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Germanistik im Ausland
Gute Aussichten
Germanistik-Institute kämpfen im Ausland ums Überleben. Die Internationale Vereinigung für Germanistik zeigt sich dennoch optimistisch: Das Interesse an der Sprache Deutsch steigt wieder. Neuer Präsident der Vereinigung ist Professor Zhu Jianhua - einer der bekanntesten Germanisten Chinas.
Eine aktuelle Untersuchung des Auswärtigen Amtes zur „Deutschen Sprache in der Welt“ ergab, dass Deutsch in vielen Ländern noch immer die wichtigste Zweitsprache an Schulen ist. In Polen, Italien oder Griechenland, in denen in den letzten Jahren stark für Deutsch geworben wurde, stiegen die Zahlen der Deutsch-Lernenden sogar an. Auch in Frankreich endete der fast ein Jahrzehnt andauernde Rückgang. Ein gutes Signal auch für das Hochschulfach Germanistik?

In den USA ist Deutsch immer noch die drittstärkste Fremdsprache - wie hier an der Washington University St. Louis
In den USA ist Deutsch immer noch die drittstärkste Fremdsprache - wie hier an der Washington University St. Louis
© Wikimedia Commons
Das hofft die Internationale Vereinigung für Germanistik (IVG), die sich in Warschau zum zwölften Mal auf einem Weltkongress traf. 1951 wurde die Vereinigung auf dem Kongress der Féderation Internationale des Langues et Littératures Modernes in Florenz gegründet mit dem Ziel, die internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Germanistik zu fördern. Die diesjährige Veranstaltung informierte über die „Vielheit und Einheit der Germanistik weltweit“. In 60 Sektionen tauschten sich mehr als 1.500 Teilnehmer aus der ganzen Welt über deutsche Linguistik, Literatur und Kultur aus. Etwa ein Drittel der Referenten waren DAAD-Alumni.

Universidad de Guadalajara Mexiko: Kann man die Germanistik an Tourismus anbinden?
Universidad de Guadalajara Mexiko: Kann man die Germanistik an Tourismus anbinden?
© Wikimedia Commons
Kreativ gegen die Krise
Ein großes Thema war die Zukunft der Auslandsgermanistik. In immer mehr Ländern werden Institute geschlossen und in allgemeine Fremdsprachenabteilungen integriert. So machten sich die Kongress-Teilnehmer Gedanken um zukunftsfähige Modelle. Der DAAD veranstaltete zu diesem Thema eine Podiumsdiskussion: Expertinnen und Experten aus Indien, der Türkei, Mexiko und Polen sprachen über die Situation des Fachs in ihren Ländern. Der vielbeschworenen Krise begegnete man mit konstruktiven Vorschlägen. „Eine Möglichkeit ist die stärkere Anbindung an Nachbarfächer oder die Kooperation mit eher anwendungsbezogenen Fächern wie Betriebswirtschaft oder Tourismus“, sagt zum Beispiel Florian Gräfe, Lektor des DAAD an der Universidad de Guadalajara in Mexiko. Dabei dürfe jedoch der philologische Kern des Faches nie aus den Augen verloren werden.

Ist die Auslandsgermanistik bereits ein Orchideenfach geworden? So allgemein sei dies nicht zu sagen, sagt Paul Michael Lützeler, Vize-Präsident der IVG und Professor der Germanistik und der Komparatistik an der Washington University in St. Louis. „In den USA ist Germanistik an den Colleges und Universitäten nach Spanisch und Französisch immer noch die drittstärkste Fremdsprache. Und an den renommiertesten Universitäten halten sich meistens die Germanistik-Institute als eigenständige Verwaltungseinheiten.“ Auch gelten Germanistik-Studierende im Ausland als besonders motiviert und strebsam. "Sie wissen, dass die Marktsituation für sie nicht besonders günstig ist, gerade deswegen strengen sie sich an, um zu den besten Absolventen zu gehören", sagt Lützeler.

Einer der bekanntesten Germanisten in China: der neue IVG-Präsident Professor Zhu Jianhua
Einer der bekanntesten Germanisten in China: der neue IVG-Präsident Professor Zhu Jianhua
© Wikimedia Commons
Erste Erfolgsgeschichten
Die Auslandsgermanisten müssten sich künftig enger vernetzen, fordert Lützeler. Erste Erfolge gebe es: „In den letzten Jahren entstanden germanistische Vereinigungen in Afrika, Lateinamerika, Mitteleuropa und Asien." Das werde die Auslandsgermanisten einander näher bringen, so dass Probleme in Zukunft gemeinsam besser erkannt werden. Als Zeichen für das Interesse an der Germanistik im fernen Ausland werteten Kongressbesucher die Ernennung von Professor Zhu Jianhua aus Shanghai zum neuen Präsidenten der IVG. „Die Wahl zeigt, dass es um eine wirkliche Internationalisierung der Germanistik geht“, sagt IVG-Vizepräsidentin Aleya Khattab. Es sei das erste Mal, dass ein Chinese Präsident der Vereinigung wird.

Am Ende des Kongresses waren sich die Teilnehmenden einig: Es gibt viel Arbeit für die Auslandsgermanistik, doch sollte man nicht zu skeptisch in die Zukunft blicken. „In einigen Ländern ist man froh, als sogenanntes Orchideenfach zu überleben: besser als schöne Blume verehrt, denn als Unkraut vernichtet zu werden“, sagt Paul Michael Lützeler.

Weitere Informationen
Jacob- und Wilhelm-Grimm-Preis

Auf dem Weltkongress der Internationalen Vereinigung für Germanistik in Warschau wurde auch der diesjährige Jacob- und Wilhelm-Grimm-Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) verliehen. Er ging an den renommierten amerikanischen Germanisten Professor Dr. David E. Wellbery. Lesen Sie ein Interview mit ihm im DAAD-Magazin:

Autorin: Marie-Charlotte Maas
Veröffentlichungsdatum: 01.09.2010
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