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Spotlight: DAAD-Außenstellen 2010
Peking
China ist stolz darauf, die größte Bildungsnation der Welt zu sein. In den letzten Jahren glänzten die Hochschulen des Landes mit einem enormen Anstieg der Studierendenzahlen. Der qualitative Fortschritt folgt langsamer, aber sicher.
Stefan Hase-Bergen (Mitte) und das Team der DAAD-Außenstelle Peking:
Stefan Hase-Bergen (Mitte) und das Team der DAAD-Außenstelle Peking: "China ist auf einem guten Weg zu einem qualitativen Fortschritt"
© DAAD
Zittern im bevölkerungsreichsten Land der Erde: Im Vergleich zu anderen aufsteigenden Industrienationen wie Brasilien oder Indien wurde China von der Finanzkrise schwerer getroffen. Massenentlassungen, Fabrikschließungen – das war 2008 das traurige Bild in vielen Regionen des Landes. Doch dank dem weltweit größten Konjunkturprogramm rappelte sich die chinesische Wirtschaft schnell wieder auf. Im ersten Halbjahr 2010 verzeichnete sie wieder eine Wachstumsrate von 12 Prozent. Doch die Unsicherheit bleibt: „China ist stark abhängig von Exporten“, sagt Stefan Hase-Bergen, Leiter der DAAD-Außenstelle in Peking. „Deshalb ist die größte Sorge der chinesischen Regierung momentan die Schuldenkrise in Europa.“

Der Landmark-Tower mit dem DAAD-Büro im Herzen Pekings
Der Landmark-Tower mit dem DAAD-Büro im Herzen Pekings
© DAAD
Abschluss ohne Anschluss?
Mit seinem Büro in Peking ist der DAAD mitten im Herz der aufstrebenden Volksrepublik angesiedelt: Siebeneinhalb Millionen Menschen leben allein in den zentralen Bezirken der Stadt, 2.000 Fahrzeuge werden täglich zugelassen. Enorme Wachstumszahlen hat auch der chinesische Hochschulsektor zu verzeichnen. Die Zahl der Absolventen hat sich von 2000 bis 2008 mehr als verfünffacht, die Hochschuldichte verdoppelte sich. Die Zukunft sieht nach der Finanzkrise für viele Absolventen nicht rosig aus. 2009 fanden nur zwei Drittel der über sechs Millionen Hochschulabgänger einen Job. Die Löhne fielen 2009 um etwa 14 Prozent.

Dennoch ist gerade im Ingenieurwesen die Nachfrage nach hoch qualifizierten Arbeitskräften ungebrochen. „Der Bedarf kann unter anderem deshalb nicht gedeckt werden, weil die entsprechenden Studiengänge teilweise zu praxisfern sind“, erklärt Stefan Hase-Bergen. Das ist ein Grund dafür, dass viele Chinesen einen Teil ihrer Ausbildung im Ausland absolvieren. Für Studienaufenthalte zog es 2007 die meisten Studierenden in die USA. Deutschland ist – abgesehen vom Nachbarland Japan – das beliebteste Auslandsziel nach den englischsprachigen Ländern. Besonders der Austausch von Promovierenden kommt in Schwung: Im Rahmen des „5.000er-Programms“ schickt das China Scholarship Council seit 2007 jedes Jahr insgesamt 5.000 begabte Doktoranden ins Ausland. Deutschland steht bereits seit zwei Jahren auf Platz zwei in der Liste der beliebtesten Zielländer.

Blick aus dem DAAD-Büro auf die boomende Megacity
Blick aus dem DAAD-Büro auf die boomende Megacity
© DAAD
Qualität zieht nach
„Gebäude können schnell errichtet werden, doch eine gute Hochschule braucht Zeit zur Entwicklung“, so Stefan Hase-Bergen über die rasante Entwicklung des chinesischen Hochschulmarktes. Oftmals sei das Betreuungsverhältnis noch zu schlecht, auch von Korruptionsfällen werde immer wieder berichtet. „Doch China ist auf einem guten Weg zu einem qualitativen Fortschritt.“ So hat sich beispielsweise die Zahl hochwertiger Forschungspublikationen mit chinesischer Beteiligung in den letzten fünf Jahren verdoppelt. Aktuell liegt das Land auf Platz zwei hinter den USA. Und so zieht China auch immer mehr ausländische Studierende an. 2009 erzielte die Volksrepublik mit 223.000 ausländischen Studierenden eine mit Deutschland vergleichbare Zahl – allerdings nur absolut betrachtet.

Da der Großteil der ausländischen Studierenden in China aus dem südostasiatischen Kulturraum stammt, mangelt es in China noch an englischsprachigen Studiengängen. „Wer in China studieren möchte, hat aber gute Möglichkeiten, die chinesische Sprache vor Ort zu erlernen“, sagt Stefan Hase-Bergen.

Autorin: Julia Walter
Veröffentlichungsdatum: 26.08.2010
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