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AA-Sonderprojekt 2010: ''Bildungspartnerschaften''
Deutsche Lektoren im Ausland: Botschafter der deutschen Sprache und des Hochschulstandorts Deutschland
Die Gruppe aus Budapest bei Windkanaltests am Karlsruher Institut für Technologie; © Jan Greune
Die Gruppe aus Budapest bei Windkanaltests am Karlsruher Institut für Technologie; © Jan Greune
An Hochschulen in über hundert Ländern der Welt unterrichten sie Deutsch als Fremdsprache, bringen Studierenden das Alltagsleben in Deutschland nah und wecken zugleich Interesse am Wissenschaftsstandort Deutschland: Weltweit leisten die Lektoren des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), gefördert aus Mitteln des Auswärtigen Amts, einen wichtigen Beitrag für die Vermittlung der deutschen Sprache und Kultur. Viktoria Ilse ist eine von ihnen. Für Studierende aus Ungarn hat sie im Sommer 2010 eine Reise nach Deutschland organisiert.
Aus der Mitte des Atriumhauses steigt Rauch auf. Die ungarischen Studierenden gruppieren sich um die kleine Versuchsanordnung auf dem Tisch und verfolgen gespannt, welchen Einfluss der Wind auf die Belüftung nimmt. Die Gäste aus Budapest dürfen auch selbst ausprobieren, wie sich die Richtung des gelben Qualms verändern lässt. Das renommierte Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist eine der Stationen ihrer Studienreise nach Deutschland. Vor der Besichtigung des Windkanals hat die Gruppe an diesem Vormittag bereits eine Vorlesung besucht. Dass ein Professor nicht nur redet, sondern auch Fragen stellt, fanden die Gasthörer ungewöhnlich. Wirtschaftsstudentin Dorina Bujdosó ist ganz stolz: „Ich habe fast alles verstanden!“ Wie alle anderen Teilnehmer der Reise auch, nutzt sie das Angebot des DAAD-Lektorats am Institut für Fremdsprachen der Universität Budapest und lernt dort von Muttersprachlern Deutsch.

DAAD-Lektorin Viktoria Ilse
DAAD-Lektorin Viktoria Ilse
© Jan Greune
Einblicke in das deutsche Universitätsleben
Viktoria Ilse strahlt. Sie ist erleichtert, weil alle mit dem Reiseprogramm so zufrieden sind. Seit drei Jahren arbeitet die 27 Jahre alte Sprachwissenschaftlerin als DAAD-Lektorin an der Technischen und Wirtschaftswissenschaftlichen Universität Budapest. Zu ihren Aufgaben gehört es, Kurse in Deutsch als Fremdsprache zu geben, Landeskunde und Wirtschaftsdeutsch zu unterrichten und Fachübersetzer auszubilden. Das spannende Programm der einwöchigen Reise nach Stuttgart und Karlsruhe hat sie zusammengestellt: Die 15 Ingenieure, Informatiker, Gebäudetechniker und Wirtschaftswissenschaftler aus Budapest erfahren deutsches Universitätsleben hautnah – mit Vorlesungen, Besuchen in Forschungslabors und im direkten Austausch mit deutschen Studierenden. „So erleben sie Landeskunde direkt vor Ort“, sagt die Lektorin. Zu den Höhepunkten der Woche gehört außerdem ein Besuch im Mercedes-Werk. Den angehenden Gebäudetechniker Balázs Bokor begeistert die Chance, in kurzer Zeit so viel von Deutschland kennenzulernen. Einen Tag in Stuttgart hat er entschlossen zum Besuch eines Professors genutzt, an dessen Lehrstuhl er gerne weiterstudieren würde. „Er war sehr nett und hat schon zugesagt, dass er mich als Studenten nehmen wird.“

