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Schweden
Wenn Unikanzler reisen ...
... dann geht es dabei um den Blick über den Tellerrand und den Austausch mit ausländischen Hochschullenkern. So auch bei der von der Internationalen DAAD Akademie (iDA) organisierten Reise nach Schweden vom 21. bis 25. März. Drei Städte standen auf dem Programm: Stockholm, Uppsala und Göteborg.
Schweden aus der Nähe betrachtet: internationale Positionierung zählt viel
Schweden aus der Nähe betrachtet: internationale Positionierung zählt viel
© DAAD
Interessante Erkenntnis: Auch die Skandinavier scheinen ihre Berührungsängste vor Begriffen wie „Elite“ abgelegt zu haben, denken über prestigeträchtige Fusionen mit anderen Hochschulen und Institutionen nach und über Studiengebühren für ausländische Studierende aus Nicht-EU-Ländern. „In dem Land, in dem das Prinzip vorherrschte, alle Studierenden mitzunehmen auf dem Weg zu einer guten Hochschulausbildung, vollzieht sich offenbar gerade ein Paradigmenwechsel“, beschreibt Gabriele Althoff ihre Eindrücke. Althoff ist Leiterin der DAAD-Akademie, hat die Reise begleitet und meint: „Hochschul-Rankings spielen auch in Schweden eine immer größere Rolle. Man ist sich bewusst, wie wichtig eine gute internationale Positionierung ist.“

Gabriele Althoff (r.): Schweden steht vor einem Paradigmenwechsel
Gabriele Althoff (r.): Schweden steht vor einem Paradigmenwechsel
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Gebühren für mehr Qualität
Den Eindruck hat auch Albert Berger, Kanzler der Technischen Universität München (TUM), gewonnen: „Zu dieser Positionierung gehört der Plan, Gebühren von ausländischen Studierenden zu verlangen. Interessant finde ich dabei den Aspekt, dass die schwedischen Universitäten diesen Studierenden dann im Gegenzug mehr Qualität bieten wollen – um sich für den Wettbewerb vor allem mit den anglo-amerikanischen Universitäten zu wappnen“, sagt Berger. Seine Kollegen und ihn hat besonders interessiert, inwiefern sich dieses Mehr an Qualität im Studienalltag niederschlagen wird. Doch darauf erhielten sie vom Rektor der Universität Stockholm noch keine konkrete Antwort. „Das Ganze ist erst in der Planungsphase“, erklärt Berger.

Qualitätsmanagement, Lebenslanges Lernen, Hochschul- und Forschungsfinanzierung und Internationalisierung – wie managen die schwedischen Kollegen all das? Darum ging es im Kern bei der knapp einwöchigen Tour, der sich 15 Kanzler angeschlossen hatten. Das Programm war stramm und gehaltvoll: Die Universitäten Stockholm und Göteborg, außerdem die private Chalmers Technische Hochschule (ebenfalls in Göteborg), die Universität Uppsala sowie die ebenfalls in Uppsala beheimatete und auf Fort- und Weiterbildung spezialisierte sogenannte Volksuniversität hatten sich für Informationsgespräche zur Verfügung gestellt.

Hintergrundgespräche: Aufschlussreiche Einblicke in schwedische Institutionen
Hintergrundgespräche: Aufschlussreiche Einblicke in schwedische Institutionen
© DAAD
Zentral organisiert: Hochschul- und Forschungsförderung
Außerdem stand ein Besuch im Bildungsministerium auf dem Programm wie auch Hintergrundgespräche unter anderem beim Zentralamt für Hochschulbildung und beim schwedischen Wissenschaftsrat (dem Pendant zur Deutschen Forschungsgemeinschaft). „Sehr aufschlussreich war, dass wir neben den Universitäten auch die wichtigsten staatlichen Institutionen der Hochschulsteuerung und -förderung kennen gelernt haben“, sagt TUM-Kanzler Berger. Denn Hochschul- und Forschungsförderung sind in Schweden stark zentral organisiert, die Forschung konzentriert sich an den Hochschulen – außeruniversitäre Forschung nach deutschem Modell gibt es praktisch nicht. Als wichtige Instanz der Qualitätskontrolle für die Hochschulen fungiert das Zentralamt für Hochschulbildung (Högskoleverket).

Zwar wird durch den Zentralismus zum Beispiel in der Forschungsförderung manches bürokratischer. Dennoch – so der vorherrschende Eindruck der Schweden-Reisenden – verfügen die schwedischen Hochschulen über ein gutes Maß an Autonomie. Martin Hecht, Kanzler der Uni Halle-Wittenberg, hat ebenfalls beeindruckt, wie selbstverständlich die schwedischen Hochschulen ihre Kultur und Tradition in den Hochschulalltag einbinden – „ohne dass dies konservativ oder antiquiert wirkt“. Was Hecht weiter positiv aufgefallen ist: „An der privaten Technischen Hochschule in Göteborg ist die Industrie ein wichtiger Vertragspartner in der Forschung und spielt natürlich als Geldgeber eine sehr große Rolle. Trotzdem soll auch hier der Wissenstransfer unter größtmöglicher Freiheit des Wissenschaftlers stattfinden.“

Autorin: Mareike Knoke
Veröffentlichungsdatum: 13.04.2011
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