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ACA-Tagung
Minds on the Move
Mobile Intelligenz und intelligente Mobilität waren die Themen der diesjährigen Jahreskonferenz der Academic Cooperation Association (ACA) in Córdoba. DAAD-Generalsekretär Christian Bode, Mitbegründer und langjähriger Vizepräsident von ACA, zieht im Interview Bilanz über die Entwicklung der europäischen Dachvereinigung nationaler Mobilitäts-Agenturen.
Christian Bode: Wir brauchen eine neue globale Bildungsdebatte
Christian Bode: Wir brauchen eine neue globale Bildungsdebatte
© Eric Lichtenscheidt
Was macht ACA und welche Bedeutung hat die Vereinigung für den DAAD?
Christian Bode: Wir haben ACA schon bald nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und der Erweiterung der Europäischen Gemeinschaft als Europäischen Dachverband gegründet. Mitglieder sind Einrichtungen, die ähnlich wie der DAAD sowohl nationale Programme durchführen, als auch an den europäischen Programmen beteiligt sein wollen. Meine "Traumvorstellung" war, in Brüssel so etwas ähnliches aufzubauen wie den DAAD in Deutschland, wobei sich die Brüsseler Dachorganisation nicht auf 3.500 europäische Mitgliedshochschulen, sondern auf nationale Agenturen wie den DAAD, die holländische NUFFIC, den British Council und andere stützen sollte.

Anfänglich sah das ganz gut aus, ACA führte in Brüssel das ERASMUS-Büro. Dann mussten wir aber bald feststellen, dass die Kommission, aber auch der Rechnungshof und das Parlament, von akademischer Selbstverwaltung wenig verstanden und erst recht nichts hielten, sondern lediglich technischen Service wollten. Selbstverwaltung der Zivilgesellschaft wird in Brüssel eher als Selbstbedienung missverstanden. Die Zeit ist dafür offenbar noch nicht reif, sie wird aber kommen. Sie muss kommen, wenn das Europa der Bürger ernst genommen werden soll.

Welche Aufgaben sind für ACA geblieben?
Christian Bode: Auch unterhalb der "großen Lösung" gibt es viel Spielraum für sinnvolle Aktivitäten. ACA hat sich vor allem als Informant, Ratgeber und Forum der Meinungsbildung mit seiner Expertise in ganz Europa einen Namen gemacht: Vor zehn Jahren startete ACA eine Publikationsreihe, die "Papers on International Cooperation in Higher Education" – viele dieser Bücher sind heute Standardwerke. Auch das Interesse an den ACA-Konferenzen ist hoch – jährlich treffen sich dort mehr als 200 Teilnehmer.

Nicht zuletzt informieren sich rund 100 Hochschulvertreter und Politiker mehrmals pro Jahr in den von ACA angebotenen European Policy Seminars (EPS) über aktuelle europäische und nationale Hochschultrends. In dem Maße, in dem die EU ihre Aktivitäten im Hochschulbereich inzwischen erweitert hat, – und diese Aktivitäten gehen ja längst über einzelne Mobilitätsprogramme hinaus bis tief in die nationale Hochschulpolitik hinein – ist gleichzeitig die Bedeutung von ACA als eine Brücke zwischen EU und Mitgliedsstaaten gewachsen.

Welche neuen Schwerpunkte sollte ACA künftig setzen?
Christian Bode: Zunächst müssen wir unsere Basis verbreitern: Einige europäische Länder haben noch keine ACA-konformen Einrichtungen, daher sollten wir dort für die Gründung nicht-staatlicher Austausch-Agenturen werben, um möglichst flächendeckend in der EU oder sogar darüber hinaus im Bologna-Raum präsent zu sein. Es wäre zudem sinnvoll, wenn wir die Zusammenarbeit der Mitgliedseinrichtungen unter dem Schirm von ACA intensivieren, etwa im Marketing, in der Entwicklungszusammenarbeit oder bei der Qualität in der internationalen Bildung und auf dieser Grundlage dann stärker proaktiv auf die Politik in Brüssel Einfluss zu nehmen versuchen. Dazu muss ACA seine Kompetenzen noch stärker - auch in der Öffentlichkeit - profilieren. Ich denke etwa an die Diskussionen über die neue Generation von EU-Mobilitätsprogrammen, die Entwicklung einer Europäischen Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik oder über die Zusammenführung von Hochschulraum und Forschungsraum.

An der Universität Córdoba diskutierten die ACA-Mitglieder über mobile Intelligenz und intelligente Mobilität
An der Universität Córdoba diskutierten die ACA-Mitglieder über mobile Intelligenz und intelligente Mobilität
© Wikimedia Commons
Sie haben auf der ACA-Konferenz in Córdoba eine neue globale Bildungsdebatte gefordert. Was meinen Sie damit?
Christian Bode: Ich denke, wir sollten Internationalität nicht mehr nur als Phänomen physischer Mobilität von Studierenden und Forschern verstehen, sondern sie als geistige Haltung, Orientierung und Verantwortung begreifen, die nicht nur für die wenigen mobilen, sondern für alle Hochschulangehörige gelten sollte. Angesichts der massiven Globalisierung, die uns einerseits ungeahnte Chancen eröffnet, andererseits aber auch weltweite Probleme verschärft, müssen wir uns viel mehr als bisher mit den Zielen, Inhalten und der moralischen Dimension von Internationalisierung befassen.

Es geht um eine faire Gestaltung der Globalisierung, die möglichst vielen Menschen Vorteile bringt und Schäden für künftige Generationen vermeidet. Wir brauchen also eine neue globale Bildungsdebatte, bei der die Erziehung zum "global citizen" im Mittelpunkt steht: Bürger, die global denken und verantwortlich Zukunft mitgestalten können. ACA könnte diese Debatte anstoßen, denn natürlich spielen dabei akademische Zusammenarbeit und Mobilität eine zentrale Rolle.

Autor: Das Interview führte Boris Hänßler
Veröffentlichungsdatum: 18.08.2010
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