DAAD-Lektorin Viktoria Ilse mit der Gruppe ungarischer Studierender am KIT
DAAD-Lektorin Viktoria Ilse mit der Gruppe ungarischer Studierender am KIT
© Jan Greune
Ein facettenreiches Bild vermitteln
Gute Köpfe für den Forschungsstandort Deutschland zu interessieren und den wissenschaftlichen Austausch zu fördern – auch das gehört zu den Aufgaben der deutschen Lektoren im Ausland: Sie sind Botschafter des Hochschulstandorts Deutschland und der deutschen Sprache. Das Lektorenprogramm gilt als ein Kernstück der Germanistik-Förderung des DAAD und ist wichtiger Bestandteil der Förderung der deutschen Sprache im Rahmen der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Im Jahr 2009 waren rund 500 sorgfältig vom DAAD ausgewählte und vorbereitete Lektoren an Hochschulen in 110 Länder der Welt entsandt, besonders viele von ihnen arbeiten in Europa und Asien. Zwischen zwei und fünf Jahren dauert ihr Einsatz. Die Lektoren sind Angestellte der Gasthochschulen, zudem wird ihre fachliche Vorbereitung und Fortbildung vom DAAD aus Mitteln des Auswärtigen Amts unterstützt. In Ungarn arbeiten neben Viktoria Ilse neun weitere DAAD-Lektoren, unter ihnen zwei Fachlektoren für Jura und BWL. Während die Fachlektoren deutschlandbezogene Schwerpunkte in Disziplinen jenseits der Germanistik setzen, verstehen sich die sogenannten Regellektoren, zu denen Viktoria Ilse gehört, stärker als Kulturvermittler. „Als Geisteswissenschaftler haben wir die Möglichkeit ein facettenreiches Deutschlandbild in die Welt zu tragen“, sagt sie. Auch für die Lektoren selbst ist der Auslandsaufenthalt eine Bereicherung: „Ein DAAD-Lektorat ist ein gutes Sprungbrett für die Karriere“, findet Viktoria Ilse. „Die Arbeit öffnet einen größeren Blickwinkel, man wird offener und kann sein wissenschaftliches Netzwerk erweitern.“ Ihre Zeit in Budapest wird sie um zwei Jahre verlängern, anschließend möchte sie in Deutschland organisatorisch im Hochschulwesen tätig sein.

Mechatronik-Studierende der FH Karlsruhe erklären den ungarischen Gästen ihre für eine Semesterarbeit selbstkonstruierten Fahrzeuge
Mechatronik-Studierende der FH Karlsruhe erklären den ungarischen Gästen ihre für eine Semesterarbeit selbstkonstruierten Fahrzeuge
© Jan Greune
Für ein Studium in Deutschland motivieren
Wichtige Arbeit leisten die Lektoren im Ausland auch in der Stipendienberatung. „Viele erfahren erst in den Sprachkursen, dass es so etwas wie DAAD-Stipendien überhaupt gibt“, sagt Viktoria Ilse. „In meinen Sprechstunden versuche ich zu motivieren: Nicht nur Sprachzeugnisse, auch Auslandserfahrungen sind bei der Jobsuche wichtig.“ Wenn dann eine positive Rückmeldung kommt, per Mail aus Deutschland, ist sie glücklich. „Es ist ein tolles Gefühl, wenn jemand den Sprung geschafft hat.“ In Karlsruhe ist Viktoria Ilse mit ihrer Gruppe inzwischen auf dem Messegelände angekommen. Hier drehen ebenso windschnittige wie bizarre Fahrzeuge ihre Runden auf einem nahezu unsichtbaren Schienensystem. Mechatronik-Studierende der Fachhochschule Karlsruhe erklären den ungarischen Gästen, wie sie ihren „Movidranten“ im Rahmen einer Semesterarbeit zum Laufen gebracht haben. Die Wirtschaftsstudentin Edit Fürjes-Benke ist beeindruckt. In Gesprächen mit deutschen Studierenden konnte sie außerdem viel aus erster Hand über den Hochschulalltag erfahren. „Das fand ich sehr interessant. Gut gefällt mir, dass das Verhältnis zwischen Dozenten und Studenten nicht so hierarchisch ist.“ Edit hat in dieser Woche eine wichtige Entscheidung getroffen: „Für mich steht jetzt fest: Ich möchte auf jeden Fall in Deutschland weiterstudieren.“

Weitere Informationen
Lesen Sie mehr zu den Bildungspartnerschaften auf der Website des Auswärtigen Amts:

- Interview mit Dr. Gisela Schneider, Leiterin der Gruppe "Germanistik und Deutsche Sprache im Ausland"
- Infoboxen zu den unterschiedlichen Lektoratstypen
- Zahlen und Fakten zum Lektorenprogramm
- Links rund um das Lektorenprogramm
Autorin: Gunda Achterhold/Societäts-Verlag
Veröffentlichungsdatum: 06.09.2010
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