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Ladislao Mittner-Preis
Anna Aluffi Pentini
Die Erziehungswissenschaftlerin Anna Aluffi Pentini erhält am 11. Oktober in Rom den Ladislao Mittner-Preis des Deutsch-Italienischen Hochschulzentrums.
Anna Aluffi Pentini
Anna Aluffi Pentini
© Privat
Anna Aluffi Pentini, Jahrgang 1963, ist Professorin an der Universität Roma Tre. Nach Dolmetscherstudium und Pädagogikstudium in Rom und Mainz promovierte sie 1995 zu Fragen interkultureller Bildung. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Aktionsforschung und der interkulturellen Pädagogik. Dabei hat Aluffi Pentini die deutsche und italienische Theorie und Praxis der Pädagogik in beiden Ländern gegenseitig bekannt gemacht. Dafür und für ihren Einsatz für den deutsch-italienischen Austausch hat die Jury ihr den Preis zuerkannt.

Das Deutsch-Italienische Hochschulzentrum (DIH), dessen deutsche Geschäftsstelle im DAAD in Bonn angesiedelt ist, würdigt mit dem Preis italienische Wissenschaftler, die den Dialog zwischen beiden Ländern pflegen. Namensgeber ist der italienische Germanist Ladislao Mittner (1902-75).

Sie haben die deutsche Sprache studiert, Studienzeit in Deutschland verbracht und beschäftigen sich seit vielen Jahren mit Theorie und Praxis deutscher Pädagogik. Woher kommt dieses Interesse an Deutschland?
Es gibt biografische Hintergründe. Mit zehn Jahre konnte ich schon ganz gut Englisch und Französisch sprechen. Als es in der Schule dann um die zu erlernende Fremdsprache ging, haben meine Eltern Deutsch ausgewählt. Das war damals in Italien nicht eben populär. Aber ein Teil meiner Familie kommt aus Polen und Deutschland, darum war für uns die deutsche Sprache nicht so fremd.

Wie kam die Pädagogik hinzu?
Meine Interessen waren immer Sprachen und Soziales. Darum habe ich auch eine Ausbildung als Dolmetscherin für Deutsch und Französisch absolviert – und ein Studium der Pädagogik. Als ich 1989 mit dem ERASMUS-Programm der EU – ich war die erste an meiner Uni – an die Uni Mainz ging, konnte ich beide Interessen miteinander verbinden. Diese Zeit hat den Inhalt und die Richtung meiner wissenschaftlichen Arbeit ganz entscheidend geprägt.

ERASMUS begleitet Sie bis heute – seit über zehn Jahren sind Sie ERASMUS-Beauftragte Ihrer Fakultät. Ist es für die Studierenden heute schwieriger, einen Teil ihres Studiums im Ausland zu verbringen?
Das Interesse wächst in Italien, dennoch würde ich sagen, dass ein Wechsel ins Ausland aufgrund der engen Curricula schwieriger geworden ist. Bei der Anerkennung der gegenseitigen Studienleistungen kommt es immer wieder zu Problemen. Ich sehe auch bei meinen Kollegen eine gewisse Skepsis. Ich wünschte mir ein wenig mehr Verständnis für die schwierige Situation eines Studenten, der plötzlich in einem fremden Hörsaal sitzt und komplizierte Dinge in einer fremden Sprache hört. Vielen Lehrenden in Italien fehlt diese Erfahrung.

In Ihrem Forschungsschwerpunkt der interkulturellen Pädagogik geht es um eine Verschränkung von Praxis und Theorie. Welche Erfahrungen sammeln Sie in der Praxis?
Ich habe vor zehn Jahren ein Forschungsprojekt übernommen, bei dem es um eine Krippe für Migranten-Kinder geht. Ein zweites Projekt hilft alleinerziehenden Migranten-Müttern, die eine befristete Wohnmöglichkeit suchen. Wir versuchen, die Kinder in die Schule zu begleiten und für die Mütter eine Wohnung zu finden. Da erfahre ich insbesondere die Diskrepanz zwischen dem, was man über das Thema schreibt, und dem, was passiert. Studierende meiner Fakultät arbeiten als Praktikanten in dem Projekt, ich betreue sie an der Universität. Eine durchaus befriedigende Arbeit und die Möglichkeit, die Praxis hinter der Theorie der interkulturellen Pädagogik kennenzulernen.

Sie sind nicht nur als Wissenschaftlerin hervorgetreten, sondern auch als Schriftstellerin. Tragen Sie zwei Seelen in der Brust?
Kunst und Wissenschaft sind für mich komplementär. Ich habe früher viele Gedichte geschrieben. Bald wird ein Kinderbuch von mir erscheinen.

Geht es dabei auch um Pädagogik?
Ja, es geht um Neugier auf das Anderssein. Ich habe ein rothaariges Kind, das ist mit einem schwarzen Kind befreundet, das eine Freundin von mir adoptiert hat. Diese Situation hat mich inspiriert.

Autor: Horst Willi Schors
Veröffentlichungsdatum: 10.10.2011
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