam dabei, die einen Bachelor Plus für Interdisziplinäre Russlandstudien aufgelegt hat. „Der Studiengang ist Teil unserer Internationalisierungsstrategie“, sagt Professor Norbert Franz, der den Studiengang leitet. Für das Auslandsjahr gibt es Vereinbarungen mit zwei Universitäten, wo die Studierenden ein halbes Jahr verbringen. Den zweiten Teil arbeiten sie in Unternehmen oder staatlichen Organisationen. Die Hochschule wolle Generalisten ausbilden mit guten Sprachkenntnissen und interkultureller Kompetenz.

Campus Potsdam: Generalisten mit guten Sprachkentnissen ausbilden
Campus Potsdam: Generalisten mit guten Sprachkentnissen ausbilden
© Universität Potsdam
XXL-Bachelor als Sprungbrett zum Master – Bewerberzahlen steigen
Gute Argumente für den Bachelor Plus hat auch Professor Thomas Iftner, der an der Universität Tübingen den Studiengang Molekulare Medizin aufgebaut hat. 2008 gestartet, war darin ein sechswöchiger Auslandsaufenthalt vorgesehen – „doch das war nicht praktikabel“, gesteht Iftner. Hinzu komme, dass Absolventen eines achtjährigen Gymnasiums und eines dreijährigen Bachelors in den USA nicht für ein Master-Studium zugelassen würden. Mit der Verlängerung des Studiengangs ist dieses Manko nun behoben. 2012 wird noch ein vertiefender Masterstudiengang eingerichtet, der ein Jahr dauert. Die Absolventen haben dann nach zügigen fünf Jahren ihren Master in der Tasche und ein volles Auslandsjahr im Lebenslauf stehen.

Die Befürchtung der Hochschulen, das zusätzliche Jahr im Curriculum könnte Studierende abschrecken, war unbegründet. Die Bewerberzahlen sind im Gegenteil gestiegen, sogar Studierende aus dreijährigen Studiengängen sind in die längeren Studiengänge gewechselt, weil sie den Auslandsaufenthalt nutzen wollen. Das gilt gerade auch für Studierende an Fachhochschulen. 260 Bewerbungen hat die Fachhochschule Hannover dieses Jahr für den Studiengang International Business Studies erhalten, 25 wurden zugelassen. „Die Studierenden wollen etwas lernen, egal wie lange es dauert“, stellt Professor Günter Hirth, Leiter des Studiengangs, fest. Zwei weitere Bachelor-Plus-Studiengänge in Maschinenbau und in Elektrotechnik hat die Hochschule in der Pipeline.

Anschubfinanzierung des BMBF
Das Treffen in Bonn zeigte: Es gibt viele Wege zum Bachelor Plus. Und: Ohne die Anschubfinanzierung durch den DAAD würde es viele der aktuell 65 geförderten Studiengänge nicht geben. 5,7 Millionen Euro hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung von 2009 bis 2011 bereitgestellt. „Im kommenden Jahr wird es eine Evaluierung und dann hoffentlich eine Förderung weiterer Studiengänge geben“, sagt Claudia Wolf, im DAAD Referatsleiterin für Internationalisierung von Studium und Lehre. Im Wintersemester 2011/12 tritt das Programm in eine heiße Phase: 369 Studierende beginnen dann nach Angaben der Hochschulen ihr Auslandsjahr.

Autor: Bernd Müller
Veröffentlichungsdatum: 04.01.2012
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