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Spotlight: DAAD-Außenstellen 2010
Neu-Delhi
Mit sieben Prozent Wirtschaftswachstum übertrumpfte Indien 2009 die meisten anderen Länder. Von der verhältnismäßig guten Finanzlage profitierte auch der indische Bildungshaushalt. Doch für große Verbesserungen im Hochschulbereich bleiben die Kassen weiterhin knapp.
Trotz vieler Probleme gibt es in Indien einige der besten Hochschulen der Welt - zum Beispiel das Indian Institute of Technology Bombay (Foto)
Trotz vieler Probleme gibt es in Indien einige der besten Hochschulen der Welt - zum Beispiel das Indian Institute of Technology Bombay (Foto)
© Wikimedia Commons
Ernteausfälle durch einen starken Monsun belasten die indische Wirtschaft mehr als globale wirtschaftliche Instabilität. "Da in Indien hauptsächlich für den eigenen Markt produziert wird, ist das Land relativ unabhängig vom Exportgeschäft", sagt Christiane Schlottmann, Leiterin der DAAD-Außenstelle in Neu-Delhi. Aus diesem Grund und wegen des streng regulierten indischen Bankensystems hat das Land während der weltweiten Finanzkrise den Kopf über Wasser gehalten: Während 2008 in Europa und Nordamerika die Märkte zusammenbrachen, erzielte Indien noch immer ein Wirtschaftswachstum von sieben Prozent.

Die Welt in Fußnähe: Das DAAD-Büro liegt mitten im Botschafterviertel Neu-Delhis
Die Welt in Fußnähe: Das DAAD-Büro liegt mitten im Botschafterviertel Neu-Delhis
© DAAD
Auf Umwegen zum Fortschritt?
Das Land investierte zwar in Bildung: So stieg der Bildungsetat für das Haushaltsjahr 2010/2011 auf rund sieben Milliarden Dollar. Bei 1,2 Milliarden Indern sind das allerdings nicht einmal sieben Dollar pro Kopf. Der indische Bildungsminister Kapil Sibal ist überzeugt, dass das Finanzloch nur durch private Investitionen ausgeglichen werden kann. Sechzig Prozent der indischen Hochschulen sind privat. "Das macht den Bildungsmarkt größer, aber nicht unbedingt besser", sagt Christiane Schlottmann. "Es gibt nur wenige ausgezeichnete indische Universitäten, dagegen sehr viele drittklassige." Fehlende Standards zur Qualitätssicherung verschärfen das Problem.

Großen Erfolg verspricht sich Kapil Sibal auch von der Öffnung des Bildungsmarktes für ausländische Hochschulen. Bisher verbot ein Gesetz die Gründung nicht-indischer Universitäten im Staatsgebiet. Darüber hinaus dürfen keine ausländischen Wissenschaftler auf Planstellen in indischen Hochschulen berufen werden. Das soll sich ändern. "In der indischen Presse werden die Pläne des Bildungsministers seit Monaten kontrovers diskutiert", berichtet Christiane Schlottmann. So befürchten Kritiker Sibals, dass beim Run ausländischer Hochschulen auf den indischen Bildungsmarkt nicht Qualität, sondern Geld entscheidend sein wird – und sich die soziale Kluft im Bildungswesen verstärkt.

Kompetente Beobachter der indischen Hochschulpolitik: Christiane Schlottmann (8.v.l.) und die Mitarbeiter der DAAD-Außenstelle
Kompetente Beobachter der indischen Hochschulpolitik: Christiane Schlottmann (8.v.l.) und die Mitarbeiter der DAAD-Außenstelle
© DAAD
Hochschulen ohne Lehrer
Die Studierendenzahlen explodieren, die Lehrer fehlen: An indischen Hochschulen arbeitet derzeit nur halb so viel wissenschaftliches Personal wie benötigt wird – schuld sind die schlechte Bezahlung und der Verlust von Spitzenkräften an die Wirtschaft und an das Ausland. Viele Hochschullehrer haben nur einen Masterabschluss, Regierungsstipendien für eine Promotion im Ausland gibt es nicht. Doch in Kapil Sibal sieht Christiane Schlottmann einen Minister, der die vielen Schwierigkeiten im indischen Hochschulwesen wahrnimmt und konkrete Reformen vorantreibt: "Er bringt frischen Wind in die indische Bildungspolitik".

Autorin: Julia Walter
Veröffentlichungsdatum: 24.08.2010
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