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Berliner Künstlerprogramm |
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Eine Holländerin in Berlin: Mayke Nas |
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Operationen am offenen Flügel, das musikalische Abbild einer Kakao-Dose und Anklänge an Debussy: All das bot das Porträt-Konzert der Komponistin Mayke Nas in der Villa Elisabeth in Berlin. Die Niederländerin ist derzeit Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD.
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Sechs Musiker des Nieuw Ensembles stehen um einen Flügel „wie Chirurgen um den Operationstisch“, so beschreibt es Mayke Nas im Programmheft. Auf Kommando beginnen sie, ihn zu bearbeiten: schrubben sein Inneres mit Spülbürsten, klopfen an den Rand, ratschen mit Scheckkarten und Tischtennisbällen über die Saiten. Und „der Patient reagiert auf die Behandlung mit Stöhnen, Kichern und Schnaufen“.
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Wie Chirurgen um einen Operationstisch: Das Nieuw Ensemble von Mayke Nas
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| © Kai Bienert |
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„Douze mains“ heißt das Stück; seine Entstehung verdankt es den Beatles. Erst in den letzten Jahren hat Mayke Nas deren Musik für sich entdeckt. Insbesondere das „White Album“ hat es ihr angetan, nicht nur weil es „tolle Songs“ enthält: „Sie haben einfach Spaß gehabt. Es gab zum ersten Mal die Möglichkeit, in Stereo aufzunehmen, und sie haben die Bänder umgedreht und geschaut, wie es dann klingt.“ Für die ausgebildete Pianistin war das ein Ansporn, den Deckel ihres Flügels abzunehmen und ebenfalls drauflos zu experimentieren.
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Töne mitten aus dem Leben
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Humor und Spielfreude durchziehen bei allem kompositorischen Anspruch das Oeuvre der 39-Jährigen, der manches in der Neuen Musik „fast zu ernsthaft ist“. In ihren Kompositionen ist für mikrotonale Experimente ebenso Raum wie für ein Kinderklatschspiel. Und für verschiedene Medien: Videoinstallationen, Performances, literarische Texte.
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Humor und Spielfreude durchziehen das Werk der Niederländerin
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| © Kai Bienert |
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Die Initialzündung liefern oft äußere Eindrücke aus ihrer Umwelt. Das kann die berühmte Droste-Kakao-Dose sein, auf der eine Krankenschwester mit eben dieser Kakao-Dose zu sehen ist, auf der dieselbe Krankenschwester mit derselben Kakao-Dose… – diesen Effekt eines „Spiegel im Spiegel“ hat Mayke Nas in ihrer Komposition „La Belle Chocolatière“ auf Töne übertragen.
Auch ein Stück von Claude Debussy kann sie inspirieren, oder einfach ein bestimmter Klang. Von der Idee bis zum fertigen Werk ist es aber manchmal ein weiter Weg. „Oft passiert lange nichts, die Uhr tickt, und dann werde ich sehr, sehr nervös. Irgendwann fange ich einfach an, denn das Stück entsteht nur beim Schreiben. Aber ich verbringe die Hälfte der Zeit damit, nervös zu sein.“
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Berliner Künstlerprogramm bietet Rückzugsraum
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In Berlin findet Mayke Nas Ruhe zum Arbeiten – abseits des Alltagsbetriebes zwischen Proben und Juryanfragen. Sie entdeckt hier Musik, die in den Niederlanden kaum gespielt wird. Etwa geräuschhafte Stücke, wie die des deutschen Komponisten Helmut Lachenmann, den sie als einen ihrer „Helden“ bezeichnet. Und Berlin gibt ihr „Luft, sehr viel Luft“. Die geräumige, helle Altbauwohnung in Charlottenburg, die ihr der DAAD zur Verfügung stellt, eignet sich nicht nur zum Komponieren. Sie ermöglicht ihr auch Treffen mit anderen Stipendiaten. Die Stadt selbst empfindet sie als „relaxed“ und offen: „Für alles gibt es ein Publikum. Das ist wunderbar, denn in Holland wird die Kunst zurzeit von der Politik und in den Medien als Schmutz, als Müll angesehen.“
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Die Pianistin mit Alexandre Babel: Das Berliner Künstlerprogramm ist für sie ein Rückzugsraum
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| © Kai Bienert |
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Mayke Nas hat kulturelle Werte früh schätzen gelernt – die Mutter ist Blockflötistin, der Großvater Komponist, Organist und Dirigent, in der Schule gab es ein Orchester, es wurde viel gelesen und Theater gespielt. Mit Sorge beobachtet sie nun in ihrer Heimat die massiven Kürzungen im Kulturbereich, die selbst international angesehene Institutionen wie die Radio-Philharmonie in Gefahr bringen.
Sie ist froh, im Berliner Künstlerprogramm einen Rückzugsraum gefunden zu haben, denn eine große Aufgabe liegt vor ihr: Das Concertgebouw Orchester Amsterdam, eins der renommiertesten Orchester der Welt, hat ein neues Werk bei ihr in Auftrag gegeben; wenn sie im Juni nach Holland zurückkehrt, will sie es im Gepäck haben. Die obligatorische Phase der Nervosität hat sie schon hinter sich.
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Autorin: Eva Blaskewitz |
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Veröffentlichungsdatum: 27.12.2011 |
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© DAAD |
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