Ortslektorenprogramm
Deutsch in aller Welt
Ortslektoren unterrichten an Hochschulen in aller Welt Deutsch. Sie vermitteln die Sprache, geben einen Einblick in Kultur und Landeskunde. Zu einer Konferenz zum zehnjährigen Bestehen des Ortslektorenprogramms trafen sich 50 dieser Lehrkräfte in Bonn.
„Zu Hause“ – der Begriff verwischt, wenn man lange im Ausland lebt. „Wenn ich in Deutschland bin, ist meine Heimat Dortmund; in Japan ist meine Heimat Tokio“, sagt Thomas Pekar, Ortslektor in Japan. Ob er „nach Hause“ fliegt, wenn er von Japan nach Deutschland oder von Deutschland nach Japan reist, darauf möchte er sich nicht festlegen. Der Germanist unterrichtet in Tokio Fächer wie interkulturelle Germanistik und Rhetorik.

Dorothea Rüland (Mitte): Ortslektoren sind ein wichtiger Teil unseres Netzwerks
Dorothea Rüland (Mitte): Ortslektoren sind ein wichtiger Teil unseres Netzwerks
© DAAD/Daniela Schmitter
Seit zehn Jahren gibt es das Ortslektorenprogramm des DAAD. Aus Mitteln des Auswärtigen Amts fördert der DAAD deutsche Lehrkräfte im Ausland (siehe Kasten). Zum Jubiläum trafen sich 50 dieser weltweit rund 770 Ortslektorinnen und Ortslektoren vom 9. bis 12. September in Bonn. Aus 24 Ländern waren die Teilnehmer angereist – insgesamt sind sie in 46 Ländern „zu Hause“.

Ein wichtiger Teil des Netzwerks
„Die Ortslektoren sind ein wichtiger Teil unseres Netzwerks“, sagte DAAD-Generalsekretärin Dorothea Rüland bei der Eröffnung der Konferenz. Sie vertreten die Ziele des DAAD und des Auswärtigen Amts – Stärkung der Germanistik und der deutschen Sprache im Ausland – im täglichen Unterricht. „Zwar studieren weniger Menschen im Ausland Germanistik als früher, Deutsch als Fremdsprache ist aber nach wie vor beliebt“, sagte Rüland. Heinrich Kreft, Sonderbeauftragter für den Dialog zwischen den Kulturen im Auswärtigen Amt, betonte: „Das Netzwerk macht den DAAD zu dem, was er ist – die Ortslektoren sind ein wichtiger Teil davon.“

Dabei treffen die Ortslektoren auf ähnliche Probleme wie Lehrkräfte in Deutschland: In Finnland wird das Studiensystem gerade umgebaut: „Wir müssen in sehr kurzer Zeit völlig neue Studiengänge entwickeln“, sagt Brigitte Reuter, Ortslektorin in Finnland. Das mache ihr etwas „Bauchschmerzen“, weil es so schnell gehen müsse.

In der Ferne zuhause, die Heimat im Blick: Orstlektoren leben zwischen den Kulturen
In der Ferne zuhause, die Heimat im Blick: Orstlektoren leben zwischen den Kulturen
© DAAD/Daniela Schmitter
Lesebuch des DAAD
Die Deutschdozenten sind oft mehrere Jahre oder Jahrzehnte im Ausland. Sie haben sich dort eine Existenz aufgebaut und kennen das Land, in dem sie leben, fast schon besser als Deutschland. Der DAAD hat ein Lesebuch mit dem Titel „In der Ferne zuhause, die Heimat im Blick“ herausgegeben: 23 Ortslektoren berichten von den Ländern, in denen sie leben und davon, wie sich ihr Blick auf diese Länder und auf Deutschland verändert hat. „Aus dem ‚wir Deutsche’ ist ein ‚wir Weltbürger’ geworden, aus Engstirnigkeit und Kleinkariertheit Toleranz und Weitsicht“, schreibt Waltraud Mayr, die seit 30 Jahren in Malaysia lebt und an der Universiti Sains Malaysia das deutsche Sprachprogramm leitet. Sie lebt in und zwischen den Kulturen, das sei ihr Zuhause.

Weitere Informationen
Ortslektorinnen und Ortslektoren

So werden deutsche Lehrkräfte bezeichnet, die an Hochschulen im Ausland tätig sind – und zwar ohne Förderung und in den meisten Fällen auch ohne Vermittlung durch den DAAD oder eine andere deutsche Organisation. Ihre Muttersprache ist Deutsch. Sie unterrichten deutsche Sprache und Landeskunde, vertreten aber auch die germanistischen Teildisziplinen. Sie bilden Deutschlehrer aus und vertreten andere Fächer mit Deutschlandbezug, beispielsweise deutsche Geschichte oder allgemeine Deutschlandstudien.

Seit zehn Jahren bietet der DAAD den Ortslektoren im Rahmen seines Ortslektorenprogramms fachliche Förderung an. Dazu gehören Fortbildungen in der jeweiligen Region oder in Deutschland, kostenlose Zeitschriftenabonnements, Lehrmittel und Sachspenden. Außerdem bietet der DAAD die Möglichkeit zur Vernetzung über ein passwortgeschütztes Internetportal an. Das Ortslektorenprogramm wird aus Mitteln des Auswärtigen Amtes finanziert.
Autor: Maximilian Moll
Veröffentlichungsdatum: 23.09.2011
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